Cindy (13) wohnt im Pfarrhaus in Borken-Marbeck

Warum Pfarrer Hans Ludger einen liebenswerten Wachhund hat

Der emeritierte Pfarrer Hans Ludger (81) und Haushälterin Franziska Diepers (85) wohnen an der St.-Michael-Kirche in Borken-Marbeck. Nachdem Ludger in Geldern und Münster Einbrüche erlebt hatte, stand für ihn fest: „Wir brauchen einen Wachhund!"

Kaum klingelt es an der Tür des Pfarrhauses, schlägt der Wachhund an. Außer sich vor Eifer dreht er sich auf dem glatten Fußboden im Flur immer wieder um sich selbst. Durch nichts ist er zu beruhigen. Bis sein Herrchen Hans Ludger ihn zurückhält. „Es ist gut jetzt, Cindy!“

Das Gebell in hoher Tonlage ist für einen Wachhund ungewöhnlich. Ebenso der Name: Cindy. Wenn Pfarrer Ludger von der engagierten Jack-Russell-Dame spricht, sagt er übrigens nicht „sie“, sondern „er“. „Es heißt ja allgemein: ‚der Hund‘“, begründet das der 81-jährige emeritierte Pfarrer. Zusamen mit Haushälterin Franziska Diepers (85) und Cindy (13) bewohnt er das Pfarrhaus an der St.-Michael-Kirche in Borken-Marbeck.

Die Haushälterin war erst skeptisch

Nachdem er in seinen vorherigen Dienstorten Geldern und Münster Einbrüche erlebt hatte, stand für Ludger fest, dass ein Wachhund vonnöten sei. Allerdings musste er seine Haushälterin erst noch überzeugen. Doch schon bald hatte sie Cindy ins Herz geschlossen: „Sie gehört auf jeden Fall dazu“, sagt Franziska Diepers, während sie die Hündin mit dem schwarzweiß gefleckten Fell liebevoll streichelt. Inzwischen ist Cindy im Pfarrhaus so etabliert, dass ihr Name an der Klingel mit verzeichnet ist. Daneben steht ihr Ehrentitel: „Canis pastoralis“ – frei übersetzt: der Pfarrershund.

Als Hans Ludger vor 15 Jahren nach Marbeck kam, sprach sich sein Wunsch nach einem wachsamen Vierbeiner schnell herum. Ein Landwirt hatte einen Terrier-Welpen übrig. Den gab er in einem Tausch ab: Der emeritierte Pfarrer sollte im Gegenzug die neue Wohnung des Landwirts-Sohns segnen.Gesagt, getan. Der Vierbeiner bezog seinen Posten in der liebevoll ausstaffierten  Hütte auf der Terrasse.

Cindy bearbeitete die Gitarre

Doch das Glück über den neuen Hausgenossen trübte sich schon bald. „Cindy war schwer erziehbar“, erinnert sich Hans Ludger an die erste Zeit. „Es hat Monate gedauert, ihn zu domestizieren.“ Cindy stellte allerhand an, nagte an Möbeln und bearbeitete mit großer Ausdauer die Gitarre des Pfarrers.Doch trotz aller Rückschläge haben Hans Ludger und Franziska Diepers immer an das Gute im Hund geglaubt. „Es ist wie in der Kindererziehung“, sagt Ludger schmunzelnd. „Man muss sie lieben und loben.“

Manchmal kommt es allerdings noch vor, dass Cindy ausreißt. Dann nimmt sie ihren Spaziergang vorweg, den sie ansonsten mit „ihren“ Menschen absolviert. Täglich nach dem Mittagessen umrunden Hans Ludger, Franziska Diepers und Cindy die Kirche mit dem großen Grundstück, das zum Pfarrhaus gehört. „Das ist ungefähr ein halber Morgen“, sagt Ludger, der begeisterter Hobby-Fotograf ist und draußen oft Motive für selbstgestaltete Grußkarten findet.

Hoffnung auf ein Wiedersehen im Himmel

Drei Heidschnucken halten am Pfarrhaus das Gras kurz. Idyllisch mutet das Wäldchen  an, wo Kommunionkinder verschiedener Jahrgänge Tonkreuze mit ihren Namen an den Bäumen befestigt haben. Neben dem Gemüsegarten liegt der große Gartenteich, aus dem Cindy in jüngeren Jahren immer begeistert die Tennisbälle holte, die „Herrchen“ für sie hineingeworfen hatte.

Inzwischen ist die betagte Hundedame etwas ruhiger geworden. Glaubt Hans Ludger an ein Wiedersehen mit ihr im Himmel? „Ja“, sagt er ohne das geringste Zögern. Und verweist  auf ein Wort des heiligen Paulus: „Auch die Schöpfung soll befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes.“