18 Fragen und Antworten über das erste Sakrament der katholischen Kirche

Was Sie schon immer über die Taufe wissen wollten

Können Eltern, die aus der Kirche ausgetreten sind, ihr Kind taufen lassen? Kann ein Muslim Pate sein? Muss das Sakrament der Taufe immer sonntags gefeiert werden? Reinhild Ahlers, Kirchenrechtlerin des Bistums Münster, klärt alle Fragen.

1. Wie sieht es aus, wenn ein Elternteil katholisch, der andere aber evangelisch, muslimisch oder aus der Kirche ausgetreten ist?

Reinhild Ahlers: Das ist kein Problem. Solange ein Elternteil katholisch ist, gibt es keine Hindernisse. Zu beachten ist auch ein staatliches Gesetz: Das Gesetz über die religiöse Kindererziehung schreibt vor, dass die Bestimmung oder Veränderung einer Konfession eines Kindes nur beide Elternteile gemeinsam bestimmen dürfen. Das gilt übrigens auch nach einer Scheidung – es sei denn, dass ein Elternteil das alleinige Sorgerecht hat, was ja aber immer seltener vorkommt. Sollten sich die geschiedenen Elternteile nicht einigen können, wäre das Familiengericht anzurufen.

2. Was, wenn beide Partner ausgetreten sind?

Reinhild Ahlers leitet die Fachstelle Kirchenrecht im Bischöflichen Generalvikariat Münster.Reinhild Ahlers leitet die Fachstelle Kirchenrecht im Bischöflichen Generalvikariat Münster. | Foto: Michael Bönte

Kürzlich rief mich eine Frau an, die ungetauft und mit einem katholischen Mann verheiratet ist, der aus der Kirche ausgetreten ist. Jetzt wollten sie aber ihr Kind taufen lassen. Da ist sicherlich ein Gespräch mit einem Seelsorger darüber nötig, was die Motive sind: Sind es christliche Gründe, aus denen heraus die Taufe erbeten wird – oder geht es eher um praktische wie die Hoffnung auf einen Platz im katholischen Kindergarten?
Wie auch immer: Es muss klar sein, dass dem Kind der christliche Glaube vermittelt wird. Dann ist es in der Regel so, dass es zumindest im unmittelbaren Umfeld des Kindes eine Person gibt – also nicht die Oma, die ab und an aus München anreist –, die die religiöse Erziehung übernimmt. Die Dame kürzlich sagte: „Christliche Werte können wir unserem Kind auch vermitteln.“

Aber es gehört schon dazu, dem Kind zu vermitteln, dass es gut ist, in der Kirche zu sein. Irgendwann wird das Kind womöglich fragen: „Warum seid ihr denn nicht in der Kirche?“

3. Und wenn beide ungetauft sind?

Den Fall hatte ich noch nicht. Das erscheint mir sehr konstruiert. Ich kann mir nicht vorstellen, warum zwei ungetaufte Elternteile die Taufe ihres Kindes erbitten sollten.Generell gilt: Der Codex spricht nicht von Taufverweigerung, sondern von Taufaufschub. Die Taufe soll ein bleibendes Angebot sein, und der Seelsorger soll möglichst auch im Gespräch mit den Eltern bleiben.

4. Ist es ein Problem, wenn beide wiederverheiratet sind?

Nein, das ist kein Problem.

5. Wie sieht es aus, wenn das Kind eines allein erziehenden Menschen getauft werden soll?

Die Frage ist, wie gesagt, ob derjenige Elternteil das alleinige Sorgerecht hat. Andernfalls muss der andere Partner zustimmen.

6. Und wenn ein Kind einer gleichgeschlechtlichen Beziehung getauft werden soll?

Das ist kein Hinderungsgrund, ein Kind zu taufen.

7. Wie und wann meldet man das Kind zur Taufe an?

In der Regel gibt es feste Tauftermine in Pfarreien – meist einmal im Monat und zum Beispiel für drei oder vier Kinder. Im Pfarrbüro wird man erfahren, wann es möglich ist, sein Kind taufen zu lassen. Für die Anmeldung zur Taufe braucht es die Geburtsurkunde des Kindes.

8. Welche Vorbereitungen sind verpflichtend?

Es findet auf jeden Fall ein Taufgespräch statt. Welche weiteren Vorbereitungen es gibt, entscheiden für gewöhnlich die Pfarreien. Rechtlich gesehen gibt es bei der Säuglingstaufe keine weiteren Voraussetzungen. Bei Erwachsenen, die sich taufen lassen wollen, gibt es ein Katechumenat, also eine intensive Vorbereitungszeit.

9. Muss man sich in der zuständigen Pfarrkirche taufen lassen? Oder sind auch ungewohnte Orte möglich, zum Beispiel in einem See oder in einem Wohnzimmer?

Der bevorzugte Ort ist die örtliche Pfarrkirche. Es sind auch andere kirchliche Orte möglich, aber nicht an einem rein weltlichen Ort.

10. Manche Eltern möchten die Taufe ihres Kindes sehr engagiert und verwurzelt im Glauben selber vorbereiten – und dann auch ihr Kind ohne andere Täuflinge taufen lassen. Geht das?

Das kommt auf den jeweiligen Ortspfarrer an. In manchen Fällen habe ich schon mitbekommen, dass das nicht gewünscht wird und die Tauftermine der Gemeinde verbindlich sind.

11. Und wenn man einen Priester oder Diakon zum Freund hat, der das machen würde?

Wie gesagt: Das wird von Pfarrer zu Pfarrer unterschiedlich sein. Ich kann mir schon vorstellen, dass nichts dagegen spricht, zumal die örtlichen Geistlichen auch etwas entlastet wären. Andere wollen keine Präzedenz-Fälle schaffen. Es bleibt die Entscheidung des Ortspfarrers.

12. Muss eine Taufe immer sonntags sein?

Nein. Das kirchliche Gesetzbuch sagt, dass die Taufe an jedem Tag gefeiert werden kann. Es wird aber empfohlen, sie sonntags oder gar in der Osternacht zu feiern – das ist der absolut bevorzugte Termin.

13. Manchmal hört man auch von Not-Taufen, wo etwa Krankenschwestern in Todesgefahr ein Kind getauft haben. Ist das denn erlaubt – und auch gültig? Kann also eigentlich jeder Katholik taufen?

Das kann nicht nur jeder Katholik, sondern sogar jeder Mensch. Dafür muss man nicht einmal getauft sein. Wenn man in einer Notsituation die Intention hat, im Sinn der Kirche zu taufen, dann ist diese Taufe gültig.

Dafür genügt das Übergießen des Täuflings mit Wasser und das Sprechen der Formel „Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Und es braucht die Intention, wirklich die Taufe spenden zu wollen. Darum ist beispielsweise die Taufe in einem Theaterstück nicht gültig, weil die Intention fehlt, wirklich die Taufe spenden zu wollen.

14. Manche lassen ihre Kinder nicht schon als Säuglinge taufen, damit sie sich später selber entscheiden können. Wie findet die Kirche das?

Die Kirche bevorzugt die Taufe von Säuglingen. Ich persönlich finde: Man kann ein Kind nicht neutral erziehen. Man kann ja auch nicht sagen: Ich gebe meinem Kind erst einmal keinen Namen, den kann es sich ja später aussuchen. Bis dahin spreche ich das Kind einfach nur mit „Kind“ oder „Du“ an. Das geht ja nicht. Das ist mit dem Glauben ähnlich. Man wird das Kind ja immer in einer bestimmten Richtung erziehen, wie man es für gut oder richtig hält. Ich meine, wenn man sein Kind christlich erziehen möchte, dann kann man es auch taufen. Zumal die Taufe dem Kind eine göttliche Heimat gibt.

15. Zur Taufe gehören auch die Paten. Sind dafür zwei nötig oder reicht auch einer?

Es reicht auch gar keiner. Im kirchlichen Gesetzbuch heißt es, dem Täufling sind – soweit möglich – ein oder zwei Paten an die Seite zu stellen. Wenn es zwei sind, sollen sie verschieden geschlechtlich sein, damit die „geistliche Elternschaft“ damit versinnbildlicht ist. Aber das ist sicherlich eher eine theologische Aussage als eine rechtliche Verpflichtung. Wenn es keine Paten gibt oder die Eltern das nicht möchten, ist das auch in Ordnung. Die Taufe bleibt gültig.

16. Wer kann Taufpate sein?

Ein Taufpate muss katholisch sein. Ein Protestant kann – zusammen mit einem katholischen Paten – ein so genannter „Tauf-Zeuge“ sein. Das ist nicht, wie bei der Eheschließung, als Zeuge des Taufakts selber zu verstehen, sondern als Glaubenszeuge. Er soll dem Täufling christliche Werte vermitteln. Das geht zusammen mit einem katholischen Paten, weil ein protestantischer Pate allein dem Kind zwar sicherlich christliche Werte vermitteln, es aber natürlich nicht im katholischen Glauben erziehen kann. Zudem muss ein Protestant auch wirklich seiner Kirche angehören, darf also nicht aus der evangelischen Kirche ausgetreten sein.

17. Kann auch ein Muslim Taufpate sein?

Generell können Ungetaufte – also Nicht-Christen – keine Taufpaten oder Tauf-Zeugen sein.

18. Auch ein Geschiedener? Auch ein Wiederverheirateter? Auch ein in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft Lebender?

Der Taufpate oder die Taufpatin muss ein gläubiger Mensch sein. Im kirchlichen Gesetzbuch steht, dass er ein Leben führen muss, das dem Glauben und dem zu übernehmenden Dienst entspricht. Ob das im konkreten Fall gegeben ist, kann nur in einem persönlichen Gespräch mit dem Seelsorger geklärt werden. Wichtig ist, dass der Pate gläubig ist und dem Kind den Glauben vermitteln kann.