Projekt „frei.raum.coesfeld“ befragt 25- bis 35-jährige Katholiken

Was wollen junge Erwachsene von der Kirche?

Ihren Frust an der Kirche können junge Menschen zwischen 25 und 35 Jahren jetzt in Coesfeld ablassen. Gleichzeitig können sie konkrete Ideen einbringen, was sich tun muss, damit sie sich unter Katholiken wohlfühlen. Dazu flattert rund 3.000 Katholiken dieser Altersgruppe in den nächsten Tagen ein Fragebogen des Projekts „frei.raum.coesfeld“ ins Haus.

„Betroffene zu Beteiligten machen, das ist die Idee hinter dieser Umfrage“, sagt Projektleiter Daniel Gewand. Neben Glaubensfragen geht es um das Freizeitverhalten junger Menschen, ihr persönliches Umfeld, die Lebenssituation und individuelle Wertvorstellungen.

„Kirche hat Kontakt zu jungen Erwachsenen verloren“

„Die Kirche hat den Kontakt zu den meisten jungen Erwachsenen verloren“, ist sich Gewand sicher. Nach Auswertung des Fragebogens sollen daher in den Coesfelder Pfarreien St. Lamberti und Anna Katharina neue Angebote für diese spezielle Zielgruppe entstehen. „Wir hoffen, dass sie uns alles sagen, was sie auf dem Herzen haben“, sagt Christoph Aperdannier, Referent für Junge Erwachsene beim Bistum Münster, der zusammen mit Gewand und dem promovierten Religionspädagogen Marius Stelzer die Fragen entwickelt hat.

„Kirche soll einladender und offener werden“, fasst Stelzer bisherige religionspädagogische Untersuchung zusammen, die sich meist mit Jugendlichen und deren Einstellung zu den Gemeinden vor Ort beschäftigten. Die Gruppe der jungen Erwachsenen sei bisher kaum in den Blick genommen worden. Dabei ist den Verantwortlichen klar, dass es nicht darum geht, „mehr junge Menschen in den Sonntagsgottesdienst zu bekommen“. Im Gegenteil: Getreu dem Projekttitel sollen sich Freiräume entwickeln, in denen junge Katholiken neue Wege gehen und Unkonventionelles ausprobieren können.

Auswertung im Frühjahr 2017

„Die Umfrage dient dazu, strukturiert hinzuhören, was Menschen bewegt“, erläutert Stelzer den Hintergrund. „In Coesfeld wird nun genau hingehört, was junge Erwachsene zu Glaubensthemen zu sagen haben. Damit beschreitet die Seelsorge neue Wege“, ist sich Aperdannier sicher.

Wohin diese führen, wollen die Verantwortlichen der Fragebogen-Auswertung überlassen, die im Frühjahr 2017 ansteht. Diese sei der Kompass, an dem sich die Arbeit mit und für die 25- bis 35-Jährigen in den folgenden Jahren orientieren werde.

Gewand: Es werden keine bestehenden Projekte in Frage gestellt

„Später sollen Veranstaltungen, Treffpunkte oder Orte entstehen, an denen die jungen Menschen ihre Spiritualität leben können“, betont Gewand, der seit einem halben Jahr das vom Bistum Münster initiierte Projekt „frei.raum.coesfeld“ verantwortet.

Der 33-Jährige betont dabei, dass man keine bestehenden Angebote in Frage stellen wolle. „Vielmehr ist in Coesfeld etwas Zusätzliches vorgesehen, das für die Pfarrgemeinden ein großes Geschenk sein kann“, ergänzt Aperdannier, der von Seiten des Bistums verschiedenen Institutionen, Pfarrgemeinden und Verbänden vor Ort Unterstützung bei der Vernetzung ihrer Arbeit für junge Zielgruppen anbietet.

Nichts ist ausgeschlossen

Wird es möglicherweise eine Jugendkirche in Coesfeld geben? „Da die Zielgruppe jenseits des Jugendalters ist, wäre das sicher nicht der richtige Ansatz“, sagt Stelzer. Dennoch sind sich die Initiatoren einig, dass „alles denkbar ist und nichts von vorneherein ausgeschlossen ist“. Zugleich verfolge man die Idee, einen Ort für junge Erwachsene entstehen zu lassen, der nicht unbedingt die Pfarrkirche sei.

„Es kann ein verlässlicher Zeitpunkt zum Treffen sein, ein Veranstaltungsformat, oder eben ein Ort“, sagt Gewand, der sich freut, auch außerhalb des Fragebogens ins Gespräch mit der Zielgruppe zu kommen. „Ich bin als Seelsorger und Projektentwickler für sie da“, betont der 33-Jährige, der sich auf viele Rückmeldungen aus der Fragebogen-Aktion freut, bei denen die 25- bis 35-Jährigen der Kirche anonym auch einfach einmal ihre Meinung sagen können.