Kirche+Leben Lexikon

Was wird an Mariä Himmelfahrt gefeiert?

Kirche+Leben Lexikon

Frieden, eine heile Welt - welcher Wunsch lag näher am Ende des Zweiten Weltkrieges? Der Krieg hatte die Welt verändert. Nicht nur die Zerstörungen und politischen Veränderungen waren gewaltig. Der Kommunismus beherrschte halb Europa; seine Weltanschauung wurde maßgeblich für Millionen Menschen. Der Traum vom Paradies auf Erden sollte für sie Wirklichkeit werden.

In dieser Zeit schrieb Papst Pius XII. allen Bischöfen einen Brief und bat diese um ihr Votum. Es ging um die Frage, ob es allgemeiner Glaube sei, dass Maria am Ende ihres Lebens zu Gott in den Himmel aufgenommen worden sei. Nirgendwo steht dies in der Heiligen Schrift - und dennoch war es seit frühester Zeit der Kirche „in Herz und Praxis der Gläubigen eingegraben“, wie es das Lexikon für Theologie und Kirche schreibt.

Jüngstes Dogma

Das Echo war positiv. So erklärte Pius XII. am 1. November 1950, dass Maria „nach Vollendung ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen worden ist“. Die katholische Kirche hatte ein neues Dogma, einen neuen Glaubenssatz.

Zitat:
„Wenn aber verkündigt wird, dass Christus von den Toten auferweckt worden ist, wie können dann einige von euch sagen: Eine Auferstehung der Toten gibt es nicht? Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, ist auch Christus nicht auferweckt worden. Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsre Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos.“ (1 Korintherbrief 15)

Mit dem Bekenntnis zu einem Leben nach dem Tod positionierte sich Papst Pius XII. und damit die Kirche deutlich gegenüber die diesseits-bezogene sozialistische Weltanschauung.

Tiefenpsychologe C. G. Jung: Genial

Der Tiefenpsychologe C. G. Jung sieht in Maria Himmelfahrt eine geniale Antwort der Kirche auf das weit verbreitete Lebensgefühl des Nihilismus. Der Nihilismus ist eine philosophische Anschauung, wonach alles was ist, nichtig ist. Zugleich ist er eine weltanschauliche Haltung, die alle positiven Zielsetzungen, Ideale, Werte ablehnt.

Mariä Himmelfahrt im dritten Jahrtausend - aktueller denn je. Die katholische Kirche feiert das „Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel“ am 15. August.

Kräuterweihe an Mariä Himmelfahrt

Eng verknüpft mit dem Fest Mariä Himmelfahrt ist die so genannte Kräuterweihe. Woher diese Verbindung kommt, darüber lässt sich nur spekulieren. Eher unwahrscheinlich ist, dass der Ursprung in den Marienlegenden liegt.

Nach der „Legenda aurea“, einer aus dem 13. Jahrhundert stammende, sich am Kirchenjahr orientierende Sammlung von Heiligenlegenden, wurde auf Weisung eines Engels dem Leichnam Mariens eine Palme vorausgetragen. Als Christus selbst drei Tage nach dem Tod seiner Mutter auf Erden erschien, um sie auf ihrem Weg in den Himmel zu begleiten, heißt es dort weiter, habe sich ein unaussprechlicher Duft verbreitet. Eine jüngere Legende erzählt, als man das Grab Mariens später geöffnet habe, seien nur Rosen vorgefunden worden.

Maria - „Blume des Feldes und Lilie in den Tälern“

Näher liegt die These, wie der Theologe und Journalist Manfred Becker-Huberti in seinen Büchern über Bräuche und Feste schreibt, dass die jahreszeitlich bedingte Getreidereife und die blühende Natur daran erinnerten, dass Maria traditionell als „Blume des Feldes und Lilie in den Tälern“ (Hoheslied 2,1) verehrt wird.

Literaturtipps:
Becker-Huberti, Manfred: Lexikon der Bräuche und Feste, Freiburg 2000
Becker-Huberti, Manfred: Feiern, Feste, Jahreszeiten, Freiburg 1998

Um sicher zu gehen, dass die gesammelten Kräuter auch möglichst viel Segen „mitbekamen“, wurden sie vor der Kräutermesse teilweise unter das Altartuch gelegt, bis dies verboten wurde und Kräuter nur noch neben dem Altar postiert werden durften. Die Symbolhandlung - mit Gottes Hilfe die Kräfte der Natur zu Gunsten von Mensch und Tier einzusetzen - bezog auch die Anzahl und die Auswahl der Kräuter ein.

Tee gegen verschiedene Krankheiten

Kräuter, die dabei Verwendung fanden, waren oder sind: Johanniskraut, Wermut, Beifuß, Rainfarn, Scharfgarbe, Königskerze, Tausendgüldenkraut, Eisenkraut, und gelegentlich Wiesenknopf, Kamille, Thymian, Baldrian, Odermennig, Alant, Klee und die verschiedenen Getreidearten. Die geweihten Kräuter wurden in Haus und Stall meist an der Wand („Herrgottswinkel“) angebracht.

Mehr zum Thema Brauchtum im Internet: www.religiöses-brauchtum.de

Man benutzte sie aber auch, um aus ihnen einen Tee zuzubereiten, der gegen verschiedene Krankheiten helfen sollte. Krankem Vieh wurden geweihte Kräuter ins Futter gerührt, geweihtes Getreide dem neuen Saatgut zugemischt. Bei Gewitter warf man die Kräuter ins offene Feuer, um Schutz gegen Blitz und Seuchen zu erlangen. Den Toten legte man in den Sarg ein Kreuz aus geweihten Kräutern.