Visitation im Dekanat Recklinghausen

Weihbischof Lohmann erlebt Kirchenfrust und engagierte Gemeinden

Seit einigen Wochen ist Regionalbischof Rolf Lohmann viel im nördlichen Ruhrgebiet unterwegs. In Datteln, Oer-Erkenschwick, Waltrop, Herten und Recklinghausen besucht er die Pfarreien und die kirchlichen Einrichtungen. Er führt Gespräche mit möglichst allen Priestern dort, mit den Diakonen, Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten und kommt mit Vertretern der kirchlichen Gremien und vielen weiteren freiwillig Engagierten zusammen.

Offiziell heißen die Begegnungen Visitation. Sie ist der Besuch des zuständigen Bischofs in den Pfarreien. Dabei geht es vor allem um den Austausch zwischen dem Bistum und den verschiedenen Verantwortungsträgern in der Pfarrei. Alle fünf Jahre soll ein Dekanat „visitiert“ werden.

Großer Einsatz in den Gemeinden

In einem von einer lockeren, aber konzentrierten Atmos­phäre geprägten Arbeitsgespräch in der Propstei St. Peter in Recklinghausen spart Lohmann nicht mit Lob: „Wir haben engagierte Seelsorger und hilfsbereite Frauen und Männer, die sich sozial für andere einsetzen“, sagt er und listet das Positive auf, was Kirche auf vielen Ebenen leistet: die 72-Stunden-Aktion der Jugendlichen, die besonderen Projekte der Gastkirche, das jugendpastorale Zentrum „Areopag“ und der derzeit entstehende „Garten der Religionen“ in Recklinghausen-Stuckenbusch, der im franziskanischen Geist die Tradition des Friedens, Ausgleichs und der Versöhnung fortsetzen will.

In dem Arbeitsgespräch mit Propst Jürgen Quante und Kreisdekanatsgeschäftsführer Marc Gutzeit, an dem auch Kaplan Joachim Brune teilnimmt, werden aber auch die negativen Entwicklungen deutlich benannt: Nach wie vor hohe Kirchenaustrittszahlen und der Rückgang der Gottesdienstbesucher machen ratlos, die jüngst bekannt gewordenen Missbrauchsbrauchvorfälle fassungslos.

Missbrauchsvorfälle machen fassungslos

„Ich kann die Verärgerung vieler Menschen an der Kirche verstehen. Wir haben uns in vielen Handlungen kein Ruhmesblatt ausgestellt. Im Gegenteil“, sagt Lohmann. Und dennoch müsse intensiver über die Frage gesprochen werden, wie mit den Ausgetretenen und Kirchendistanzierten der Kontakt gesucht werden könne.

„Wenn möglich, sollte die Kirche weiter mit den Ausgetretenen darüber sprechen, was zum Austritt geführt hat“, sagt Lohmann. Die Freckenhorster Landvolkshochschule habe vor Jahren Menschen eingeladen, die aus der Kirche ausgetreten waren. „Die Resonanz war entgegen allen Erwartungen gut.“ Im Austausch lernten beide Seiten voneinander.

Mut für unkonventionelle Angebote

Der Regionalbischof sicherte  den Pfarreien seine Unterstützung zu, wenn sie neue und unkonventionelle Wege gehen möchten. „Wir brauchen kreative Ansätze und Mut, Neues anzupacken, zum Beispiel in der Jugendliturgie.“ Ein Dauerthema in den Pfarreien wird sein, wie strittige Kirchenthemen behandelt werden.

Aktionen wie „Maria 2.0“ mit der Forderung nach Gleichberechtigung von Mann und Frau in der Kirche müssten ernst genommen werden, sagt Propst Jürgen Quante: „Irgendwann reißt der Geduldsfaden, wenn alles auf die lange Bank geschoben wird.“

Quante: Bischöfe brauchen mehr Mut

Von den Bischöfen erwartet der Propst mehr Mut: „Unser Regionalbischof weiß, dass wir ihn beim Wunsch nach Kirchenreformen unterstützen. Manchmal braucht es Aktionen wie Maria 2.0, um Gehör zu finden“, sagt Quante und ergänzt: „Mit unserem vielbeachteten Stadtkonzil haben wir eindrucksvoll auch nach außen gezeigt: Kirche bewegt sich und uns.“