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Firmvorbereitung in Recke mit Besuch beim Bestatter

Warum es für Jugendliche wichtig ist, das Thema Tod zu begreifen

  • In Recke haben sich Jugendliche im Rahmen ihrer Firmvorbereitung mit dem Thema Tod auseinandergesetzt.
  • Ein Ibbenbürener Bestatter und ehrenamtliche Mitarbeitende der Hospizbewegung stellten sich den Fragen der Jugendlichen.
  • Die von den Jugendlichen gestalteten Särge stehen nun für anonyme Bestattungen zur Verfügung.
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Wann sie zuletzt den Tod erlebt hat? Vanessa erinnert sich genau. Im vergangenen Herbst, als ihre Oma verstarb, der sie sehr nahestand. Lea, 15 Jahre alt, hat eine ganz andere Erfahrung gemacht: „Ich hatte noch nie mit dem Thema zu tun.“

Eine Chance, sich mit diesem schwierigen Thema auseinanderzusetzen, erhielten die beiden Schülerinnen gemeinsam mit 50 Jugendlichen im Rahmen ihrer Vorbereitung auf das Sakrament der Firmung in ihrer Pfarrei St. Dionysius Recke. Unter dem Thema „Der Tod ist nicht das letzte?!“ besuchten sie unter anderem in zwei Gruppen mit ihren Katecheten, darunter auch Eltern und ehrenamtlichen Hospizbegleiterinnen, einen Bestatter in Ibbenbüren.

Freiwillige Auseinandersetzung mit schwierigem Thema

„Ich glaube an die Auferstehung der Toten und das ewige Leben“, heißt im Glaubensbekenntnis – doch was bedeutet das eigentlich für mich? „Die Beschäftigung mit der Auferstehungsbotschaft als Teil unseres christlichen Glaubensbekenntnisses ist ein Schatz, den die Jugendlichen im Rahmen des Projektes freiwillig entdecken konnten“, fasst Eva Rüschen, Pastoralreferentin in Recke zusammen. In der Firmvorbereitung hatten sich die Jugendlichen mit unterschiedlichen Aussagen des Glaubensbekenntnisses und der Bedeutung für ihr Leben beschäftigt.

Eine Exkursion zu einem Bestattungshaus mag da auf den ersten Blick abwegig erscheinen. Kritik, die Pastoralreferentin Eva Rüschen ernst nimmt. Daher ist es ihr wichtig, die Freiwilligkeit des Projekts zu betonen, zudem begleitet in Recke ein großes Team ehrenamtlicher Helfer „vom Fach“ die Firmbewerber. Magdalene Heitkamp und Brigitte Casser vom Hospizverein Ibbenbüren und Ulla Bücker von der Hospizbewegung Raphael aus Recke standen bei einem Vortreffen im Pfarrheim Rede und Antwort, denn Fragen gab es viele, meinten die Organisatorinnen im Gespräch mit „Kirche-und-Leben.de“ und zeigen auf den dicken Packen Karteikarten, die die Jugendlichen mit ihren Anliegen beschrieben hatten.

Bilder zum Thema präsentiert

Die Fragen reichten von praktischer Natur, wie mit einem Leichnam umgegangen wird, über spirituelle Themen „Gibt es die Auferstehung?“ bis zu philosophischen Fragen, wie „Wenn die Seele den Menschen verlässt, ist er dann leichter?“

Nach dem ersten Treffen konnten die Jugendlichen das Thema „sacken“ lassen, bekamen aber die Aufgabe, sich in einem Bild künstlerisch mit der Frage „Was bedeutet Tod und Auferstehung für dich?“ auseinanderzusetzen. Ihre Werke wurden anschließend im „Haus des Abschieds“ von Bestattung Hackmann in Ibbenbüren für eine Woche präsentiert.

Auch Bestatter weinen

Dort stellte sich Steffen Hackmann, Junior-Chef des gleichnamigen Beerdigungsinstituts in vierter Generation, ebenfalls den Fragen der Jugendlichen. Zeit sei ein wichtiger Bestandteil seines Berufes, erläuterte er. Der Verstorbene und seine Angehörigen mit ihrer Trauer stünden im Mittelpunkt, und ja, auch ein Bestatter könne mal weinen, wenn ihm dies helfe, das Erlebte privat zu verarbeiten.

Trauerbegleiterin Ulla Bücker war es auch wichtig, über die Arbeit der Hospizbewegung Raphael in Recke aufzuklären – zum Beispiel mit Besuchen in Klassen im Rahmen des Angebotes „Hospiz macht Schule“: „Viele wissen nicht, dass es uns gibt, und was wir machen.“ Zu der Begleitung der Sterbenden und ihrer Angehörigen gehöre das Gespräch über den Tod, „aber vor allem sprechen wir über das Leben.“

Brigitte Casser vom Hospizverein Ibbenbüren erinnert sich, dass es rund um das Thema Tod ein breites Spektrum an Brauchtum und Ritualen gab: „Mit der Verlagerung von Sterbeprozessen in Krankenhäuser oder Seniorenheime kommen viele Menschen nicht mehr mit dem Tod in Berührung“, stellt sie fest.

Magdalene Heitkamp betonte in der Nachbetrachtung der Exkursion: „Die Aufgewecktheit und Unbefangenheit der Jugendlichen in dem Bestattungshaus hat mich begeistert.“ Es sei wichtig, Jugendlichen bei diesem abstrakten Thema Dinge an die Hand zu geben, waren sich die ehrenamtlichen Hospizmitarbeiterinnen einig.

Zwei bemalte Särge für anonyme Bestattungen

So nutzten die Firmbewerber die Zeit bei Bestattung Hackmann, um ihre Holzkreuze zu gestalten, die bei ihrer Firmung Ende November gesegnet werden, während andere eingeladen waren, zwei schlichte Holzsärge anzumalen. Eine Gruppe Jugendlicher schmückte einen Sarg mit bunten Farben und Bildern, die sie aus ihrer Lebenswelt kennen, wie Herzen oder einem Regenbogen, den Vanessa und Lea keineswegs willkürlich gewählt hatten: „Wir haben das Motiv genommen, weil vielleicht eine der Farben darin eine Lieblingsfarbe desjenigen ist, der den Sarg bekommt.“ Eine Geste der Zuwendung für Menschen, deren anonyme Bestattung vom Ordnungsamt ausgerichtet wird, und für die dieser Sarg laut Steffen Hackmann gedacht ist.

Wie dieses Projekt einen Bogen vom Glauben in die Lebenswelt der Jugendlichen geschlagen hat, macht vielleicht der Satz am Fußende des Sarges ganz besonders deutlich: „Du bist nicht allein.“

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