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Stoffkissen trösten bei fehlendem Körperkontakt in Neuenkirchen

Was eine Klinikclownin mit 1.200 KFD-Herzen macht

  • Die Klinikclowns im Kreis Steinfurt können wegen Corona nicht zu allen kranken oder alten Menschen kommen, die sie sonst besuchen.
  • Mit den Stoff-Herzen der Katholischen Frauengemeinschaft Neuenkirchen lassen die Klinikclowns „ihren“ Menschen einen Gruß aus der Ferne zukommen.
  • Unter hohen Auflagen können die Klinikclowns noch arbeiten: „Die fehlende Nähe und Einsamkeit ist ein Thema bei vielen Menschen.“
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„Och, die nähen wir doch schon seit drei Jahren“, sagt Marita Niehues von der Katholischen Frauengemeinschaft (KFD) St. Anna in Neuenkirchen und lacht. Pro Jahr fertigen die Frauen der zwei KFD-Handarbeitskreise 1.200 Stoffherzen für die Klinikclowns im Kreis Steinfurt an. Diese kommen dann bei der Begegnung mit chronisch Kranken, Alten oder Kindern zum Einsatz. Die Idee habe sie bei einem Krankenhaus in Berlin entdeckt, sagt Marita Niehues, die bei ihrem Ortsverein Ansprechpartnerin für die Bezirkshelferinnen ist und sonst den Adventsbasar organisiert.

Auch wenn trotz Corona einige Veranstaltungen der KFD stattgefunden haben, in diesem Jahr haben die Frauen noch mehr Zeit zum Nähen und Häkeln: „Wir konnten erst kürzlich wieder einen ganzen Sack voller Herzen vor dem Mathias-Spital Rheine an die Klinikclowns übergeben”, freut sich die Neuenkirchenerin.

Klinikclownin will nicht jammern

Freude weitergeben – in Corona-Zeiten wichtiger denn je, auch wenn es auf professionellem Wege geschieht. So sind in Corona-Zeiten die Klinikclowns im Kreis Steinfurt unterwegs in Krankenhäusern, Seniorenheimen und Hospizen. Der Verein finanziert sich allein aus Spenden. Olinda Marinho e Campos ist seit elf Jahren dabei.

„Alles andere als einfach”, beschreibt sie ihre derzeitigen Arbeitsbedingungen. „Es geht ja vielen Menschen so. Die ganze kulturelle Szene ächzt gerade sehr. Aber Jammern ist der falsche Ansatz. Natürlich jammere ich auch, ich bin auch sauer, alle Gefühle sind da berechtigt. Aber man muss darüber wegkommen und einen positiven Ansatz finden”, sagt sie.

Mit dem Lockdown gehen wieder massive Besuchseinschränkungen einher: „Wir können die Menschen, die wir sonst regelmäßig besucht haben, nicht sehen. Wir wollen ihnen aber zeigen, dass wir sie nicht vergessen haben.“ Und so fährt Olinda Marinho e Campos, die auch künstlerische Leiterin der siebenköpfigen Truppe ist, die Einrichtungen ab und übergibt der Hausleitung Grußkarten und die KFD-Stoffherzen.

Worte sollen Nähe ersetzten

Die Stoffherzen, sonst liebevolle Mitbringsel, nehmen auf einmal einen entscheidenden Stellenwert in der professionellen Arbeit der Clowns ein. Als haptisches Element sind die Stoffherzen, gefüllt mit Rasseln oder Quitschern, regelmäßiger Begleiter der Arbeit. „Die Herzen landen anschließend oft im Bett oder an einer anderen Stelle, wo sie gut gesehen werden können, am Tisch etwa.“

In Corona-Zeiten ersetzten sie zumindest ein bisschen der Nähe, die die Klinikclowns gerade nicht aktiv im Spiel mit den Bewohnern schenken dürfen. Auch bei Patienten mit Schlaganfall, die nicht mehr sprechen könnten, entwickele sich spielerisch ein Austausch auf Distanz: „Ich probiere dann, mein Gegenüber durch Worte zu berühren: Ich meine dich, ich bin für dich da, du zählst. Das Gefühl möchte ich vermitteln“, sagt Olinda Marinho e Campos.

Es geht nicht um den schnellen Witz

„Was leicht aussieht, hat mit vielen komplexen Emotionen zu tun“, beschreibt die 42-Jährige ihre Arbeit, die wie alle Steinfurter Klinikclowns eine professionelle Ausbildung im Theater- oder kunsttherapeutischen Bereich genossen hat. Anders als der Zirkusclowns arbeiten sie nicht primär mit Sketchen oder dem schnellen Witz.

Klinikclowns treten überall dort auf, wo Menschen krank sind, Angst haben oder Schmerzen: „Nähe ist ein ganz wichtiger Aspekt unserer Arbeit“, beschreibt Marinho e Campos. Sie ist als Clownin „Mimi“ meist in gepunktetem Kleid mit einer geschminkten roten Nase unterwegs ist.

Weihnachten mit Outdoor-Auftritten

Wenn sie beispielsweise das Zimmer eines Bewohners mit Demenz betritt, nimmt sie behutsam Kontakt auf: „Wir fragen am Anfang immer, ob wir überhaupt hereinkommen dürfen, ob es gerade passt.“ Die Arbeit mit Senioren knüpft oft an Erlebnisse ihres Lebens an, oder sie singen alte Lieder.

„Kinder hingegen sind eher im Augenblick, sie mögen auch ein bisschen Aktion“, berichtet Marinho e Campos. „Wir greifen Impulse auf, lassen sie wieder los und durchs Fenster hinausfliegen“, beschreibt sie die kleinen Szenen, mit denen sie improvisiert. Für Weihnachten planen die Klinikclowns Überraschungsauftritte draußen vor den Einrichtungen.

Für die KFD-Frauen Neuenkirchen geht das Nähen indes weiter, ob mit Corona oder ohne. Sie freuen sich, wenn die kleinen Geschenke der Klinikclowns gut ankommen: „Dieses Lächeln im Gesicht eines kranken Kindes oder einer alten Dame – das ist für uns unbezahlbar”, sagt Marita Niehues.

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