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Fastenaktion der Gemeinde St. Johannes der Täufer in Rheine nimmt Anliegen mit ins Gebet

Warum sich in drei Kirchen 100 Kreuze stapeln

  • Große Holzkreuze, Erstkommunionkreuze oder selbst gebastelte Papierkreuze stapeln sich vor den Altären in Rheine-Mesum, Elte und Haunhorst.
  • Die Aktion „durchKreuzT - Leben“ in Rheine ruft Menschen auf, ihre Kreuze mit ihren Anliegen vor Gott zu bringen.
  • Menschen sollen auch die Möglichkeit bekommen einen würdigen Abschied von alten Kreuzen zu nehmen. Sie werden Gräbern beigelegt.
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Große Holzkreuze, kleine Wandkreuze aus Metall oder selbst gebastelte aus Papier: In verschiedenen Farben und Formen stapeln sich in drei Kirchen in Rheine-Mesum und Elte Kreuze vor dem Altar, würdig angeordnet in mit Sand gefüllten Blumenkübeln, umhüllt mit Stoffen und geschmückt mit knospenden Zweigen. Über 100 Stück sind es mittlerweile. Was steckt dahinter?

Unter dem Titel „durchKreuzT - Leben“ hat das Pastoralteam der Pfarrei St. Johannes der Täufer in der Fastenzeit dazu aufgerufen, Kreuze in die Kirche zu bringen: „Jede und jeder, ob klein oder groß, jung oder alt, ist eingeladen, ein Kreuz auf den Kreuzberg zu legen oder hineinzustecken.“ Das Kreuz kann aufgemalt oder aus Stöcken zusammengebunden sein: „Auch ein Kreuz, das zu Hause keinen Platz mehr hat, mit dem man aber noch etwas verbindet, findet hier einen neuen Ort“, berichtet Pfarrer Thomas Hüwe im Gespräch mit „Kirche-und-Leben.de“.

Idee stammt aus Litauen

Vorbild für die Kreuz-Aktion in Rheine: der "Berg der Kreuze" nahe der litauischen Stadt Šiauliai. | Foto: Pudelek (Marcin Szala)Vorbild für die Kreuz-Aktion in Rheine: der "Berg der Kreuze" nahe der litauischen Stadt Šiauliai. | Foto: Pudelek (Marcin Szala)

Inspiriert ist die Aktion von dem „Berg der Kreuze“ in Litauen“. Dieser Kreuzhügel, genannt „Kryziu Kalnas“, zehn Kilometer nördlich der Stadt Siauliai, ist ein beliebter Wallfahrtsort und mit dem etwa zehn hohen Kreuzhügel eine Touristenaktration im Baltikum. Seit Jahrhunderten legen Pilger dort ihre Kreuze ab, verbunden mit einer Bitte und einem Dank, oft aus Anlass einer Geburt oder einer Hochzeit. Besonders stark besucht ist der kleine Ort nahe der Fernfahrerstraße Richtung Riga an Ostern.

Von Litauen aus kam die Idee nach Rheine. Die Gemeinde hatte überlegt, wie man das christliche Symbol in den Alltag der Menschen holen könne: „Die Pandemie durchkreuzt derzeit unser Leben“, sagt Pfarrer Thomas Hüwe: „Man kann sich nicht treffen oder seine Angehörigen im Altenheim besuchen. Vieles belastet uns.“

Kreuze in der Kirche abgeben als guten Abschluss

Durch das Angebot, dass Menschen ihre Kreuze in die Kirche bringen können, „nehmen wir ihre Anliegen mit in unser Gebet“, schildert Hüwe. Gleichzeitig biete die Aktion Menschen, die nicht wissen wohin mit alten Kreuzen, einen guten Abschluss an: „Es kommt häufig vor, dass Angehörige nach einem Todesfall nicht wissen, was sie mit den christlichen Symbolen unternehmen sollen“, sagt Pfarrer Hüwe.

Er hat auch beobachtet, dass viele moderne Kreuze abgelegt werden: „Darunter sind Kreuze, wie man sie zur Erstkommunion verschenkt. Sie sind keine zehn Jahre alt.“ Seine Vermutung: „Die Säkularisierung ist weit fortgeschritten. Heute können nicht mehr viele etwas mit dem Kreuz anfangen.“ Andererseits hätten einige Kinder Kreuze gebastelt, aus Papier mit Glitzersteinen darauf, und mit Bitten auf Zetteln zum Altar gebracht.

Kreuze als Grabbeigabe

Was nach Ostern mit den Kreuzbergen passiert, ist schon klar. Eine Aufbewahrung der Devotionalien, wie es in einem Nebenraum der Krypta in der Antonius-Basilika Rheine geschieht, ist nicht geplant: „Kreuze könnten bei Bestattungen mit in das Grab gegeben werden“, sagt Pfarrer Hüwe. Das war bereits früher üblich. Oft wurde auch bei einem Hausbau ein Kreuz mit in das Fundament gegeben.

Bis dahin aber sollen die mehr als 100 Kreuze, die in den drei Kirchen bisher zusammengekommen seien, ein würdiges Denkmal bilden und zum Nachdenken anregen: „Im Alltag begegnen uns viele Kreuze, sei es an der Straßenkreuzung oder jemand kreuzt unseren Weg. Ja, sogar unser Körper wird getragen von Kreuzen in den Schultern und vom Kreuzbein“, gab Pastor Hüwe der Gemeinde zu Beginn der Aktion mit auf den Weg.

In dem christlichen Symbol spiele auch die Geometrie eine wichtige Rolle: „Durch die vertikale und gleichzeitig horizontale Ausrichtung scheinen Kreuze das miteinander verbinden zu können, was sonst nicht miteinander zu verbinden ist: Leben und Tod, Licht und Dunkel, Himmel und Erde.“ Die Kreuzigung Jesu mache das Kreuz zum Zeichen der Christen: „Durch das Leid, hin zur Auferstehung“, schreibt Pfarrer Hüwe in dem Impuls.

Öffnungszeiten
Die Kirchen St. Johannes Baptist (Mesum), St. Mariä Heimsuchung (Hauenhorst) und St. Ludgerus (Elte), bleiben, soweit es die Regelungen durch das Land und die Kommune erlauben, bis auf weiteres geöffnet für das persönliche Gebet. Es wird jedoch nur jeweils einen abgegrenzten Bereich innerhalb der Kirchen geben.

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