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Kerzen, Rosenkränze & Co. - wo gibt's das eigentlich noch? (3)

Wallfahrtsort Bethen: Bahlmann bietet Rosenkränze und Rosenkohl für alle

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Im Schatten der Wallfahrtsbasilika im nördlichsten Marienwallfahrtsort Deutschlands verkauft die Familie von Hildegard Pöppelmann-Möller in ihrem Eckladen seit mehr als 90 Jahren in Bethen im Kreis Cloppenburg neben Lebensmitteln auch Wallfahrtsandenken und Devotionalien. Zwischen Gemischtwaren und Rosenkränzen in Bethen im Kreis Cloppenburg bekommt sie gut mit, was Menschen bewegt, auch in der Pandemie.

Vor dem Regal mit den Ikonen stehen Getränkekisten mit Cola und Malzbier. Im Regal unter den Marien- und Franziskusstatuen warten Tiefkühlbeutel auf Käufer. Auf den Engel-Anhängern in der Schachtel daneben steht „Seid behütet“ zu lesen. Neben dem Tisch mit Spruchkarten stehen Konservendosen mit Spargel-Abschnitten und Sellerie-Salat.

Es ist eine ungewöhnliche Kombination, die der kleine Eckladen am Rande des Wallfahrtsplatzes im oldenburgischen Bethen bietet: von Weizenkorn bis Weihwasserbehältern, von Rotkohl bis Rosenkränzen, von Spülmittel bis Spruchkarten. „Andenken Bahlmann“ und „Gut Kauf“ steht über der Tür des kleinen Geschäfts zu lesen, das seit mehr als 90 Jahren immer mehr war als nur ein Tante-Emma-Laden.

Angebot für Leib und Seele

„Wir wollen den Menschen hier etwas für Leib und Seele bieten“, erklärt Hildegard Pöppelmann-Möller, die Enkelin des Gründers. Sie führt heute den Laden, den alle im Ort nur unter „Bahlmann“, dem Namen ihres Großvaters kennen. Der hatte 1928 die Idee, die das Geschäft bis heute prägt: zum einen Nahversorgung zu bieten für den kleinen Ort mit Brötchen, Lebensmitteln und Haushaltswaren, zum anderen Anlaufstelle zu sein für die Pilger im nördlichsten Marienwallfahrtsort Deutschlands.

Wenn die sich nach einem Gebet in der Wallfahrtskapelle oder dem Hochamt in der Basilika umschauen, stoßen sie schnell auf das kleine Geschäft. Mit Kreuzen, Marienstatuen oder mit „Du lebst in unseren Herzen“ bemalten Steinen  im Schaufenster. Und immer wieder, so berichtet die Inhaberin, nehmen sie sich etwas aus den Regalen mit.

Touristenführerinnen für Einzelpilger

„In erster Linie kommen Einzelpilger zu uns“, sagt die Ladenbesitzerin. Menschen aus der Gegend oder von weiter weg, die sich gezielt auf den Weg nach Bethen machen oder mal eben kurz von der direkt am Ort vorbeiführenden Bundesstraße 213 abfahren. Ab und zu trifft sie auch Menschen, die den Ort nicht kennen und interessiert fragen: Was hat es mit der Kapelle auf sich? Gab es hier Wunder?

Unzählige Male haben sie und ihre 91-jährige Mutter Wilma Pöppelmann solchen Besuchern dann die Geschichte des Wallfahrtsortes erzählt, haben von Legenden, Wundern und Heilungen berichtet. „Wir sind dann so etwas wie Touristenführerinnen“, sagt die Tochter. Und als sie „Wir machen das auch sehr gern“ sagt, klingt in ihren Worten etwas von der Freude mit, im Schatten der Wallfahrtsbasilika zu wohnen.

Aus den vielen Begegnungen und Gesprächen kennt Hildegard Pöppelmann-Möller die Wünsche und Erwartungen ihrer Kunden. „Wenn Pilger nach dem Besuch der Wallfahrtskapelle zu uns kommen, sind sie meist auf der Suche nach kleinen preiswerten Dinge, die man mal eben als Erinnerung mitnehmen kann“, erklärt sie.

Schutzengel sind seit Jahren beliebt

Deshalb haben sie und ihre Mutter das Angebot an Andenken und Devotionalien darauf abgestimmt. Kerzen mit dem Bethener Gnadenbild gehören ebenso dazu wie die Erinnerungsplaketten, die der Laden schon seit Jahrzehnten führt. Aber ist auch Neues hinzugekommen. Zum Beispiel Schutzengel-Darstellungen in vielen Variationen: als Bild, als so genannte Handschmeichler, als Holzfigur, als Plakette fürs Auto, traditionell oder modern. „Schutzengel sind seit Jahren besonders gefragt“, erklärt Hildegard Pöppelmann-Möller, „etwa als Mitbringsel für einen Krankenbesuch oder als kleines Geschenk zur Einschulung.“

Preisgünstige Andenken statt hochwertigen Kunstgewerbes - so sei es eigentlich schon immer gewesen, sagt ihre Mutter nickend. Zu teuer dürfen die Dinge nicht sein. „Tauf- und Kommunionkerzen 9,95 Euro bis 19,95 Euro“ wirbt zum Beispiel ein Schild auf der Eingangstür. Also nur in Ausnahmefällen und auf besondere Bestellung die Original-Oberammergau-Staue für ein paar hundert Euro oder gar mehr. Sondern: etwas Bezahlbares zum Mitnehmen nebenbei.

Angebot in Bethen deutlich erweitert

„Früher waren zum Beispiel Wallfahrtsmedaillen beliebt, mit einem Bild der Bethener Gottesmutter darauf“, sagt Wilma Pöppelmann. Und auch so genannte Novenenhefte mit Mariengebeten. Kleine Bändchen, die es heute hier nicht mehr gibt. Den ersten Spruch darin kann die betagte Dame noch auswendig hersagen: „In Bethen habe ich an Dich gedacht und dir dies hier mitgebracht“.

Ihre Tocher hat das Angebot des Ladens in den vergangenen Jahren deutlich erweitert und verändert. „Vor ein paar Jahren war bei Plaketten und Andenkenbildern Schluss. Und die Sachen waren viel konservativer.“ Das sei heute alles viel moderner geworden, sagt sie und zeigt Kreuze und Figuren aus ihrem Angebot. „So etwas“, sagt sie, „und so etwas“ und hält noch einmal ein paar Schutzengel-Darstellungen hoch. Geschenkartikel für Anlässe wie Kommunion, Einschulung oder Hochzeit, von denen sie hofft, dass sich ihr Angebot in der Gegend herumspricht.

In der Pandemie deutlich mehr Einzelpilger

Aber nicht nur die Wünsche, auch die Pilger selbst hätten sich mit den Jahren und Jahrzehnten verändert. Wilma Pöppelmann ist mit dem 1928 gegründeten Geschäft ihres Vaters aufgewachsen. Als kleines Kind verfolgte sie oft von ihrem Kinderstuhl im Laden aus das Treiben auf dem Wallfahrtsplatz. „Ich bin ja praktisch mit den Pilgern aufgewachsen“, sagt sie. Sie hat zum Beispiel noch die Fußwallfahrten der Gemeinden aus der Gegend vor Augen. Oder die ganz großen Ereignisse, etwa als sich 1945 beim Besuch von Kardinal von Galen in Bethen 25.000 Pilger im Ort drängten.

Das alles habe in den vergangenen Jahren deutlich nachgelassen, sagt ihre Tochter. Oder besser: verschoben, besonders jetzt in der Corona-Zeit. Von ihrem Laden hat sie einen guten Blick auf Kapellen und Basilika. Und in den letzten Monaten hat sie auch gesehen, wie die Zahl der Einzelpilger wieder deutlich gestiegen sei.

„Not lehrt beten“

„Es heißt ja: Not lehrt Beten“, sagt ihre Mutter nickend und erzählt, wie sie in den vergangenen Wochen abends mit ihrer Tochter noch eine Runde durchs Dorf gemacht und dabei gesehen hat, dass dann mehr Kerzen als sonst in der Mutter-Gottes-Kapelle brannten. Ihre Tochter ergänzt: „Sonst hatte man dort ja wohl auch mal eine Viertelstunde allein für sich, aber in letzter Zeit ist es ein Kommen und Gehen. Und am Sonntagabend warteten, wohl auch wegen der Zutrittsbeschränkung, Menschen sogar in einer Schlange davor.“

Der Wallfahrtsort Bethen
Die erste urkundliche Erwähnung des Marienwallfahrtsortes Bethen findet sich 1448. Der Legende nach zogen Landarbeiter das heutige Gnadenbild im 14. Jahrhundert aus dem Bach Soeste, der durch Cloppenburg fließt. Weil die Figur seltsamerweise stromaufwärts schwamm, glaubten sie an ein Wunder, luden die Figur auf einen Wagen und wollten sie in ein nahe gelegenes Gutshaus bringen. Weil aber die Pferde sich dagegen sträubten, nahm man das als Aufforderung, der Figur an Ort und Stelle zu belassen und ihr dort eine Andachtsstätte zu errichten, die mit der Zeit immer mehr Menschen anzog. 1669 wurde dort die heutige Gnadenkapelle eingeweiht. Während der Weltkriege des 20. Jahrhunderts suchten hier viele Menschen Schutz und Trost. In der Zeit zwischen den Kriegen entstand die Wallfahrtsbasilika. 1977 erhob Papst Paul VI. sie zur Basilika Minor.

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