Kirche+Leben Lexikon

Was sind Exerzitien?

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Das lateinische Wort „Exerzitien“ meint im Deutschen Übungen. Die katholische Kirche versteht darunter geistlich-religiöse Übungen, in denen Christen ihr religiöses Leben erneuern und vertiefen. In den Exerzitien geht es um Lebens- und Glaubensfragen mit Blick auf Familie, Beruf und Gemeinde. Vielfach wird unterschieden zwischen Besinnungstagen, die bis zu drei Tage dauern, und Exerzitien, welche eine Länge von vier und mehr Tagen haben.

Die klassische Form der Exerzitien geht auf den Gründer des Jesuitenordens, den heiligen Ignatius von Loyola (1491 - 1556), zurück. Er gibt in seinem Exerzitienbuch Anregungen für den Leiter solcher Besinnungstage. Darin enthalten sind Übungen, die der einzelne unter der Leitung des „Exerzitienmeisters“ durchführt mit einer festen Zielvorstellung: einem erneuerten Glauben an Gott und die Nachfolge Jesu. Sie vollziehen sich in einsamer Abgeschlossenheit von etwa vier Wochen in täglich vier oder fünf Meditationsstunden.

Mit der Zeit haben sich die Exerzitien vom Vortragsstil gelöst und ermöglichen neben der Vermittlung von Wissen geistliche Erfahrungen. So finden sich heute Exerzitienangebote mit Übungen leibbezogener Art (Eutonie) oder Bewegungsübungen und kreatives Gestalten ebenso wie die Orientierung an Jesus Christus durch den persönlichen Umgang mit der Bibel. Hinzu kommen vielfältige meditative Übungen mit Musik, Bildern, Gebärden und Naturerfahrungen sowie Schweigen und Anbetungsstunden.

Im Bistum Münster nehmen jährlich rund 20.000 Menschen an unterschiedlichen Exerzitien und Besinnungstagen teil. Im Bischöflichen Generalvikariat in Münster gibt es das Referat „Exerzitien und Spiritualität“, das Angebote vermittelt und selbst Veranstaltungen durchführt. Von vielen Häusern der Diözese werden geistliche Tage gestaltet.