POLITIK

Zurück in die Zukunft? Die schwierige Frage nach der Wehrpflicht

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Die Wehrpflicht-Debatte ist in vollem Gange. Jochen Reidegeld hat eine Idee, welchen Beitrag die Kirchen leisten können.

Die Heftigkeit, mit der im Parlament um den richtigen Weg in Sachen „Wehrpflicht“ gerungen wurde, spiegelt wider, wie sehr das Thema die Bürgerinnen und Bürger umtreibt – gerade die jungen. Denn sie sind davon betroffen und sie bekommen nicht nur diese Last auferlegt. Klimawandel, unsichere Renten und das Ende der Zuversicht, dass es immer weiter aufwärts geht, treiben die Jüngeren um – und jetzt auch noch die Wehrpflicht. Da sollten wir Älteren uns den Kommentar sparen, dass der Dienst bei der Bundeswehr oder im Rahmen eines Pflichtjahres ihnen guttun und ihr Bewusstsein dafür stärken wird, dass Gesellschaft das Mitwirken aller braucht.

Es geht deshalb umso mehr um einen gerechten Weg, jene Frage zu beantworten, der wir in der Zeitenwende nicht ausweichen können: Wie sichern wir den Raum der Freiheit und der Menschenwürde in einer durch zunehmende Aggression geprägten internationalen Lage? Wenn der Staat dazu Menschen in den Dienst ruft, muss das gut begründet sein. Zwei ethische Fragen sind dabei entscheidend: Ist der Staat wirklich auf diese Form der Verstärkung angewiesen? Und sind die Lasten fair verteilt? Die Wehrpflicht muss so gestaltet werden, dass diese beiden Kriterien – Notwendigkeit und Gerechtigkeit – so gut wie möglich erfüllt werden.

Wege der Versöhnung

Der Autor
Jochen Reidegeld ist Priester des Bistums Münster, war stellvertretender Generalvikar und Kreisdechant. Zurzeit arbeitet er als Research Fellow am Institut für Theologie und Frieden, einer Einrichtung des deutschen Militärbischofsamts, in Hamburg.

Die Verteidigungsfähigkeit ist dabei mehr als eine Frage des Militärs und nicht nur die Aufgabe der jüngeren Generation. Sie ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Freiheit zu sichern, heißt auch, Strukturen des Zusammenhalts zu stärken: Zivilschutz, Bildung, soziale Dienste. Eine gerechte Gesellschaft schützt besonders die Schwachen. Wehrhaftigkeit ohne Gerechtigkeit schafft keinen Frieden.

Hier haben die Kirchen eine wichtige Rolle. Sie segnen keinen Krieg – wie ein Patriarch Kyrill es tut, aber sie stärken Menschen, die dem Frieden dienen. Und sie erinnern daran, dass wahrer Friede nur aus Gerechtigkeit erwächst. Durch ihr Engagement in Caritas, Friedensdiensten und Entwicklungsarbeit leisten Christinnen und Christen einen Beitrag, der über Verteidigung hinausgeht: Sie halten Wege der Versöhnung offen – und zeigen, dass gelebtes Christsein Angst in Verantwortung verwandeln kann.

In unseren Gastkommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

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