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„Foodsaver“ und Pfarrgemeinde in Osnabrück stellten Kühlschrank auf

Warum Leon alte Lebensmittel sammelt

Gemeinsam mit seiner Mutter geht Leon zweimal die Woche in Osnabrück auf Tour, um altes Obst und Gemüse zu „retten“. Er gehört zu den „Foodsavern“, einer bundesweiten Initiative, die sich nicht nur in der Fastenzeit Gedanken ums Essen macht.

Manche Menschen ärgern sich, wenn sie den Kühlschrank öffnen, und er ist leer. Leon Triebkorn dagegen freut sich über den Anblick: „Das bedeutet, dass alle Lebensmittel aufgebraucht wurden“, sagt der 12-Jährige. Leon ist nämlich ein „Foodsaver“, ein Lebensmittelretter. Gemeinsam mit seiner Mutter holt er mindestens zweimal pro Woche Gemüse und Obst, das nicht verkauft wurde, von einem Bioladen im Osnabrücker Stadtteil Haste ab und packt es in einen großen Kühlschrank. Der steht auf der Rückseite des Pfarrheims Christus König. Hier können sich alle Menschen kostenlos bedienen, denn das Motto der Foodsharing-Bewegung lautet: „Teile Lebensmittel, anstatt sie wegzuwerfen.“

„Wir stehen nicht in der Konkurrenz zu den Tafeln“, erklärt Sanne Triebkorn, Mutter von drei Söhnen und zwei Pflegetöchtern. „Wir nehmen auch noch das mit, was die Tafeln nicht gebrauchen können. Sie haben immer Vorrang, aber ihre Auswahlkriterien sind höher.“

Leon mit seinem Foodsharing-Ausweis. Den zeigt er vor, wenn er Lebensmittel, die nicht mehr verkauft werden, in den Geschäften abholt. | Foto: Marie-Theres Himstedt
Leon mit seinem Foodsharing-Ausweis. Den zeigt er vor, wenn er Lebensmittel, die nicht mehr verkauft werden, in den Geschäften abholt. | Foto: Marie-Theres Himstedt

Kühlschrank-Putzen hat Priorität

Zum festen Kern in Osnabrück gehören etwa 30 Personen. Sie kümmern sich ehrenamtlich um den Kontakt zu den Geschäften, die nicht verkaufte Ware abgeben, und pflegen den Facebook-Auftritt. Auch eine Gruppe aus Münster ist auf der Plattform vernetzt. Hier erfahren Endverbraucher, welche nicht mehr ganz frischen, aber noch gute Lebensmittel kostenlos in den insgesamt drei Osnabrücker „Fairteiler“-Kühlschränken erhältlich sind. Natürlich wird der Kühlschrank auch sauber gehalten. Leon hat kein Problem damit, Schwamm und Putzlappen zu schwingen, bevor die runzelige Paprika, die sechs dicken Steckrüben und das Obst einziehen können. „Er macht gerne Dinge anders als andere. Das sieht man ja auch schon an seinen grünen Haaren“, sagt seine Mutter und lacht.

Das Wesen eines Menschen hänge nicht von seinem Aussehen ab, schon aber von seinem Verhalten: „Die ständige Verfügbarkeit und die niedrigen Preise von Lebensmitteln haben uns darauf trainiert, die Wertschätzung unseres Essens zu verlieren. Dagegen wollen wir was tun“, sagt Sanne Triebkorn. 82 Kilo Lebensmittel pro Verbraucher landeten nach Angaben der Foodsharing-Bewegung jährlich in der Mülltonne: „Das ist zuviel“, finden Leon und Sanne Triebkorn.

Foodsharing
Alle Tipps zum Thema „Teile Lebensmittel, anstatt sie wegzuwerfen“ gibt es auf www.foodsharing.de. Seit Mai 2013 haben sich bereits über 20.000 Ehrenamtler angemeldet: Tausende Freiwillige kooperieren mit 2.700 Geschäften bundesweit.

Die Pfarrgemeinde „rettet“ mit

Ihr Engagement fand bei der Pfarrgemeinde Christus König Anklang. Bereits 2015 wurde der Kühlschrank aufgestellt. Die Gemeinde zahlt den Strom und wurde schon im Vorfeld mit dem Label „Faire Gemeinde“ zertifiziert: „Wir hatten uns bewusst dafür entschieden, die Aktion nicht zu hoch zu hängen, da nicht klar war, welchen nachhaltigen Erfolg die Geschichte haben würde“, sagt Stadtdechant Bernhard Stecker. Im Moment habe es sich recht gut etabliert: „Das ehrenamtliche Engagement einer Gruppe junger Leute steht für mich im Vordergrund.“ Der Kühlschrank werde durchaus in beide Richtungen von Gemeindemitgliedern genutzt.

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