„Suche Frieden“ in der Bibel und einer Klosterregel

Was das Leitwort des Katholikentags 2018 bedeutet

„Suche Frieden“: So lautet das Thema des Katholikentages 2018 in Münster. „Suche Frieden und jage ihm nach“, heißt es in Psalm 34. Für den Ordensgründer Benedikt von Nursia gehört es zusammen, Christ und Friedensstifter zu sein.

Das weltberühmte Benediktinerkloster Montecassino in Italien wurde im Frühjahr 1944 von den Alliierten restlos zerbombt. Ein Mönch deutete nach dem Wiederaufbau auf das großgeschriebene Wort PAX über dem Haupteingang. Don Agostino erklärte dazu: „Im Krieg geht alles verloren. Im Frieden wird alles gewonnen.“ Über vielen Klosterpforten steht dieses lateinische Wort „Pax“, Friede. Es ist Anspruch und Zuspruch.

Das ist kein Zufall, denn für Benedikt gehört es zusammen, Christ und Friedensstifter zu sein. In eine desorientierte und desolate Welt hinein erbaute er vor über 1500 Jahren seine Klöster. Seine Regel gilt nach wie vor. In ihrem Eingangskapitel stellt sie jeden Leser vor die Frage „Bist du ein Mensch, der das Leben liebt und gute Tage zu sehen wünscht?“ Wer würde da schon Nein sagen?!

Umsonst gibt es keinen Frieden

Benedikt von NursiaBenedikt von Nursia (ca. 480-547): Fresko im Höhlenkloster Sacro Speco bei Subiaco (Italien). | Foto: Markus Nolte

Doch umsonst ist es nicht. Es hat Bedingungen und Konsequenzen: „Willst du wahres und unvergängliches Leben, bewahre deine Zunge vor Bösem und deine Lippen vor falscher Rede! Meide das Böse und tu das Gute; suche Frieden und jage ihm nach!“ So lautet die göttliche Einladung. Die jahrhundertealten Verse beschreiben anschaulich: Wer Ja sagt zu der Grundfrage Benedikts, dem wird eine bestimmte Haltung helfen, daß es gelingen kann.

Lange vor ihm wurden diese Zeilen dem alttestamentlichen König David zugeschrieben. Die Einleitung zu seinem Psalm klingt recht bizarr: „Von David, als er sich vor Abimelech wahnsinnig stellte und dieser ihn fortjagte und er ging“ (Psalm 34,1). Auf der Flucht vor Saul gelangt er ausgerechnet in eine Stadt der Philister, von denen er zuvor viele getötet hatte und deren Rache er nun fürchten mußte. David stellt sich wahnsinnig und täuscht damit den Stadtkönig (Abimelech) Achisch, der David mit der Bemerkung davonjagt, er sei bereits von genügend Verrückten umgeben.

Lust auf Leben

Der durch diese List in die Sicherheit Fortgejagte ist nun selbst wieder auf Jagd: nach Frieden. Sein Gebet bringt den Dank für seine erlebte Rettung und zugleich seine Sehnsucht zum Ausdruck. Jeder Psalmvers beginnt mit einem neuen Buchstaben des hebräischen Alphabets und gibt dem Beter so eine Lern- und Meditationshilfe.

Der Autor
Pater Daniel Hörnemann OSBPater Daniel Hörnemann OSB ist Subprior der Benediktinerabtei Gerleve bei Billerbeck und Theologischer Berater von „Kirche+Leben“. | Foto: Markus Nolte

Die Verse 13 bis 17 des Psalms 34 werden im dritten Kapitel des Ersten Petrusbriefes zitiert als Richtschnur für das praktische Glaubensleben. Sie wurden später vom heiligen Benedikt aufgegriffen als positive Lehrsätze für Menschen, die Lust auf Leben haben und erfüllte Tage sehen wollen. Sie werden eingeladen, mit auf die Jagd zu gehen und Frieden zu suchen – mit sich selbst, mit ihren Mitmenschen, mit der Schöpfungswelt, in der sie leben, mit ihrem Gott.

Krönung der Schöpfung steht noch aus

Die Friedensarbeit nach Psalm 34,15 ist so bedeutsam, daß dieser Vers nicht nur für den Katholikentag 2018 ausgewählt wurde, sondern ebenso für das folgende Jahr 2019 von der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen als Leitwort der christlichen Kirchen.

Die Friedensarbeit ist 400 Jahre nach Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges und 100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs keineswegs beendet und erledigt. Sie bleibt Aufgabe für die Gegenwart und Zukunft. Denn die Krönung der Schöpfung steht noch immer aus, sie ist die Gabe des Siebten Tages, die gottgegebene Harmonie, Ruhe, Ausgeglichenheit und Frieden, der göttliche Schalom.