Geistliche aus dem Bistum Münster und ihr Einsatz in sozialen Netzwerken

Warum Priester bei Facebook mitmachen – oder auch nicht

Jörg Hagemann aus Münster hat mit Facebook ausschließlich gute Erfahrungen gemacht. Jede Woche stellt der Stadtdechant seine Sonntagspredigt zum Nachhören ein. „Etwas stotterig, aber es war mit 7 Grad auch sehr kalt in der Nikolaus-Kirche“, konnten Nutzer auf seiner Facebook-Seite kürzlich lesen. Die Heizung war kaputt.

Je nach Thema und Festtag erreicht der Priester zwischen 150 und 450 Nutzer mit seinen Predigten – diese Klickzahlen seien höher als die Zahl der Menschen, die sonntags bei ihm im Gottesdienst sind, sagt Hagemann.

Ein Post ist wie ein Zettel an der Haustür

Der Stadtdechant zeigt sich „beeindruckt, wenn ich erfahre, wer die Predigten hört“. Die meisten Reaktionen seien positiv. Überrascht hat ihn zum Beispiel, als ein kirchenfernes Hochzeitspaar ihn ansprach und sagte, es  sei an Ostern urlaubsbedingt zwar nicht in die Kirche gekommen, habe  sich aber seine Predigt angehört.

Hagemann hat alles auf Facebook öffentlich gestellt, sodass nicht allein so genannte „Freunde“ seine Seite sehen können. Beim Posten hat er den Grundsatz, nur das öffentlich zu stellen, „was ich auch in Papierform an meine Haustür heften würde“. Er nimmt nicht alle Freundschaftsanfragen an und kennt nicht alle so genannten „Freunde“.

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Die Chance von Facebook sieht er darin, Leute zu erreichen, die er sonst nicht erreichen würde. Auch privat nutzt Hagemann das soziale Netzwerk intensiv. So hält er Kontakt mit Menschen, die über die ganze Welt verstreut leben.

Und er postet Beiträge zu kirchenpolitischen Themen, etwa einen Kommentar von Ingo Brüggenjürgen, dem Chefredakteur des Kölner „Domradios“, oder Äußerungen des Essener Bischofs Franz-Josef Overbeck zur aktuellen Lage der Kirche.

Kirchenpolitik und Kontaktpflege

Nicht ganz so häufig stellt Peter Lenfers, Kreisdechant in Warendorf, seine Predigten ein. Er teilt ebenfalls kirchenpolitische Stellungnahmen, zum Beispiel von Bischof Overbeck, den Lenfers noch als Kurskollegen kennt. Manchmal kommentiert der Warendorfer Pfarrer auch die Situation der Kirche; dabei ist ihm bewusst, dass er seine Meinung öffentlich kundtut. Auch Lenfers schätzt an Facebook den Kontakt zu Leuten, „an die man sonst gar nicht kommt“.

Ähnlich geht es Weihbischof Stefan Zekorn: „Zu Beginn war es für mich einfach ein Experiment. Ich wollte gerne selbst kennen, was für viele Menschen wichtig geworden ist.“ Außedem sei Facebook eine gute Möglichkeit, „um mit Menschen in Verbindung zu bleiben, die man nicht häufig trifft“. Also sei er dabei geblieben.

Münsters einziger Bischof auf Facebook

Zekorns Posts beziehen sich meist auf Aktuelles aus seinem Alltag als Weihbischof. „Manchmal poste ich auch einfach etwas, das ich interessant oder mitteilenswert finde – gelegentlich auch bewusst als Möglichkeit der Präsenz christlichen Glaubens im virtuellen Raum.“

Allerdings ist er der Einzige unter den Bischöfen im Bistum Münster, die bei Facebook unterwegs sind. Warum ist das so? „Da müssten Sie bitte die anderen selber fragen“, antwortet Zekorn. Ohnehin werde auch sein Engagement auf Facebook von einem wesentlichen Faktor begrenzt: Zeit.

Pfarrer Andreas Ullrich aus der Kirchengemeinde Heilige Brüder Ewaldi mit den Orten Laer, Holthausen und Beerlage will das Thema Facebook sogar in einer Büttenrede am 2. März aufgreifen. „So mancher Troll, der sitzt im Netze/und startet dort Gewalt, Gehetze“: Mit diesen Versen beginnen seine Ausführungen.

Die Grenzen des Systems

Denn Ullrich kennt auch die „Grenzen des Systems“, wie er sagt. So hat sich kürzlich in Laer eine Gruppe aufgelöst, weil sich die Nutzer nur noch gegenseitig beschimpften. Ihm dient das soziale Netzwerk vor allem dazu, über Aktuelles aus der Pfarrgemeinde zu informieren. Nicht jeder schaue auf deren Homepage oder lese Zeitung, argumentiert Ullrich. „Facebook ist dynamischer.“

Dankbar ist der Pfarrer für Hinweise von Wohlgesinnten aus dem Dorf, sich zu manchen Themen bewusst zurückzuhalten. „Lass dich da nicht reinreißen“, wurde ihm per WhatsApp geraten, und er freute sich darüber. „Man muss da schon sehr, sehr vorsichtig sein“, stellt Ullrich fest. Private Sachen gibt er auf seiner Seite nicht preis, allenfalls ein gut ausgewähltes Urlaubsbild ist dort zu sehen.

Warum der Generalvikar nicht dabei ist

Darüber hinaus hat auch die Pfarrgemeinde in Laer eine eigene Facebook-Seite. Darum kümmert sich „sehr rege“ die Pastoralreferentin Anne-Marie Eising, wie Ullrich sagt. Vor einigen Monaten bat der Pfarrer im Sonntagsgottesdienst alle aufzustehen, die Face­book nutzten. Das sei fast die ganze Kirche gewesen, erinnert er sich.

Einer, der im Unterschied zu seinem Kollegen Klaus Pfeffer aus dem Bistum Essen Facebook überhaupt nicht nutzt, ist Generalvikar Klaus Winterkamp. „Ich habe Öffentlichkeit genug“, begründet Winterkamp seinen Verzicht auf soziale Medien wie Facebook, Twitter und Snapchat.