Der neue Präsident der USA, die Bibel und die katholische Kirche

Was glaubt Donald Trump?

„In God we trust“, „Wir vertrauen auf Gott“ steht auf jedem Dollar-Schein in den USA – jenem Staat, der sich selbst gern als „God's own country“ („Land Gottes“) versteht. Ob Donald Trump bei seiner Vereidigung als 45. Präsident der Vereinigten Staaten auch den Satz „So helfe mir Gott“ anhängen wird, ist ungewiss – wie so vieles. Beobachtern fällt allerdings auf, dass er sich mit religiösen Bekundungen deutlich zurückhält und sich auch in dieser Hinsicht von seinen Vorgängern unterscheidet.

Was glaubt Trump? Als Teenager wurde er in einer presbyterianischen Gemeinde konfirmiert. In mehreren Interviews hat er lobend über den 1993 gestorbenen Pastor und Selbsthilfeautor Norman Vincent Peale gesprochen, berühmt wegen seiner Lehre von der „Kraft des positiven Denkens“.

Als junger Mann habe er Peale predigen hören, sagte Trump der „Washington Post“: „Er konnte 90 Minuten lang sprechen und die Zuhörer haben sich aufgeregt, wenn er Schluss machte.“ Trumps Eltern waren Mitglieder von Peales Gemeinde in New York City.

„Wir müssen sehr stark sein“

Nach seiner Lieblingsstelle in der Bibel gefragt, sagte Traump im Rundfunksender „WHAM“, es gebe viele, doch „Auge um Auge“ treffe wohl zu. Die Passage aus dem Alten Testament, die Maßstäbe gesetzt hat für die Schlichtung von Streitigkeiten, wird oft fälschlich als Aufruf zu Gegenwehr und Rache verstanden.

„Auge um Auge“ sei „nicht besonders nett“, aber man sehe doch, wie andere Länder „uns verspotten und unsere Jobs wegnehmen, unser Geld und unser Wohlergeben“, sagte Trump ganz auf dieser Linie: „Wir müssen sehr stark sein und wir können viel aus der Bibel lernen, das kann ich Ihnen sagen.“ Jesus freilich rief in der Bergpredigt zum Verzicht auf Gegenwehr und Gewalt auf.

Ein bisschen Wein und ein kleiner Keks

Viele Protestanten waren durch Trumps Äußerungen irritiert. Im Gedächtnis bleibt auch sein TV-Bekenntnis, er sei sich „nicht sicher, ob ich Gott jemals um Verzeihung gebeten habe“. Gelegentlich besuche er einen Gottesdienst, und wenn er zur Kirche gehe und „ein bisschen meinen Wein trinke und meinen kleinen Keks esse“, dann sei das „eine Form des Vergebens“.

Trumps Trampeleien sind das Eine – die politischen Ziele das Andere. Seine Ankündigung, eine Mauer nach Mexiko zu bauen, rief sogar den Papst auf den Plan: „Ich sage nur: Wenn er solche Dinge sagt, dann ist dieser Mann kein Christ. Eine Person, die daran denkt, Mauern anstatt Brücken zu bauen, ist nicht christlich.“ Trump reagierte prompt, beschimpfte den Papst als „politisch“. Und Franziskus konterte: „Gott sei Dank hat er mich ›politisch‹ genannt!“

Verärgerte Millionäre

Ohnehin hat der Papst aus Argentinien einen schweren Stand in großen Teilen der USA, auch unter Katholiken. Nach seiner Sozial- und Schöpfungs-Enzyklika „Evangelium gaudii“ wurde er als „Kommunist“ verdächtigt. Dem Erzbistum New York drohte sogar der Verlust einer Eine-Million-Dollar Spende. Erzbischof Timothy Dolan rettete die Zuwendung, indem er öffentlich versicherte, dass der Papst vermögende Menschen nicht hasst.

Das zeigt deutlich, wie abhängig die katholische Kirche mangels Kirchensteuer vom guten Willen potenter Kräfte ist. Außerdem sind nur 24 Prozent der US-Amerikaner katholisch – der Kollekten-Wettbewerb mit anderen Konfessionen ist groß.

US-Flagge an der Kathedrale

Zugleich hängt die amerikanische Flagge durchaus auch an katholischen Kirchen – wie etwa an der Eingangsfassade der Saint-Patricks-Kathedrale in New York City. Was in Deutschland kaum vorstellbar ist, zeigt die enge Verwobenheit von Religion und Staat in den USA.

Während des turbulenten, schmutzigen Wahlkampfs hielten sich die katholischen US-Bischöfe auffallend zurück. Danach aber richteten sie fünf Bitten an den neuen Präsidenten: Er solle auf das Volk hören, den Lebensschutz unterstützen, den verfolgten Christen im Nahen Osten helfen, die Religionsfreiheit in den USA verteidigen – und Migranten und Flüchtlinge aufnehmen. Mister President wird sich bedanken.