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Pater Elmar Salmann OSB: Warum es wichtig ist, es bei sich auszuhalten

Warum uns allen Einsamkeit fehlt

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Die Kirchen sprechen von Gemeinschaft, Dia­log, Verständigung, Teilhabe, Teamfähigkeit – aber selten von der Größe und Abgründigkeit der Einsamkeit, findet der Benediktinerpater Elmar Salmann aus Gerleve.

Der Mensch ist ein einsames Wesen, weil er einmalig, unverwechselbar, rätselvoll, ja Geheimnis ist, unendlich reich, vielschichtig, für sich selbst und die anderen nie ganz verstehbar. Er geht in der Kommunikation nicht auf; da bleibt ein Horizont, eine Höhe und Tiefe, eine Gestimmtheit, eine eigenartige Mischung der Empfindungen und Wertungen, eine Widersprüchlichkeit in Charakter und Welteinstellung, die sich nur begrenzt mitteilen lassen.

Ein jeder Mensch ist ins Eine bei sich versammelt, all-einig, eben eine Welt – mit vielen Welten in seinem Innen, weshalb die Fähigkeit zum Alleinsein zu den grundlegenden Gaben und Übungen des Lebens gehört. Bei sich wohnen zu können, es bei sich aushalten – das weckt dann auch eine tapfere Freude an der Besonderheit der anderen; freilich wächst mit der neuen Nähe auch die Erfahrung der Fremdheit und Andersheit des scheinbar Nächsten.

 

Einsamkeit in der Bibel

 

Der Autor
Pater Elmar Salmann OSB war lange Jahre Theologieprofessor in Rom. Er lebt als Mönch in der Benediktinerabtei Gerleve.

Einander zugetan sein, ansehen, verstehen, das ist beglückend und ein Riss, ein Umbruch der Perspektiven, eine Fremde, die nie ganz überwunden wird. Als ob mit dem Eins-Sein auch das Befremdliche wachse. In jeder tieferen Begegnung, in Mystik wie Prophetie wird diese Innendynamik, dieses Geschick ausgetragen.

Man denke an die gesammelte und ausgesetzte Einsamkeit der Propheten im Alten Testament, Mariens (da verließ sie der Engel...), Jesu unter seinen Jüngern, die ihn an den entscheidenden Stellen nicht verstehen und im Stich lassen. Und was sollen wir von der Einsamkeit Gottes in dieser Welt sagen, seinem Verkanntsein bei den Menschen? Ob er noch Resonanz, Gehör und Anteilnahme findet? Und was wird auf ihn nicht alles projiziert? Und wie geht es bei den öffentlichen Personen, die sich umstellt sehen von Erwartungen und Anschuldigungen?

 

Die Kirche spricht kaum von der Einsamkeit

 

Seit Jahrzehnten wird in den Kirchen von Gemeinschaft, Dia­log, Verständigung, aktiver Teilhabe, demokratischem Aufbruch, Teamfähigkeit gepredigt – selten etwas Erhellendes, Ermutigendes, dem Phänomen Raum Gebendes zu Größe und Abgründigkeit der Einsamkeit, geschweige denn von deren religiöser Dimension.

Und doch: Vielleicht ist es kein Zufall, dass das Gebet einer der intimsten Vollzüge des Menschen ist – wie zugleich als Ritus und Kult stets auch öffentlich begangen wird und Menschen miteinander verbindet, jenseits aller Parteiungen und Meinungen. Da wird eine Tiefenverwandtschaft gehoben, gefeiert, bedacht, die uns heute bitter fehlt und zugleich mehr als gut täte.

Die Positionen der Gastkommentare spiegeln nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von „Kirche+Leben“ wider.

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