Queergemeinde Münster diskutiert über kirchlichen Segen für gleichgeschlechtliche Paare

Weihbischof Geerlings: Kirche kann homosexuelle Paare segnen

„Es ist meine persönliche Meinung, dass die Kirche gleichgeschlechtliche Partnerschaften segnen kann“. Das hat der emeritierte Weihbischof Dieter Geerlings am Donnerstagabend auf einer Veranstaltung der Queergemeinde in Münster erklärt.  Diese Überzeugung sei nicht deckungsgleich mit der Vorstellung der Amtskirche, bekannte der emeritierte Weihbischof. Die Kirche dürfe aber den Segen nicht verweigern, wenn Menschen danach verlangten, die in Verantwortung, Liebe und Glauben ihre Beziehung führten. „Menschen die um Segen bitten, wollen das erfahren, was die Kirche schenken kann.“

„Segnung heißt, darum zu bitten, dass die Beziehung gelingt und Gott helfend und liebend in ihr anwesend ist“, erklärte Geerlings. Beim Segen gehe es nicht um eine „Beurteilung der Lebensführung“. – „Wenn auf dem Domplatz Autos gesegnet werden, frage ich auch nicht danach, wie viele Punkte der Fahrer in Flensburg hat.“

Von Arbeitsrecht bis Transmenschen

Zum Diskussionsabend „Wie lange noch kann Kirche Segen verweigern?“ waren rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ins Pfarrheim von St. Joseph Münster-Süd gekommen. Eingeladen hatte die ökumenische Quergemeinde Münster, die in der Pfarrei beheimatet ist.

Auf dem Podium diskutierten neben Geerlings die Theologin Anke Papenkord von der Aidshilfe Münster, die Pastoralreferentin Elisabeth Frenke von der Ehe-, Familien- und Lebensberatung Münster und Andreas Merschmeier, Jurist und Mitglied bei „Homosexuelle und Kirche“. Themen waren der kirchliche Segen für gleichgeschlechtliche Partnerschaften, das kirchliche Arbeitsrecht, „Ehe für alle“, Regenbogenfamilien und Transmenschen.

Lieber von „eingetragenen Lebenspartnerschaften“ sprechen

Den Begriff „Ehe für alle“ wolle er aber nicht übernehmen, erklärte Geerlings. „Ehe ist durch die Sakramentenlehre festgelegt. Wenn ich mich für die ‚Ehe für alle‘ einsetze, kann ich mich gleich hinten anstellen.“ Er spreche deswegen lieber von „eingetragenen Lebenspartnerschaften, meine aber dasselbe“.

Der problematische Umgang der Kirche mit Homosexuellen liege in ihrer Vorstellung über Moral und Sexualität. Solange sie Gleichgeschlechtlichkeit als irregulär und sündhaft ansehe, werde sich nichts ändern. Theologisch sei aber bereits jetzt eine Neubewertung möglich. Schon das Zweite Vatikanische Konzil habe festgehalten, „dass Sexualität mehr ist, als allein der Fortpflanzung zu dienen und dass sie mit Liebe zu tun hat“, so Geerlings.

Geerlings: Wenn das Lehramt nicht mehr lernt, ist etwas falsch

„Ich verstehe die Aufregung in der Kirche über Schwule und Lesben nicht mehr“, bekannte Geerlings. Kirche müsse die Erkenntnisse der Wissenschaft über Gleichgeschlechtlichkeit wahrnehmen und Homosexualität aus der „Ecke der Pathologie“ befreien. „Ich gehöre zum Lehramt. Wenn aber das Lehramt nur lehrt und nicht mehr lernt, dann ist etwas falsch.“

Für Geerlings gehört auch das kirchliche Arbeitsrecht auf den Prüfstand. „Wenn wir so weitermachen wie bisher, auch wenn wir juristisch das Recht dazu haben, stehen wir im Konflikt mit den Menschen in Kirche und Gesellschaft“, sagte er. Das kirchliche Arbeitsrecht komme aus dem Ordensrecht und sei nicht mehr zeitgemäß. „Außerdem haben alle anderen Kirchen auf der Welt so ein Arbeitsrecht nicht. Das haben nur wir“, so der emeritierte Weihbischof.

Weihbischof: Diejenigen, die Angst haben, sollen die Angst verlieren

Geerlings sieht aber auch Entwicklungspotenziale. „Ich habe als Vorsitzender der AG Schwangerschaftsberatung der Bischofskonferenz ein Papier zur Veränderung der kirchlichen Sexualmoral für den Synodalen Weg eingereicht“, sage er. Es gehe dabei auch um die Frage der Gleichgeschlechtlichkeit. „Das Thema muss in die Leitungsgremien der Diözesen. Es muss auf der Tagesordnung sein, damit auch diejenigen, die Angst haben, die Angst verlieren.“ In der Diözese Münster sei man genau auf diesem Weg.

Zudem müsse man das „problematische Verständnis von Einheit der Kirche ablegen“. Was anderswo in Polen oder Afrika nicht möglich sei, könne durchaus in Deutschland möglich werden.

„Es gibt segnende Priester“

Pastoralreferentin Elisabeth Frenke forderte: „Es muss jetzt nicht nur geredet werden, sondern es müssen auch Taten folgen.“ Zudem ermutigte sie gleichgeschlechtliche Paare, „den Segen zu verlangen“. Frenke fügte hinzu: „Ich weiß, dass es Priester gibt, die gleichgeschlechtliche Paare segnen, und das ist auch gut so.“

Update, 16.8. 18.20 Uhr: Weihbischof em. Geerlings hat nach eigenen Angaben in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der AG Schwangerschaftsberatung der Bischofskonferenz ein Papier zur Veränderung der kirchlichen Sexualmoral für den Synodalen Weg eingereicht. Die vorherige Angabe sei nicht korrekt gewesen. Das haben wir geändert.