Zum Ende des Steinkohle-Bergbaus in Deutschland

Was Kirche und Bergbau verbunden hat

Wenn am 20. Dezember im Essener Dom ein ökumenischer Gottesdienst, unter anderem mit den Bischöfen Franz-Josef Overbeck und Felix Genn, zum Ende des Steinkohlenbergbaus in Deutschland gefeiert wird, hofft auch Klaus-Dieter Amtmann auf ein freies Plätzchen in der Kirche.

Bergbau prägte ganze Regionen

„Der Bergbau hat eine ganze Region geprägt“, sagt Amtmann. Der heute 54-Jährige ist in Recklinghausen-Hochlarmark aufgewachsen und wohnt seit einigen Jahren nahe der Zeche Ewald in Herten. Er hat die Entwicklung des Bergbaus miterlebt. 1980 begann er seine Ausbildung zum Betriebsschlosser auf Zeche Ewald und arbeitete dort bis 1998. Schon in diesen Jahren reduzierte sich die Zahl der Beschäftigten von ehemals 7.000 auf etwa 3.000.

Es war auch die Zeit der großen Proteste, als Bergleute die A2 blockierten. Als die Schließung der Zeche abzusehen war, wechselte Amtmann zur Zeche Auguste Victoria in Marl.

Mit 49 Jahren im Vorruhestand

2007 fiel dann auf höchster politischer Ebene und zwischen Unternehmen und Gewerkschaften der Beschluss, bis 2018 alle Zechen zu schließen. Für Amtmann bedeutete das 2013 die letzte Schicht und den Vorruhestand mit gerade mal 49. Da der Bergschlosser mehr als 25 Grubenjahre und das entsprechende Lebensalter hatte, fiel seine Regelung sozialverträglich aus. „Ich kann mit dem Einkommen gut leben. Zudem darf ich einen Mini-Job annehmen. Mehr allerdings nicht“, sagt er.

Verbittert sei er nicht gewesen, denn auf die Zechenschließung sei er vorbereitet gewesen. „Über die Vorruhestandsregelungen können sich die Bergleute nicht beklagen. Bei Mitarbeitern kleinerer Unternehmen, die abgebaut werden, sind das ganz anders aus“, weiß Amtmann.

Mehr Zeit fürs Ehrenamt

Den Vorruhestand nutzt er nicht nur dazu, für seine Frau das Frühstück zu machen, sondern im Ehrenamt noch einmal durchzustarten. Amtmann ist seit einigen Jahren Bezirksvorsitzender der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB), arbeitet im KAB-Diözesanvorstand mit und leitet im Diözesankomitee der Katholiken im Bistum Münster den Sachausschuss Soziales und gesellschaftliche Gerechtigkeit.

„Kirche und Bergbau hatten bei uns zuhause immer schon Tradition“, sagt der Hertener. Sein Vater war 33 Jahre Bergmann in Hochlarmark, sein Schwiegervater 30 Jahre auf Zeche Ewald.

KAB-Positionen waren Gesprächsstoff

KAB-Positionen seien Gesprächsstoff in den Familien gewesen. In jungen Jahren engagierte sich Amtmann in der Christlichen Arbeiterjugend (CAJ) und später auch in der Cardijn-Gemeinschaft. Als 22-Jähriger wurde er 1986 erstmals in den Bezirksvorstand gewählt. Als er mit seiner Familie noch in Herten-Disteln wohnte, sei er gleich bei seiner ersten KAB-versammlung zum Schriftführer gewählt worden.

„In unserer Region war die KAB eng mit dem Bergbau verbunden. Heute muss sich der Verband anderen Fragen stellen.“ Ein wichtiges KAB-Thema sei die „Arbeit 4.0“. „Die Digitalisierung verändert unser Leben und unsere Arbeit schon jetzt erheblich“, sagt Amtmann. Dieser Prozess werde sich beschleunigen und das Leben und Arbeiten verändern. „Dieser Prozess wird so grundsätzlich, wie die Industrialisierung es war“, sagt der KAB-Vorsitzende.

Jetzt geht es um Arbeit 4.0

Mit der Digitalisierung entstünden neue Ungleichheiten, alte würden manifestiert. „Es muss die Frage gestellt werden, welche politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen gegeben sein müssen, damit die Digitalisierung nicht zu Ungerechtigkeit führt“, sagt Amtmann. Es lohne sich, auch im Ehrenamt für Gerechtigkeit zu arbeiten.