Kreuzbund-Vorsitzender Gausmann: So können Sie Kontakt halten

Warum die Corona-Krise für Suchtkranke so gefährlich ist

Die Corona-Kontaktsperre in Deutschland ist derzeit ein besonderes Problem für Menschen mit Alkohol- oder anderen Suchterkrankungen. Darauf  hat der  Diözesanvorsitzende des Kreuzbundes, Winfried Gausmann aus Rheine, im Gespräch mit „Kirche-und-Leben.de“ hingewiesen.

Der Kreuzbund ist eine katholische Selbsthilfe- und Helfergemeinschaft für Suchkranke und deren Angehörige. Normalerweise kommen sie wöchentlich zu Gruppentreffen zusammen, um sich gegenseitig in ihrem Verzicht auf Alkohol oder Drogen zu bestärken und zu einem sinnverfüllten Leben zu ermuntern. Solche Treffen müssen derzeit wegen der aktuellen Gesetzeslage in der Corona-Krise ausfallen.

Gefährliche Zeit für Rückfälle in die Sucht

„Im Moment sind uns die Hände gebunden. Die Pfarrheime, in denen sich unsere Gruppen üblicherweise wöchentlich treffen, sind geschlossen und Treffen sind sowieso verboten“, erklärte der Diözesanvorsitzende. Dabei wären sie gerade in diesen Wochen und Monaten für Betroffene besonders wichtig.

Gausmann warnte: Gerade in schwierigen Zeiten wie jetzt liege es für Suchtkranke nahe, sich mit Alkohol oder sonstigen Drogen zu betäuben. Der Griff zur Flasche oder zu anderen Drogen und damit ein Rückfall in ein Suchtverhalten erscheine manchem als leicht zu beschreitender Ausweg.

Angebote nach einer Therapie fallen weg

„Spielhallen sind zwar derzeit geschlossen, aber wer unbedingt Alkohol oder andere Drogen nutzen will, der kommt da auch dran.“ Die wochenlange Isolation komme noch hinzu, „dass man in seiner Wohnung sitzt und Menschen die Decke auf den Kopf fällt.“

Als besonders schwierig beschrieb Gausmann die Situation für Menschen, die in diesen Wochen nach einer mehrwöchigen Suchttherapie aus einer Fachklinik entlassen werden. Gerade für sie seien regelmäßige Gruppentreffen direkt im Anschluss besonders wichtig. „Aber dieses Angebot fehlt eben jetzt“, bedauerte er.

Im Bistum gibt es rund 160 Kreuzbundgruppen

Für alle Betroffenen sei es  jetzt wichtig, engen Kontakt zueinander zu halten. Wenn jemand eine Krise aufkommen spüre, solle er möglichst schnell zum Telefonhörer greifen. „Miteinander zu reden ist das A und O“, so Gausmann, der selbst seit mehr als 26 Jahren ein „trockener“ Alkoholiker ist und eine Kreuzbundgruppe leitet. Sein letzter Satz bei Gesprächen mit Betroffenen laute deshalb immer: „Wenn irgendetwas ist, bitte sofort melden, anrufen und Kontakt aufnehmen!“

In den nach eigenen Angaben bundesweit rund 1400 Selbsthilfegruppen des Kreuzbundes treffen sich wöchentlich rund 22.000 Suchtkranke und Angehörige. Bistumsweit gibt es rund 160 Kreuzbundgruppen, 140 im nordrhein-westfälischen und 20 im oldenburgischen Bistumsteil.