Glaube ist politisch, findet die frühere Leiterin einer Altenpflegeschule in Cloppenburg

Warum sich Margret Abu-Ghazaleh mit Herzblut für Senioren einsetzt

Der Einsatz für alte Menschen lässt sie nicht los. Bis vor zwei Jahren war Margret Abu-Ghazaleh Leiterin der katholischen Berufsfachschule für Altenpflege in Cloppenburg. Von Ruhestand könne keine Rede sein, sagt sie. Nur eben weniger Stress und Terminnot als früher.

Nach drei Monaten Bedenkzeit hat Abu-Ghazaleh jetzt die Leitung des „Entlastenden Dienstes“ des katholischen Bildungswerkes übernommen. Dort setzen sich 43 Frauen und Männer ein. Sie übernehmen Aufgaben in den Familien von Pflegebedürftigen – wenn die pflegenden Angehörigen eine Auszeit brauchen. „Es ist eine Aufgabe aus meinem Arbeitsleben, die sich hier wiedergefunden hat“, erklärt sie. Gerne hat sie deshalb diese Aufgabe übernommen.

Sie schult die Ehrenamtlichen

Die ehrenamtlichen Betreuerinnen und Betreuer werden für ihre Aufgabe besonders geschult. Abu-Ghazaleh hat den Dienst um so genannte haushaltnahe Dienstleistungen erweitert und dafür auch einen Schulungskurs entworfen. Der konnte wegen der Corona-Krise noch nicht stattfinden. „Aber sobald wir grünes Licht haben, geht es los.“

Bildung und Ausbildung waren schon immer ihr Thema. Sie ist überzeugt: „Je mehr Bildung, desto größer die Chancen“, sagt Margret Abu-Ghazaleh. „Mit Bildung überspringe ich Mauern.“ Diese Einstellung habe auch mit ihrem Leben zu tun: „Ich komme aus einer Arbeiterfamilie, das hat mich geprägt.“ Für sie sei deshalb die Chancengleichheit jedes Menschen, egal welcher Herkunft und Weltanschauung, wichtiges Ziel ihres Engagements.“ Nachdenklich sagt sie: „Vielleicht hat das auch mit meiner Heirat eines Palästinensers, mit Luay Abu-Ghazaleh, zu tun.“ Die sei vor knapp 50 Jahren für viele sicher „eine große Herausforderung“ gewesen.

Wo sie aus dem Vollen schöpft

Deshalb sei sie heute auch mit solcher Begeisterung Dozentin beim katholischen Bildungswerk Cloppenburg. Sie unterrichtet in dem Bereich, den sie aus dem Berufsleben kennt. Etwa im Kurs „Helfer(in) in der Altenpflege, oder auch beim Projekt „PIA“ (Pflege in Arbeit). Dort geht es vor allem darum, Frauen und Männer mit Migrationshintergrund an den Pflegeberuf heranzuführen.

Ihr Lieblingsfach allerdings ist die „Palliative Geriatrie“. In den vielen Zertifikatskursen des Bildungswerkes zu diesem Thema findet sie ihr Aufgabenfeld. „Ich kann dabei aus dem Vollen schöpfen, auch aufgrund meiner Berufserfahrung“, sagt sie. Als Katholikin fühle sie sich auch verpflichtet, „das weiterzugeben, was ich kann“. Immer in der Überzeugung, solidarisch mit Benachteiligten der Gesellschaft zu sein. Deshalb arbeitet Margret Abu-Ghazaleh auch im Caritas-Ausschuss der St.-Andreas-Gemeinde Cloppenburg mit.

Evangelisch getauft, katholisch erzogen

Die besondere Situation ihrer Familie führte dazu, dass sie evangelisch getauft, aber katholisch erzogen wurde. Mit der Taufe ihrer drei Kinder konvertierte sie nach zwei Jahren Unterricht, zum katholischen Glauben. Inzwischen ist sie Kommunionhelferin, Lektorin und Sakristanin in der Gemeinde St. Andreas. Ihren Dienst verrichtet sie überwiegend in der Kapelle des Altenheims St.-Pius-Stift. „Das ist mein Rückzugsort“, sagt sie. „Der Glaube ist meine Basis, er hält mich am Leben“.  Und weiter: „Er entfacht ein Feuer in mir, und das motiviert mich, anderen Menschen zu helfen und sie zu unterstützen.“

Diese Begeisterung zeigt sich auch in ihrem Einsatz in der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) in Cloppenburg. Dort war sie schon lange Mitglied. Aber jetzt im Ruhestand hat sie auch Verantwortung im Vorstand übernommen. Seit März ist sie wieder Vorsitzende des Ortsvereins.

Warum sie Kaffeeausschenken nervt

Die Pfarrei sei ihr eben wichtig. Mit der Gemeinde hat sie auch schon das Heilige Land besucht, ihr „Lieblingsland“, wie sie sagt. Diesen Wunsch habe sie sich schon lange erfüllen wollen. „Auch wenn ich mit der Politik der Politik der Israelis gegenüber den Palästinensern nicht einverstanden bin.“

Magret Abui-Ghazaleh denkt politisch. Und politischer soll die Arbeit des Seniorenbeirats in Cloppenburg werden. Dort wurde sie zur zweiten Vorsitzenden gewählt. Sie will  sich für die Rechte älterer Menschen in der Stadt einsetzen. „Das Kaffeeausschenken auf Seniorenveranstaltungen nervt“, wird die deutlich, wir müssen als gewählte Vertreter der vielen Senioren den Finger in die Wunde legen, wenn es um die Belange der älteren Generation geht“, nimmt sie Stellung. „Als jüngste Stadt Deutschlands dürfen die Menschen nach der Erwerbsphase nicht vergessen werden“, ergänzt sie.