Propst Quante: Wir wollen alle Katholiken erreichen

Warum Schöppingen und Recklinghausen Pfarreirat per Brief wählen

Thomas Diedershagen setzt auf den Überraschungseffekt. „Die Leute sollen merken: Wir sind persönlich bei ihnen gewesen“, beschreibt der Pfarrer von St. Brictius Schöppingen im Kreisdekanat Borken eine mögliche Reaktion jener, die die Briefwahl-Unterlagen zum Pfarreirat aus ihrem Postkasten fischen. Die Mühe solle deutlich machen, dass der Pfarrei die Meinung jedes einzelnen Wahlberechtigten wichtig ist.

Schöppingen zählt zu den 35 Pfarreien im Bistum Münster, die sich entschlossen haben, den neuen Pfarreirat ausschließlich per Brief zu wählen. Das Hauptargument der Befürworter: Es werden alle Katholiken erreicht – nicht nur Gottesdienst-Besucher oder jene, die sich von sich aus um die Stimmabgabe bemühen.

„Wir wollten schon beim ersten Test dabei sein“

In Schöppingen, in Eggerode und in der Bauerschaft Gemen sei die Beteiligung bei der Pfarreiratswahl 2013 „deutlich zweistellig“ gewesen, sagt der Pfarrer. Also klar über dem Bistums-Schnitt von 7,1 Prozent aller Katholiken. Nun werbe das Bistum Münster mit Erfahrungen anderer Diözesen, wo die Briefwahl zu höherer Beteiligung geführt habe. „Wir waren uns in den Gremien schnell einig, dass wir schon beim ersten Test dabei sein wollen“, berichtet Diedershagen. „Dann wissen wir später selbst, wovon wir reden.“ Der Pfarrer verweist auf Überlegungen, Pfarreiräte künftig flächendeckend und ausschließlich per Brief wählen zu lassen.

Einen Vorteil sieht Diedershagen auch in der Vorarbeit des Generalvikariats in Münster. Dort würden die Wahlunterlagen personalisiert und nach Straßen vorsortiert. Für die Zustellung in Schöppingen, Eggerode und Gemen will der Pfarrer die Helferinnen gewinnen, die auch den Pfarrbrief der Pfarrei verteilen.

Verteilung durch die Messdiener

Auch die Großpfarrei St. Peter in Recklinghausen zählt zu den Briefwahl-Pionieren. „Auf diese Weise können wir in jedem katholischen Haushalt vorkommen“, begründet Propst und Kreisdechant Jürgen Quante. Der Wahlbrief sende das Signal: „Auch Sie gehören zu uns!“

Während Schöppingen knapp 5.000 Wahlberechtigte ab 14 Jahren zählt, schätzen die Recklinghäuser, dass sie 14.000 Menschen erreichen müssen. Keine kleine Aufgabe für die Verteilung. „Wir planen, daraus eine Messdiener-Aktion zu machen“, berichtet der Propst. „Natürlich landet dafür auch Geld in der Messdiener-Kasse.“ Dennoch bleibt die Verteilung günstiger, als wenn die Pfarrei die Post oder einen anderen professionellen Dienstleister beauftragen würde.

Blanko-Unterlagen als Reserve

Und was, wenn die Zusteller versehentlich einen Briefkasten übersehen? Da beruhigt Ise Kamp, die im Generalvikariat mit der Pfarreiratswahl befasst ist. „Grundsätzlich hat ein Empfänger dafür zu sorgen, dass er Post erhalten kann“, sagt sie. Das heißt: Briefkasten gut sichtbar aufstellen, ein Namenschild anbringen. Falls sich jemand meldet, der keine Briefwahl-Unterlagen bekommen hat, erhalten die Pfarreien einige Blanko-Stimmzettel als Reserve.

Ise Kamp vermutet, dass der Großteil der Briefwahl-Pfarreien die Unterlagen von Ehrenamtlichen verteilen lässt: „Solche Straßenaktionen klappen doch bei den Sternsingern oder beim Abholen alter Weihnachtsbäume auch in vielen Gemeinden.“

Ist Postzustellung wirklich zu teuer?

Postzustellung war für die Schöppinger übrigens „finanziell nicht darstellbar“, sagt Pfarrer Diedershagen. Dieses Argument der Briefwahl-Skeptiker kennt Ise Kamp, auch wenn sie es nicht für alle Gemeinden nachvollziehen kann. Sie rechnet vor: „Stellen Sie sich eine große Pfarrei mit 15.000 Wahlberechtigten vor.“ Ein Brief „Dialogpost“ werde mit 45 Cent frankiert. „Gehen wir von 7.500 Euro Portokosten aus.“ Das klinge viel, aber heruntergerechnet auf die vierjährige Wahlperiode des Pfarreirats seien das keine 2.000 Euro pro Jahr: „Und dafür hat eine Pfarrei dann tatsächlich alle Katholiken erreicht und mit jedem einzelnen Wahlberechtigten Kontakt aufgenommen.“

Wer per allgemeiner Briefwahl gewählt hat, kann seine Unterlagen in den Pfarrbüros abgeben oder in der Pfarrheimen und Kirchen am Wahl-Wochenende 11. und 12. November. Die Schöppinger denken auch über weitere Abgabestellen nach: „Eventuell in der Volksbank“, überlegt Pfarrer Diedershagen.