Serie: Auf Seelenpfaden durch den Sommer (3)

Wallfahrt im Wangerland

Direkt hinter dem Deich von Schillig laden die evangelische und katholische Kirche zu einer Wallfahrt von Kirche zu Kirche ein. Ziele sind zum Beispiel die so genannten Warftkirchen, Jahrhunderte alte Zeugen des Glaubens.

Die meisten wurden errichtet auf Erhebungen, so genannten Warften. Bis zu zwanzig Meter hoch ragen ihre Außenwände in den meist windigen Küstenhimmel. Und man kann sich beim Blick hinauf gut vorstellen, wie sie in früheren Zeiten Menschen Schutz boten, wenn eine Sturmflut das niedrige Land überspülte.

Der Wind bläst mitunter kräftig

Auch dem Fahrradpilger von heute bieten die Bauten Schutz. Zum Beispiel, wenn an einem heißen Augusttag die Sonne brennt und die dicken Mauern drinnen angenehme Kühle bewahren. Zu den Zielen zählen aber auch moderne Gebäude wie die erst vor sechs Jahren eingeweihte katholische St.-Marien-Kirche von Schillig.

Eine reizvolle, wenn auch anstrengende Tour. Denn der Wind bläst im Norden des Bistums mitunter recht kräftig. Dafür geht es auf offener Strecke zwischen Flecken wie St. Joost, Minsen oder Pakens oder Oldorf eher beschaulich zu. Emsig drehen sich allenfalls die Windräder am Horizont.

Insgesamt liegen 14 Kirchen an der Strecke

Der damalige katholische Pfarrer und die evangelische Pastorin von Schillig hatten 2004 den Anstoß zu dem Pilgerweg-Projekt gegeben. Zwölf alte und zwei moderne Kirchen bilden die Stationen. Viele stammen aus dem 13. oder 14. Jahrhundert.

Wer die gesamte Strecke oder nur einen Teilabschnitt absolvieren möchte, sollte sich zuvor die Broschüre „Kirchen im Wangerland“ zur Hand nehmen. Sie liegt in den Kirchen aus. Die Karte darin dient zum einen der Streckenplanung, zum anderen sind alle Gotteshäuser mit Öffnungszeiten vorgestellt. Das schützt vor Enttäuschungen, denn viele Kirchentüren werden nach 17 Uhr abgeschlossen.

Nicht nur für Kinder: Pilgerpass mit Stempeln

Erfahrene und trainierte Radler können sich auch die gesamte Strecke auf einmal vornehmen. Spazierfahrer sollten es besser bei Teilabschnitten belassen, damit die Tour nicht in ein Rennen ausartet. Das wäre auch deshalb schade, weil für Besuche in den Gotteshäusern zu wenig Zeit bliebe.

Nicht nur für Familien mit Kindern eignet sich zudem der „Pilgerpass“. Dort hinein kommen Stempel, die in jeder Kirche ausliegen. Damit lassen sich auch Jüngere für die Pilgerfahrt begeistern.

Es gibt auch geführte Touren

Regelmäßig im Sommer bieten die katholische und die evangelische Gemeinde abwechselnd Touren an, die jeweils zu zwei bis drei Kirchen führen. Sie seien so gehalten, dass auch untrainierte bedenkenlos mitfahren könnten, versichert der katholische Pfarrer Lars Bratke.

Pfarrer Bratke und die evangelische Pastorin Sabine Kullik haben gemeinsam mit einem Grafiker außerdem ein Pilgertagebuch herausgegeben. Darin  finden sich meditative Gedanken, Gedichte und Bibelverse, aber auch Bilder. Das Buch ist für zwölf Euro im katholischen Gemeindebüro in Schillig erhältlich sowie in den evangelischen Büros in Jever und Minsen erhältlich.