Wahl der Gremien im Bistum Münster Mitte November

Was ein Kirchenvorstand und ein Kirchenausschuss machen

Es sind die mit dem Geld: Wenn Mitte November im Bistum Münster die Katholiken die Kirchenvorstände (nordrhein-westfälischer Teil) oder Kirchenausschüsse (Oldenburger Land) wählen, dann werden jene Laien gesucht, die bei Finanz- und Verwaltungsfragen in den Pfarreien mitentscheiden.

Gut, die Gewählten reden nicht nur über Geld. Aber ohne das Geld wären viele andere Entscheidungen und Aufgaben des Gremiums nicht möglich.

Wichtige Ausschüsse

„Wir beschäftigen uns mit der gesamten Infrastruktur der Pfarrei“, sagt Bernd Lenkeit. Er gehört seit drei Jahren dem Kirchenvorstand der Pfarrei St. Mauritz in Münster an.

Was Infrastruktur konkret heißt, wird an den Ausschüssen des Gremiums deutlich: Einen Ausschuss für Finanzen und Haushalt dürfte wohl jeder Kirchenvorstand eingerichtet haben. Außerdem einen Personalausschuss, weil eine Pfarrei ja auch Arbeitgeber ist – für Pfarrsekretärin, Organistin, Küster, Kita-Fachkräfte und Co.

Kitas und Friedhöfe

Ebenso verbreitet dürfte ein Kita-Ausschuss sein, falls die Pfarrei Kindertagesstätten betreibt, ein Friedhofsausschuss und ein Ausschuss für Bauten und Liegenschaften. Denn was ist, falls der Kirchturm saniert werden muss oder das Pfarrheim neue Fenster braucht?

Klingt nach ziemlich viel Verantwortung, zumal die Kirchenvorstände das Geld anderer Leute ausgeben: Zwar erhalten die Pfarreien ihr Geld zu großen Teilen vom Bistum. Aber damit sind es Kirchensteuern, die die einzelnen Katholiken gezahlt haben – auch jene in der Pfarrei, für die die Kirchenvorstände entscheiden.

„Jeder ist kompetent“

Eine Banklehre braucht es dennoch nicht, findet Bernd Lenkeit. Auch müsse man nicht zwingend Kenntnisse in Betriebswirtschaft, Steuer oder Personalwesen haben. Schadet aber natürlich nicht, und viele Kirchenvorstandsmitglieder haben dieses Fachwissen auch. „Ein Interesse und Grundverständnis für Verwaltungsaufgaben sollten die Kandidaten mitbringen“, meint Lenkeit.

Das müsse keine Gremien-Neulinge abschrecken: „Jede und jeder kann etwas einbringen“, ist das Kirchenvorstandsmitglied überzeugt. Nicht wenige Menschen hätten Grundwissen in Rechts- oder Steuerfragen. „Oft arbeiten Eltern im Kita-Ausschuss mit, die gleichzeitig oder früher im Elternrat einer Kindertagesstätte waren. Und wenn man schon mal ein Einfamilienhaus gebaut hat, hat man sicher auch Erfahrungen, die uns im Bauausschuss helfen können.“

Großes Haushaltsvolumen, viele Angestellte

Etwa, wenn es ans Geldausgeben geht. Nach den Fusionen leben in vielen Pfarreien im Bistum mehr als 10.000 Katholiken; da kann ein Pfarrei-Haushalt rasch ein Volumen im siebenstelligen Euro-Bereich erreichen. Ebenso der Kita-Haushalt, der oft zusätzlich aufgestellt und vom Kirchenvorstand beschlossen wird.

„Da wir ja nicht nur über Erzieherinnen und nicht nur über Vollzeitkräfte reden, kann es in einer einzigen Kita schnell 20 Beschäftigte geben“, erläutert Lenkeit. „Und wenn eine Pfarrei mehrere Kitas betreibt, kommen häufig bis zu 100 Angestellte zusammen.“

Hilfe durch hauptamtliche Experten

Nicht nur deshalb hat Lenkeit die Erfahrung gemacht: „Der Kita-Ausschuss ist oft der zeitaufwändigste.“ Zugleich lobt der Ehrenamtliche die in größeren Pfarreien angestellten Verbundleitungs-Kräfte für die Kitas. „Die Kompetenz dieser Leute ist eine große Hilfe für den Kirchenvorstand.“

Auch in Haushaltsfragen stehen den engagierten Laien Hauptberufliche zur Seite. So zum Beispiel Mitarbeiter der Zentralrendanturen – im Oldenburger Land ein „Kirchenprovisor“. Diese Fachleute nehmen auch an den Sitzungen des Kirchenvorstands und einiger Ausschüsse teil.

Konkrete Aufgaben

Lenkeit schätzt es, dass die Aufgaben bei den Sitzungen des Kirchenvorstands oft handfest und klar umrissen sind. „Wenn zum Beispiel die barrierefreie Zugangstür zur Kirche defekt ist, dann ist klar, dass wir das beheben müssen.“ Also Fach-Firma finden, Umsetzung absprechen, Geld bewilligen. „Ist das Problem behoben, bekommen wir natürlich auch positive Rückmeldungen.“

Das Kirchenvorstandsmitglied – das übrigens im Amt bleibt und in diesem November selbst nicht zur Wahl steht – empfindet die Diskussionen in seinem Gremium als „intensiv, tiefgehend, aber immer auch wertschätzend“. Hat er das in Unternehmen der freien Wirtschaft anders erlebt? So weit möchte Lenkeit nicht gehen, aber: „Man merkt in den Diskussionen schon oft, dass wir für eine Pfarrei handeln und nicht für ein Unternehmen, dessen erstes Ziel Gewinnmaximierung ist.“

Schwierige Entscheidungen beim Personal

Dennoch sind nicht alle Entscheidungen im Kirchenvorstand angenehm: Muss man sich von einem Küster trennen? Kann möglicherweise der befristete Arbeitsvertrag einer Erzieherin in der Kindertagesstätte doch nicht verlängert werden? „An solchen Entscheidungen hängt eine berufliche, ja in gewisser Weise auch die Zukunftsperspektive eines Menschen. Das ist etwas völlig anderes, als ein paar hundert Euro für ein neues Klavier für den Kirchenchor zu bewilligen“, unterstreicht Lenkeit.

Auch die mittelfristige Planung ist nicht immer einfach. Das Bistum Münster hat mehrfach durchblicken lassen, dass es mit rückläufigen Kirchensteuereinnahmen rechnet, womöglich bis zu 30 Prozent. Dann würden auch die Zuweisungen für die Pfarreien geringer ausfallen.

Zusammenarbeit mit dem Pfarreirat

Positiv empfindet Lenkeit die Zusammenarbeit mit dem Pfarreirat. Er verweist darauf, dass die meisten Pfarreien im Bistum Münster inzwischen lokale Pastoralpläne erarbeitet haben. „Da steht ja drin, wohin die Gemeinden wollen und wo sie ihre Schwerpunkte sehen.“ Es sei daher eine wichtige Aufgabe, „dass wir im Kirchenvorstand dafür die Ressourcen bereitstellen“.