Diakon Feldmann: Kein Strom im Krankenhaus ist eine Katastrophe

Was ein ausgefallener Basar in Stadtlohn für Litembo bedeutet

Der Basar des Freundeskreis Litembo war von langer Hand geplant: Wie seit über 30 Jahren auf dem „Stadtlohner Frühling“ sollten wieder Lose verkauft werden zugunsten des Urwaldhospitals Litembo in Tansania: „Keine Nieten, das ist unser Erfolgsrezept“, sagt Sprecher Christian Feldmann, der die Aktion und den Freundeskreis in dritter Generation der Familien Meiss-Wilmers-Feldmann weiterführt. Bis zu 50 ehrenamtliche Helfer sammeln Wochen vorher Sachspenden und bauen den Stand auf dem Stadtfest auf. Normalerweise kommen mehrere tausend Besucher: „Ein Höhepunkt für die Kinder ist immer der Trödelmarkt“, schildert Feldmann, der als Ständiger Diakon in der Pfarrei St. Otger in Stadtlohn eingesetzt ist. Das Geld, das die Kinder dort einnehmen, geben sie bei der Verlosung für Patienten in Afrika wieder aus.

Seit vielen Jahren gibt es den Freundeskreis „Litembo“ in Stadtlohn, der das Krankenhaus im Südwesten von Tansania unterstützt. Mit seinen 17 Außenstationen ist das Hospital das einzige, wichtige medizinische Drehkreuz und für 500.000 Menschen im Hochland und am Nyassa See zuständig.

Doppeltes Pech: Corona und kaputter Wassergenerator

Vor dem Krankenhaus Litembo.
Vor dem Krankenhaus Litembo stehen Wasserkanister zum Händewaschen bereit. | Foto: privat

Ausgerechnet vor Beginn der sich weltweit entfachenden Coronakrise hat der Wassergenerator, der das Hospital zuverlässig mit Strom versorgt hat, nach vielen Jahrzehnten seinen Geist aufgegeben: „Da sind Kosten entstanden, für die die Spenden und Erlöse aus dem Stadtlohner Basar fest eingeplant waren“, wie Feldmann schildert. Die gute Nachricht: „In Litembo gibt es aktuell noch keine Corona-Fälle.“ Die Informationspolitik sei gut, die Aufklärung über Schutzmaßnahmen auch, „aber auf dem Land ist Seife in den einfachen Familien nicht so verfügbar wie bei uns.“ Am Krankenhaus seien überall Wasserkanister mit Amaturen zum Händewaschen aufgestellt. „Desinfektionsmittel sind Mangelware, sie sind für Operationen reserviert.“

In der nächsten Kreisstadt, die 30 Kilometer Sandpiste entfernt ist, gebe es einige Tote, sagt Feldmann, der seit 20 Jahren regelmäßig in die Region fährt. „Es gibt dort kaum Corona-Tests, also kann man nicht wirklich sagen, wie viele Menschen erkrankt sind.“ Das Krankenhaus bereite sich weiter mit Isolierzimmern auf die Pandemie vor: „Im ländlichen Hochland im Südosten von Tansania ist dies extrem schwierig, aber zwingend nötig. Wie Patientenversorgung ohne stabile Stromversorgung laufen soll ist für uns Europäer fast unvorstellbar“, sagt Feldmann. Zwar gebe es auch einen Dieselgenerator, aber das Krankenhaus finanziert sich über Spenden und der Kraftstoff ist teuer.

Dokumente für den Generator wurden gestohlen

Von Pater Raphael Ndunguru, dem Krankenhausverwalter des Hospitals weiß Christian Feldmann: „Die Menschen hier nehmen die Situation sehr ernst: Kein Händeschütteln, kein Fußball spielen, kein gemeinsames Musizieren und Trommeln, keine Feiern, keine unnötigen Treffen mehr. Die Schulen sind geschlossen.“ Für viele Menschen fallen jetzt die wenigen Angebote für Freizeit und Entspannung weg. Gottesdienste, Beerdigungen fänden zwar noch statt, doch wie bei allen Veranstaltungen werden bestimme Vorsichtsmaßnahmen getroffen und eingehalten: „Wenn es da soweit kommt, dass sich das Corona-Virus in Litembo ausbreitet, dann ist das natürlich eine Katastrophe. Es haben alle sehr große Angst“, sagt Christian Feldmann, der guten Kontakt auch zu Schwester Maria Meiss hält. Die 93-jährige Krankenschwester aus Stadtlohn-Büren wanderte aus und hat das Krankenhaus vor 60 Jahren mitbegründet: „Sie hat vor Ort auch immer noch ein Auge auf das Geschehen“, weiß Feldmann.

Zu der drohenden Gefahr des Virus komme auch noch der ausgefallene Stromgenerator dazu. Den kennt Feldmann sogar persönlich: Erst 2018 war er in Litembo um bei einer ersten Reparatur zu helfen. Der gelernte Energieelektriker hatte bereits mit dem Mitarbeiter Bruder Max Listen für Ersatzteile gefertigt. Aber, auch hier schlug das Pech doppelt zu: „In der Hauptstadt Daressalam wurde Bruder Max bei einem Verkehrsunfall ausgeraubt, auch die Unterlagen waren fort.“ Zum Glück passierte dem Mitarbeiter nichts, aber durch die fehlenden Unterlagen zog sich die Reparatur, bis es jetzt zu spät war: „Zum Glück sprang das Bistum Münster schnell und unbürokratisch ein“, berichtet Feldmann.

30.000 Euro wurden aus dem Missionsfonds für den Wassergenerator bewilligt. Zusätzliche 30.000 Euro konnte der Freundeskreis durch viele Einzelspender stemmen. Eine Erfolgsstory, die zeigt, wie wenige Menschen Gutes für Viele bewirken können.