Kirche+Leben Lexikon

Was sind Reliquien?

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Die Verehrung von „Überbleibseln“ (lat. reliquiae) des Leichnams oder Gebrauchsgegenständen bedeutender Menschen findet sich bei vielen Religionen, so auch im Christentum.

Aus dem antiken Totenkult übernahm man den Brauch, sich am Geburtstag des Toten (das war nach christlicher Überzeugung der Todestag als Geburtstag für den Himmel) am Grab eines Märtyrers zu versammeln, um das Totenmahl zu halten.

Andere Gemeinden übernahmen diese Verehrung von Märtyrern und, da sie über kein Grab verfügten, griffen sie zu Reliquien. Bald wurden über diesen Gräbern und Reliquien Altäre errichtet und Kapellen und Kirchen erbaut.

Verbindung von Altar und Reliquien

Im 6. Jahrhundert wurde die Verbindung von Altar und Reliquien üblich und ist bis heute noch Brauch. In jedem Altar der neu errichtet wird, werden Reliquien eingemauert.

Die Bekehrten wurden aufgefordert, ihre heidnischen Amulette gegen Reliquien auszutauschen. Dabei schrieb man dem kleinsten Teil die gleiche Wirkung wie dem Ganzen zu. Schließlich übertrug man die Wirkung auch auf Teile, die nur an echten Reliquien berührt worden waren. Da der Segen angeblich umso größer war, je mehr Teilchen jemand besaß, kam es bei Privatleuten, Kirchen und Klöstern, aber vor allem an Wallfahrtsorten zu umfangreichen Reliquiensammlungen.

Während der Kreuzzüge wurde das Heilige Land als Fundort für Reliquien ausgebeutet. Das 13. Jahrhundert wurde zum Jahrhundert des Reliquienhandels. Unlautere Geschäftspraktiken und offensichtliche Fälschungen gehörten zur Tagesordnung und führten zu heftiger Kritik, die besonders während der Reformation thematisiert wurde.

Das Zweite Vatikanische Konzil beschränkt sich bezüglich Reliquien in seinen Aussagen zur Liturgie auf die Feststellung: „Die echten Reliquien der Heiligen und ihre Bilder werden in Ehren gehalten.“