EU-Beschluss empört Weihbischof Stefan Zekorn aus Münster

Weihbischof: Ende der Seenotrettung ist „Verrat am Menschsein“

Als „Verrat an unserem eigenen Menschsein“ kritisiert Weihbischof Stefan Zekorn aus Münster die Änderung der EU-Mittelmeer-Mission „Sophia“. Zuvor hatten sich die EU-Staaten geeinigt, den Marine-Einsatz ohne Schiffe bis Ende September fortzuführen. Fluchtbewegungen auf dem Mittelmeer sollen demnach nur aus der Luft überwacht werden.

Die Europäer hätten sich vorgenommen, „Menschen, von denen wir wissen, dass sie im Mittelmeer ertrinken, nicht mehr zu retten, sondern höchstens aus der Luft dabei zuzusehen“, empört sich Zekorn nach Angaben der Bischöflichen Pressestelle. Der Weihbischof ist im Bistum Münster Bischöflicher Beauftragte für Weltkirche.

Für ein Länder-Bündnis zur Seenotrettung

Es sei zwingend nötig, zur Rettung von Ertrinkenden zurückzufinden, „die unseren eigenen Werten entspricht“, fordert Zekorn. EU-Staaten, die dies wollten, sollten ein Bündnis bilden. Auch wenn derzeit nur einige Länder bereit seien, lebten in diesen Staaten mehrere hundert Millionen Menschen: „Wenn man Flüchtlinge auf diese Länder verteilt, wird das ein einzelnes Land kaum merken.“

Zekorn beklagt, dass „der Zynismus rechter Politiker in Europa faktisch das gesamte europäische Handeln in diesen Fragen bestimmt“. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Heinrich Bedford-Strohm, nannte die Entscheidung der Mitgliedsstaaten ein „moralisches und politisches Versagen Europas“.

Die Mission „Sophia“

Hauptziel der Mission „Sophia“ ist der Kampf gegen Menschenschmuggel. Doch auch ohne ausdrückliches Rettungsmandat sind nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen seit 2015 rund 45.000 Menschen aus Seenot auf dem Mittelmeer geborgen worden.