„Sollten wir nicht mehr Seelsorge als Zahlensorge betreiben?“

Weihbischof Rolf Lohmann feiert Primiz in Kevelaer

Rolf Lohmann hat am Sonntag in Kevelaer seinen ersten Gottesdienst in seiner neuen Funktion als Weihbischof gefeiert. Lohmann war am 8. Juli in Münster zum Bischof geweiht worden und ist als Weihbischof nun für die Region Niederrhein zuständig.

In seiner Predigt warnte Lohmann davor, sich bei der Beurteilung von Erfolg allein auf Zahlen zu konzentrieren. Man dürfe sich den Zahlen – auch in der Kirche – nicht ausliefern. „Sollten wir nicht mehr Seelsorge als Zahlensorge betreiben?“, fragte Lohmann, zum Beispiel mit Blick auf die weniger werdenden Gottesdienstbesucher.

Das Erfolgsrezept Gottes

Er erinnerte an das Gleichnis vom Sämann aus dem Tagesevangelium. Darin erzählt Jesus, wie ein großer Teil der Saat nicht aufgeht, die Körner aber, die auf fruchtbaren Boden fallen, umso mehr Frucht tragen. „Jesus sieht das, was nicht aufgeht und verdrängt es nicht. Er sagt, dass es Misserfolg gibt. Und doch lehrt er uns, nicht zu resignieren. Trotz der Misserfolge am Anfang gibt es unerwartet reiche Ernte.“

So gelte auch in der Kirche: „Ärgere ich mich mehr über die, die nicht mitmachen oder freue ich mich über die, die dabei sind?“, fragte Lohmann. Man dürfe nicht immer nur „den Kopf senken und sauertöpfisch gucken, so funktioniert das nicht, das ist der falsche Weg“, warnte der Weihbischof. Das Erfolgsrezept Gottes sei, dass er im Kleinen anfange – mit einem Weizenkorn, mit einem Kind in der Krippe – und darauf vertraue, dass etwas Großes daraus wird. Und so lohne sich die Mühe bei der Erziehung der Kinder, es lohne sich die Zeit, die in Kommunion- und Firmvorbereitung investiert wird, es lohne sich das Gebet um Priesternachwuchs. „Die Ernte lohnt die Mühe des Säens“, bekräftigte er.

Gemeinde schenkt Brustkreuz

Zu Beginn der Primizfeier überreichte Dr. Edmund Bercker Lohmann das Brustkreuz. Die Pfarrei hatte Geld gesammelt, um Lohmann das aus Silber und Ebenholz in Kevelaer gefertigte Kreuz zu schenken. „Bleiben Sie auch in Ihrer neuen Funktion ein Pastor, so wie Sie es all die Jahre waren“, bat Bercker. Der Weihbischof deutete auf seinen Stab: „Der Stab bringt genau das zum Ausdruck, er ist eine Erweiterung des Pastor-Schüppchens. Ich bin in den vergangenen Jahren durch die vielen Begegnungen bereichert worden in meinem Dienst als Pastor.“