Münsteraner Theologe Hermann Josef Pottmeyer spricht bei Vollversammlung in Fulda

Warum Papst Franziskus die Bischofskonferenzen aufgewertet hat

Vor 150 Jahren, vom 16. bis 21. Oktober 1867, versammelten sich die deutschen Bischöfe erstmals zu einer „bischöflichen Conferenz“ in Fulda, am Grab des heiligen Bonifatius, des Apostels der Deutschen. Ziel war ein Treffen „zu einer vertraulichen Besprechung über die im Vordergrund stehenden Zeitfragen“. Papst Pius IX. erteilte dazu den apostolischen Segen. Der Beschluss für regelmäßige Versammlungen fiel damit lange, bevor die Bischofskonferenzen fast 100 Jahre später durch das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) weltweit zur festen Einrichtung der Kirche wurden.

Hermann Josef Pottmeyer Hermann Josef Pottmeyer wurde 1934 in Bocholt geboren. 1960 empfing er die Priesterweihe. Von 1974 bis 2000 war er Professor für Fundamentaltheologie an der Ruhr-Universität Bochum. Heute wirkt er als Seelsorger in der Pfarrei St. Mauritz in Münster mit. | Foto: privat

Und heute? Papst Franziskus hat nach Auffassung des Münsteraner Theologen Hermann Josef Pottmeyer die Bischofskonferenzen aufgewertet. Pottmeyer betont in einem Vortrag für die Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz an diesem Donnerstag, damit habe der Papst ein Anliegen des Konzils aufgegriffen. Doch danach seien die Kompetenzen der Bischofskonferenzen lange begrenzt geblieben. Warum? Weil es Bedenken gegeben habe, zu mächtige Bischofskonferenzen könnten die kirchliche Einheit gefährden und die persönliche Verantwortung des einzelnen Bischofs für seine Diözese einschränken.

Kardinal Joseph Ratzinger schwenkte um

Einer, der diese Bedenken äußerte, war – so Pottmeyer – Joseph Ratzinger. Als Konzilstheologe habe er die Bischofskonferenzen positiv bewertet, sei aber als Präfekt der Glaubenskongregation umgeschwenkt. 1984 habe er unterstrichen, dass die Bischofskonferenzen „keine theologische Grundlage haben“, sondern „nur eine praktische, konkrete Funktion“.

Der jetzige Papst – so erklärt Pottmeyer – habe an dieser Einschätzung der Bischofskonferenz in seinem Schreiben „Evangelii Gaudium“ (Freude des Evangeliums) jedoch deutliche Kritik geübt. Franziskus sei der Auffassung, diese Bedenken und der römische Zentralismus müssten überwunden werden. Er berufe sich dabei auf die alte und bewährte synodale Tradition der Kirche. Der Papst vertrete die Ansicht, Gott erwarte den Weg der Synodalität von der Kirche des dritten Jahrtausends. Damit sei gemeint, dass sich Laien, Bischöfe und der Papst gemeinsam auf den Weg machten.

Offene Ohren in Rom für Synode in Deutschland

Deshalb habe der Papst zur Vorbereitung der drei Bischofssynoden in Rom die Befragung aller angeordnet, geleitet von einem uralten Prinzip der Kirche: „Was alle betrifft, muss von allen behandelt werden.“ Im Unterschied zur demokratischen Willensbildung geht es nach Darstellung Pottmeyers allerdings nicht darum, den eigenen Willen durchzusetzen, sondern den Willen Gottes für den Weg seiner Kirche zu erkennen.

Als Vorbild hebt der Theologe die Würzburger Synode (1971-1975) hervor. „Sollte sich angesichts des tiefgreifenden Umbruchs, vor dem die Kirche in unserem Land steht, wieder der Wunsch und Bedarf nach einem gemeinsamen synodalen Unternehmen ergeben, in Rom würde man heute dafür auf offene Ohren und Türen stoßen.“

Pottmeyer zeigt sich erstaunt darüber, dass das Zweite Vatikanische Konzil schon vor gut 50 Jahren den Kurs hin auf eine synodale Kirche einschlug – „zu einer Zeit also, als nur wenige das bevorstehende Schwinden der bisherigen volkskirchlichen Verhältnisse bei uns ahnten“. Er  sieht in diesem Kurs des Konzils „eine deutliche Spur des Handelns Gottes, der weitsichtiger als wir seine Kirche leitet und ihrer Bestimmung entgegenführt“.