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Pater Mantubu Mfiyolo Adalbert ist der Neue in Lünen

Warum ein Arnsteiner Pater einen ganzen Ort mit Weihwasser besprengte

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Vor fünf Jahren schickten die Arnsteiner Patres aus der Demokratischen Republik Kongo Pater Mantubu Mfiyolo Adalbert nach Deutschland, um das Ordensleben hierzulande kennenzulernen und in der Seelsorge des Bistums Münster mitzuwirken. „Kirche-und-Leben.de“ hat mit ihm über die Bedeutung von Mission und sein Wirken in der Zeit der Corona-Pandemie gesprochen und darüber, warum er einen ganzen Ort mit Weihwasser besprengte.

Als vor gut einem Jahr feststand, dass die Corona-Pandemie nicht so leicht zu bekämpfen ist und der Lockdown viele Menschen verzweifeln ließ, fasste Pater Mantubu Mfiyolo Adalbert einen Entschluss. Mit einem großen Weihwasserkessel setzte er sich ins Auto und besprengte einen Tag lang Straßen und Gebäude im kleinen Ort Laer im Kreis Steinfurt mit Weihwasser.

„Ich wollte den Menschen Hoffnung geben und um Gottes Segen bitten, uns heil durch diese Pandemie zu bringen“, sagt Pater Adalbert. Für seine ungewöhnliche und in dieser Form wohl einzigartige Segnung hierzulande hatte er sich zuvor die Erlaubnis von Ortspfarrer Andreas Ullrich eingeholt. „Er fand meine Idee ganz gut. Also bin ich losgefahren, um zu zeigen: Die Kirche mit ihren Segenszeichen steht an der Seite der Kranken. Sie betet für die Gesundheit der Menschen.“

Nähe zu den Menschen – auch in der Corona-Zeit

Zur Corona-Situation hat der Ordensmann eine klare Meinung: „Die Abstandsregelungen sind richtig. Ich mache Menschen Mut, sich impfen zu lassen. Kranke Menschen brauchen aber auch Hilfe und Nähe, die wir als Kirche leisten wollen.“

Vier Jahre wirkte Pater Adalbert als sogenannter Priester der Weltkirche in der Pfarrei Heilige Brüder Ewaldi in Laer. In diesen Tagen hat er eine neue Aufgabe als Pastor in der Pfarrei St. Marien in Lünen übernommen, weil dieser Dienstort näher an seinem neuen Wohnsitz in Werne liegt.

Mit 49 der Jüngste im Konvent

In Gottesdiensten bringt Pater Adalbert gelegentlich seine Trommel zum Einsatz. | Foto: Johannes Bernard
In Gottesdiensten bringt Pater Adalbert gelegentlich seine Trommel zum Einsatz. | Foto: Johannes Bernard

Denn in Werne haben die Arnsteiner Patres ihr Provinzialat, ihren Hauptsitz der deutschen Provinz. 13 Ordensmänner leben dort. Pater Mantubu Mfiyolo ist mit seinen 49 Jahren der Jüngste in der Gemeinschaft.

Konvente der Arnsteiner gibt es noch in Münster und Koblenz. In Berlin ist vor einiger Zeit ein „Versuchsprojekt“ entstanden. Dort leben in einer internationalen Kommunität sechs Ordensleute: zwei stammen aus Deutschland, zwei aus Indonesien und zwei aus der Demokratischen Republik Kongo.

Internationales Ordensleben

„Wir sind eine internationale Gemeinschaft. Das wollen wir auch in unserem Ordensleben ausdrücken“, erläutert Pater Adalbert. Er wäre gern in Laer geblieben, denn der Ort sei zu seiner zweiten Heimat geworden. „Aber als Ordensleute pflegen wir das gemeinschaftliche Leben. Deshalb nun mein Umzug nach Werne.“

Die Weihwasser-Aktion in Laer, die der Ordensmann ohne viel Aufsehen still und leise vollzog, steht für einen tiefen Sinn des „Ordensgemeinschaft von den Heiligsten Herzen Jesu und Mariens“, die besser bekannt ist unter dem Namen Arnsteiner Patres. Und sie steht gewissermaßen für das vorbildliche Wirken des bekanntesten Arnsteiner Paters, des heiligen Damian de Veuster (1840-1889).

Mit den Armen verbunden

Der aus Belgien stammende Ordensmann hatte im späten 19. Jahrhundert die auf der Hawaii-Insel Molokai ausgesetzten Lepra-Kranken betreut. Wegen seines Einsatzes für die „Totgeweihten“ wurde er als „Apostel der Aussätzigen“ bezeichnet. Pater Damian starb selbst an Lepra.

Über die Spiritualität des Ordens sagt Pater Adalbert: „Wir wissen uns beauftragt, das Evangelium der Liebe Gottes zu verkünden. Wir fühlen uns mit den Notleidenden und Armen verbunden, mit den Menschen am Rand der Gesellschaft.“

Kirche wie eine große Familie

Dass Pater Adalbert in Deutschland lebt, sieht er als ein Zeichen der Zusammengehörigkeit der Gläubigen in der Weltkirche: „Die Kirche ist wie eine große Familie. Deutsche und Afrikaner, Asiaten und Amerikaner – da gibt es keine Unterschiede.“

Afrika habe in der Vergangenheit viele Missionare aus Europa bekommen. „Sie haben das Christentum zu uns gebracht. Heute können wir das Evangelium gemeinsam weiterleben. Das ist eine schöne Entwicklung.“

Vorurteile nur selten erlebt

Als Schwarzafrikaner fühlt er sich in Deutschland wohl. „Die deutschen Gemeinden akzeptieren ausländische Priester. Wir können viel voneinander lernen.“

Vorurteile habe er nur sehr selten erlebt. „Als ich nach Deutschland kam, dachten einige, ich sei ein Flüchtling. Erstaunt waren sie dann, als ich sagte: Nein, ich bin hier der Pastor.“

Aufgewachsen in kleinem Dorf

Vielen Menschen, denen er im Bistum Münster begegnet ist, hat er gern seine Lebensgeschichte erzählt. Sie fängt an mit seinem Namen: Der Vorname Mantubu bedeutet „großer Bauch“. Das komme daher, weil seine männlichen Vorfahren von großer Statur gewesen seien, sagt er. Der Name Mfiyolo heißt übersetzt Begegnung und Versöhnung. „Mit dem Tag meiner Geburt haben sich einige Familienangehörige wieder versöhnt. So kam ich zu diesem schönen Namen.“

Mantubu Mfiyolo wächst in Banga auf, einem kleinen Dorf rund tausend Kilometer von Kinshasa entfernt, der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo. Von den elf Kindern seiner Familie leben noch drei Brüder und zwei Schwestern.

Erste Kontakte mit Arnsteiner Patres

Als Kind lernt Mantubu Mfiyolo vier lokale Sprachen, dazu Französisch, die Amtssprache des Landes. Später sollen noch die portugiesische, spanische und italienische Sprache dazu kommen. „Seitdem ich Deutschland bin, spreche ich auch ein bisschen Deutsch“, sagt er lächelnd.

In Kinshasa kommt er in Kontakt mit aus Spanien und Frankreich stammenden Arnsteiner Patres, die in der Hauptstadt einen Konvent haben. Sonntags besucht der „Neuankömmling“ die Gottesdienste des Ordens und nimmt an den Eucharistischen Anbetungen teil.

Leiter einer Blindenschule in Mosambik

Mantubu Mfiyolo tritt in das Kloster des Heiligen Herzens ein und studiert drei Jahre Philosophie. 1998 legt er die ersten Ordensgelübde ab und studiert dann vier Jahre Theologie. Nach seiner Weihe zum Diakon schickt ihn der Orden als Missionar in ein anderes afrikanisches Land, nach Mosambik, wo er die dortige Amtssprache Portugiesisch lernt und als Leiter einer Blindenschule arbeitet.

Danach folgt in Kinshasa ein fünfjähriges Wirtschaftsstudium. Nach seiner Priesterweihe 2007 leitet er in der Hauptstadt ein Jungen-Gymnasium. 2016 schließlich schickt ihn seine Ordensgemeinschaft nach Deutschland. Mantubu Mfiyolo wird „Priester der Weltkirche“ im Bistum Münster – zunächst in Laer und jetzt in Lünen.

„Ich lese keine Messe, ich feiere sie“

Im Konvent in Werne pflegt er das Ordensleben. „Die Hausgemeinschaft mit den Mitbrüdern trägt mein priesterliches Wirken“, sagt der Arnsteiner Pater und fügt schmunzelnd hinzu: „Ich liebe die Musik, singe, tanze und trommele gern. Meine Gottesdienste möchte ich durch neue Töne und Melodien bereichern.“

Der Ordensmann verspricht: „Ich möchte keine Messe lesen, wie es immer so gesagt wird. Eine Messe muss nicht gelesen, sie muss gefeiert werden. Deshalb singe und trommele ich ab und zu in den Gottesdiensten.“

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