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Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen

Fünf Christen, fünf Politiker - und was sie antreibt

Sie wollen jeweils auf ihre Weise etwas für andere Menschen, für die Gemeinschaft tun: „Kirche- und-Leben.de“ hat christliche Politikerinnen und Politiker verschiedener Parteien befragt, wo sie im Hinblick auf ihre Motivation Parallelen sehen.

Carsten Wendler (CDU), Velen-Ramsdorf

Carsten Wendler ist Bürgermeisterkandidat in Velen-Ramsdorf. | Foto: privat
Carsten Wendler ist Bürgermeisterkandidat in Velen-Ramsdorf. | Foto: privat

Mein Name ist Carsten Wendler, ich bin 45 Jahre alt und der Bürgermeis­terkandidat in Velen-Ramsdorf (Kreis Borken). Verheiratet mit meinem Mann David bin ich seit zehn Jahren. Schon in frühen Jahren habe ich mich ehrenamtlich engagiert: Gruppenleiter bei der Kolpingjugend Velen, Leiter Kolpingjugend oder Vorsitzender der Kolpingsfamilie. Noch heute engagiere ich mich im Kolping-Diözesan-Fachausschuss „Verbandsentwicklung“. Innerhalb des Verbandes standen immer zwei Aspekte im Vordergrund: die Gemeinschaft und das aktive Einbringen meinerseits. Das zog sich auch in meinem weiteren ehrenamtlichen Engagement weiter durch: Ich bin Mitglied im Pfarreirat und seit meinem 24. Lebensjahr in der Kommunalpolitik für die CDU.

Wenn man das auf die christlichen Werte überträgt, spielen somit Wertschätzung und Verantwortung eine wichtige Rolle. Ich habe meine Aufgaben nie zum Eigennutz vorgenommen. Die Projekte gaben mir immer eine innere Befriedigung: Mir machte es zum einen Freude, und zum anderen freute ich mich, wenn andere von meiner Mitarbeit profitieren konnten. Nie scheute ich mich, innerhalb dieser Aufgaben auch Verantwortung zu übernehmen.

Bei der folgenden Bibelstelle finde ich hier Parallelen: Evangelium nach Markus, Kapitel 10,45: „Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.“ Und warum gerade ein Engagement in der CDU und in der Kirche? Man kann, wenn man etwas verändern möchte, dieses nur von innen heraus in einer starken Gemeinschaft gestalten.

Johannes Stammen, Vereinigte Wählergemeinschaften, Weeze

Johannes Stammen ist Kandidat der Vereinig­ten Wählergemeinschaften im Kreis Kleve. | Foto: privat
Johannes Stammen ist Kandidat der Vereinig­ten Wählergemeinschaften im Kreis Kleve. | Foto: privat

Mein Name ist Johannes Stammen, ich bin 66 Jahre alt, verheiratet und Vater von fünf Kindern. Seit etwa sechs Jahren bin ich Mitglied der Vereinigten Wählergemeinschaften im Kreis Kleve. In meinem Heimatort Weeze-Wemb leite ich den Kirchenchor und spiele die Orgel in den Gottesdiensten. Der Grundstein meiner christlichen Wertvorstellungen wurde in meinem Elternhaus gelegt. Bis heute sind für mich gegenseitige Wertschätzung und Respekt sowie Ehrlichkeit und Hilfsbereitschaft wichtige Werte, die es für ein gutes Zusammenleben aller benötigt.

Dazu gehört für mich ebenfalls, alle Menschen – gleich welcher Herkunft, freiheitlichen Weltanschauung oder Religion – einzubeziehen und denjenigen, die durch Populismus, Fremdenhass oder ähnlichem Menschen ausgrenzen, entschieden entgegen zu treten.

Dabei orientiere ich mich an folgendem Leitsatz, den mir meine Großmutter mit auf den Weg gegeben hat: „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg‘ auch keinem andern zu!“

Und wenn man Nächstenliebe in sein kommunales Denken und Handeln einbezieht, dann kann man in einer kleineren, unabhängigen Wählergemeinschaft schneller mehr erreichen als in jeder Partei mit verfestigten Hierarchien und Parteiprogrammen.

Anita Stakenkötter (FDP), Warendorf

Anita Stakenkötter kandidiert für den Stadtrat von Warendorf. | Foto: privat
Anita Stakenkötter kandidiert für den Stadtrat von Warendorf. | Foto: privat

Ich stamme aus einem katholisch geprägten Elternhaus, war in der kirchlichen Jugendarbeit aktiv und beinahe 25 Jahre lang Lektorin in St. Bonifatius Freckenhorst. Meine christlichen Werte spiegeln sich auch in verschiedenen ehrenamtlichen Tätigkeiten wider, wenn auch – aus Zeitgründen – eher außerhalb der Kirche. Zum Beispiel habe ich mich viele Jahre im Warendorfer Internationalen Kreis engagiert. Wir haben Familien mit Migrationshintergrund besucht, sie ermutigt und eingeladen, sich am nachbarschaftlichen Leben zu beteiligen, Veranstaltungen zu besuchen oder sich Gruppen und Vereinen anzuschließen.

In der Kommunalpolitik habe ich die Kirche als gute Partnerin der Stadt erlebt – bei der Finanzierung der Überhangplätze für Kindergärten und Kindertagesstätten, in der Jugendarbeit oder bei Verhandlungen zur Übernahme kirchlicher Friedhöfe in städtische Hand.

Jesaja Michael Wiegard (SPD), Selm

Jesaja Michael Wiegard gehört zum Kampagnentrupp des SPD-Bürgermeisterkandidaten in Selm. | Foto: Georg Sehrbrock (pd)
Jesaja Michael Wiegard gehört zum Kampagnentrupp des SPD-Bürgermeisterkandidaten in Selm. | Foto: Georg Sehrbrock (pd)

Suchet der Stadt Bestes!“ – so bündelt Jeremia 29, was mich in der Kommunalpolitik umtreibt. Natürlich lebe ich nicht in der babylonischen Gefangenschaft – doch keine unserer Kommunen wird sich für das himmlische Jerusalem halten. Auf dem Weg in eine sozial gerechte und solidarische Zukunft habe ich meine politische Heimat in der SPD gefunden, die anknüpft an vieles, was das Klosterleben der Benediktiner prägt. In der kleinen Stadt leben wir täglich Solidarität, setzen uns ein als „Schicksalshelfer“ in der Coronakrise, um den Ausfall der Tafeln zu überbrücken.

Wir kämpfen, auch mit eigenen Genossinnen und Genossen, um Fragen des Klimaschutzes, wir starten Aktionen wie „Menschenrechte statt rechte Menschen“, wir weiten Horizonte durch politische Bildungsarbeit. Jetzt stütze ich einen Bürgermeisterkandidaten, den ich samt Familie auch im Gottesdienst oder bei Maria 2.0 sehe – und der daraus keine Wahlplakate bastelt. Die Motive sind die gleichen: Solidarität, Gerechtigkeit und Lebens-Hoffnung.

Petra Dieckmann (Grüne), Münster

Petra Dieckmann kandidiert für den Stadtrat von Münster. | Foto: privat
Petra Dieckmann kandidiert für den Stadtrat von Münster. | Foto: privat

Dass sich aus Talenten im Sinn von Besitz und Chancen ein Gestaltungsauftrag ergibt, wurde gut biblisch in meinem katholischen Elternhaus vermittelt. Dass unser Handeln Auswirkungen auf andere hat und dass auch kleine aktive Gruppen viel bewegen können, habe ich in der Eine-Welt-Arbeit meiner Heimatpfarrei, in der Katholischen Hochschulgemeinde Tübingen als Mitgründerin der bundesweiten Fair-Handels-Organisation „Transfair“ und beim Aufbau von „Refugio“ Stuttgart erfahren, einem Verein, der sich um Flüchtlinge mit Folter­erfahrung kümmert und vom Diakonischen Werk gegründet wurde.

Die Bewahrung der Schöpfung ist für mich auch ein christlicher Auftrag, den ich nach meiner Überzeugung am besten bei den Grünen verwirklichen kann. Mein direktes kirchliches Engagement beschränkt sich derzeit auf den Besuch von Gottesdiensten, die mich zur Ruhe kommen lassen und mir Kraft geben. Wenn ich mehr Zeit hätte, wären zum Beispiel die Frauen von „Maria 2.0“ eine Andockstelle für mich.

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