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Ein Sakrament, das stärkt, wo Leben bedroht ist

Warum die Krankensalbung mehr als „letzte Ölung“ ist

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Krank zu werden oder sterben zu müssen - solche Gedanken verdrängen wir lieber. Auch die Krankensalbung hatte lange den Ruf, "die letzte Ölung" zu sein. Und dann kam der Tod. Doch damit wird die weite Bedeutung des Sakrament unnötig geschmälert. Worum geht es also wirklich?

In einem flandrischen Museum zum Ersten Weltkrieg fand sich ein durch Beschuss schwer beschädigtes Messinggefäß, dabei ein Zettel mit Fragezeichen der Kuratoren. Schwach erkennbar war noch die Inschrift „O.I.“ Damit fiel mir die Aufklärung leicht, worum es sich bei dem durchaus nicht-militärischen Gegenstand handelte: Es war ein Ölgefäß für das Krankenöl („O.I.“ = Oleum Infirmorum), das Feldgeistliche mit sich führten. Gerade auch an die Schreckensorte des sinnlosen Unheils wurde dieses Heilszeichen mitgenommen.

Obwohl das damit verbundene Sakrament schon über 70 Jahre anders genannt wird, bleibt die Bezeichnung „Letzte Ölung“ anscheinend unausrottbar. Eine alte Frau meinte nach der Krankensalbung, die sie sehr aufmerksam und gerne annahm: „Muss ich denn nun sterben?“, worauf mir nichts anderes einfiel, als zu antworten: „Es muss ja nicht sofort sein, der liebe Gott weiß schon, wann Ihre Zeit gekommen ist.“ In aller Sehnsucht nach Zuwendung schwang bei ihr die Angst vor dem Sterben mit und die Unausweichlichkeit, wenn dieses Zeichen gesetzt würde, dann wäre das Ende da.

 

Das sagt die Bibel über die Krankensalbung

 

Eine „letzte Ölung“ wird eben nur ein einziges Mal vollzogen. Doch ist das nicht der Sinn der Krankensalbung. Sie ist mehr als ein Sterbesakrament. Sie geht zurück auf die frühchristliche Gemeindepraxis im Umgang mit Kranken: „Ist einer von euch krank? Dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich; sie sollen Gebete über ihn sprechen und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Das gläubige Gebet wird den Kranken retten und der Herr wird ihn aufrichten; wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben“ (Jak 5,14f).

Die Salbung wird vollzogen im Namen des Herrn. Dabei tut nicht das Öl eine magische Wirkung, sondern das Gebet ruft die Heilkraft Gottes herbei. Dem Kranken gelten drei Verheißungen: das Aufrichten der Seele, die Vergebung der Sünden und das Gesunden des kranken Körpers. Bereits die zwölf Apostel machten sich auf den Weg wie ihr Meister, sie trieben viele Dämonen aus, salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie (Mk 6,12f).

 

Vom Bischof geweiht für Kranke in den Gemeinden

 

Zeitnah zum Osterfest weiht der Bischof in einer eigenen Chrisammesse die Heiligen Öle, auch das Krankenöl, das aus purem Olivenöl besteht. Das Begleitgebet erläutert dessen Sinn: „Herr und Gott, sende deinen Heiligen Geist vom Himmel her auf dieses Salböl herab. Als Gabe deiner Schöpfung, stärkt und belebt es den Leib. Durch deinen Segen werde das geweihte Öl für alle, die wir damit salben, ein heiliges Zeichen deines Erbarmens, das Krankheit, Schmerz und Bedrängnis vertreibt, heilsam für den Leib, für Seele und Geist.“ Die Öle werden anschließend auf die Gemeinden verteilt.

Die Krankensalbung berührt die Tiefendimension unseres Glaubens. Mitten ins Unheil bringt sie Heilung und Heil zur Sprache, Stärke in alle Schwäche, Aufrichtung in alles Gebeugtsein, Erhellung ins Trübe. Die Krankensalbung ist bestimmt für Menschen in einem bedrohlich angegriffenen Gesundheitszustand. Das Sakrament kann wiederholt empfangen werden. Bislang darf laut Kirchenrecht ausschließlich ein Priester das Sakrament spenden. Angesichts des Priestermangels stellt sich jedoch die Frage, ob es nicht notwendig ist, auch Diakone und andere qualifizierte Menschen als Spender der Krankensalbung zuzulassen.

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