Kirche+Leben Lexikon

Was bedeutet Weltgericht?

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Mit der Botschaft vom „Jüngsten Gericht“ sind wir groß geworden, und die vielen Bilder sind uns sehr vertraut. Letztlich spricht die Bibel, sowohl im Alten wie im Neuen Testament, von der Erwartung des Endgerichts in eindrucksvollen Bildern, etwa in der großen Gerichtsrede des Matthäus-Evangeliums (Matth 25). Während im Alten Testament Gott selbst der Richter sein wird, ist in der Bildsprache des Neuen Testamentes das Gericht dem Sohn übertragen; deshalb bezeichnet Paulus den „Jüngsten Tag“ als den „Tag des Herrn“ oder den „Tag Jesu Christi“; denn am „Jüngsten Tag“ wird vollendet, was in Menschwerdung, Tod und Auferstehung seinen Anfang genommen hat.

Auch wenn die biblische Bildsprache und die bildende Kunst das Weltgericht sehr plastisch und anschaulich dargestellt haben: Tragen solche Bilder noch? Besonders, wenn man bedenkt, wie subjektiv viele Bilder vom Weltgericht sind. Man hat ja bisweilen den Eindruck, das es den Künstlern darum ging darzustellen, welche historischen Persönlichkeiten auch Kirche und Politik einen Platz „zur Rechten“ und welche einen Platz „zur Linken“ zu erwarten haben; oder wenn auf einem berühmten Weltgerichtsbild die Guten nur Männer und die Bösen nur Frauen sind!

Was ist eigentlich gemeint? Die christliche Botschaft sagt etwa: Alles kommt unwiderruflich an ein Ende, sie es im individuellen Tod, sei es im „Tod der Welt“ oder im „Tod der Menschheit“. Ende und Tod können nicht rückgängig gemacht werden. Und welchen Wert ein menschliches Leben dann gehabt hat, kann nur von Gott beurteilt werden und von niemanden sonst. Auch ob die Geschichte der Menschheit als positiv anzusehen ist, kann nicht aus der Geschichte selbst, sondern nur von Gott her entschieden werden.

Der „Katholische Erwachsenen-Katechismus“ schreibt: „Weil Jesus Christus der ursprüngliche und endgültige Maßstab ist, wird am Ende alles von ihm und an ihm gemessen werden... Wir müssen uns freilich bewusst sein, dass es sich dabei um Bilder und nicht um Beschreibungen handelt. Sie wollen uns sagen, dass am Ende jeder von Jesus Christus her seinen endgültigen Platz und seine endgültige Bestimmung erhalten will... Das Gericht am Jüngsten Tag meint also, dass am Ende die endgültige Wahrheit über Gott und den Menschen, die Wahrheit, die Jesus Christus in Person ist, offenkundig werden wird... Dann wird jedem Recht widerfahren, auch den Kleinen und Unterdrückten, den Gedemütigten und Vergessenen, den anonymen Opfern von Naturkatastrophen wie von menschlicher Rücksichtslosigkeit und Gewalt.“ (S. 415 f.) Die Botschaft bedeutet also, dass am Ende alle offenen Fragen beantwortet sein werden. Und jeder Mensch wird der sein, der er immer schon hätte sein können.

Im Neuen Testament wird übrigens darauf hingewiesen, dass das „Gericht“, also die Entscheidung, bereits in diesem Leben passiert: „Wer an Christus glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht an ihn glaubt, ist schon gerichtet!“ (Joh 3, 18). Also: Die Entscheidung geschieht schon in unserem irdischen Dasein, und Gott sagt sein Ja und Amen zu uns.

Medientipp:
Glaube im Wandel
60 Schlüsselbegriffe erklärt.
Ulrich Zurkuhlen
144 Seiten, 3,50 Euro
ISBN 978-3-933144-20-1
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Es ist klar, dass in diesem Verständnis von der Entscheidungs-Situation unseres einmaligen irdischen Lebens kein Raum ist für die fernöstliche Ansicht von der mehrmaligen Wiedergeburt der Menschen zu je neuem Leben; diese Theorie wird dem Entscheidungs-Zustand dieses Lebens nicht gerecht. Und sie wird auch dem Gott nicht gerecht, der der Souverän der Geschichte ist; und wir dürfen darauf vertrauen, dass die letzte Entscheidung über den Wert unseres individuellen Lebens ebenso wie über den Wert der gesamten Menschheitsgeschichte bei Gott in guten Händen ist.

Die christliche Botschaft vom Endgericht ist also nicht eine angstmachende Drohung, sondern eine mutmachende Botschaft, weil wir das Fazit unseres Lebens bei niemandem so liebevoll aufgehoben wissen wie bei Gott.