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Regionalbischof aus Vechta über Missbrauch, Marx und die Kirchen-Krise

Weihbischof Theising: „Erzbistum Köln hat Zukunft“ – Woelki nennt er nicht

  • Eine moralische Verpflichtung auch für historische Fälle sexualisierter Gewalt sieht Weihbischof Wilfried Theising aus Vechta.
  • Kirchenobere müssten Verantwortung übernehmen „für Fälle, für die wir persönlich nicht verantwortlich sind“.
  • Theising äußerte sich auch zu den Kardinälen Woelki und Marx und zur Lage der Kirche.
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Eine moralische Verpflichtung auch für historische Fälle sexualisierter Gewalt sieht Weihbischof Wilfried Theising aus Vechta. Kirchenobere müssten Verantwortung übernehmen „für Fälle, für die wir persönlich nicht verantwortlich sind“, sagte er der „Oldenburgischen Volkszeitung“ und der „Münsterländischen Tageszeitung“. In vielen Fällen würden Täter und Bistums-Verantwortliche nicht mehr leben, „die Opfer aber schon“, so Theising.

Ende Mai hatte Kardinal Reinhard Marx dem Papst auch wegen dieser moralischen Verantwortung seinen Rücktritt als Erzbischof angeboten, Franziskus hatte abgelehnt. Nach Erscheinen des Theising-Interviews am Freitag wurde bekannt, dass Marx sich – bei Änderung der Situation und der Umstände auch im Erzbistum München – ein erneutes Rücktrittsangebot vorstellen kann.

„Kirche nicht am toten Punkt“

An einem „toten Punkt“ wie Marx sieht Weihbischof Theising die Kirche nicht. „Gerade auch in der Pandemie habe ich das anders erlebt“, sagte er im Interview. Die Gemeinden hätten sich in der Corona-Zeit „klasse aufgestellt, vielfach Fantasie entwickelt“.

Dennoch erwartet der Weihbischof nicht, die Grundstimmung und den Trend der Kirchenaustritte kurzfristig verändern zu können: „Wir werden das länger aushalten müssen.“ Das sei „auch schmerzhaft“, die Kirche dürfe aber nicht resignieren.

Keine Aussage zu Kardinal Woelkis Zukunft

Eine Aussage zu Kardinal Rainer Maria Woelki umging Theising. Auf die Interview-Frage „Hat das Erzbistum Köln mit Kardinal Woelki an der Spitze eine Zukunft?“ antwortete der Vechtaer Weihbischof: „Das Erzbistum Köln hat eine Zukunft.“ Den Kardinal nannte er nicht.

Woelki steht seit Monaten in der Kritik wegen der Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Köln. Betroffene und Beobachter bemängeln die vorwiegend juristische Herangehensweise. Zudem scheint das Vertrauen in Woelki in diözesanen Gremien und auch unter leitenden Geistlichen erschüttert. Papst Franziskus hatte bereits zwei Bischöfe als externe Prüfer ins Erzbistum geschickt.

Diskussion über Segensfeiern

Mit Blick auf Segensfeiern für homosexuelle Paare verwies Theising auf Aussagen der Bischöfe Georg Bätzing und Felix Genn. Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, hatte erklärt, Segensfeiern eigneten sich nicht als kirchenpolitische Meinungsäußerung – der Vatikan hatte solchen Segnungen zuvor eine Absage erteilt. Zugleich hatte Münsters Bischof Genn erklärt, nicht einzugreifen, wenn Segensfeiern angeboten werden.

Theising warb dafür, die Segensfeier-Diskussion zu weiten: „Es geht ja auch um viele andere, die zusammenleben und derzeit nicht gesegnet werden können.“ Beispiele nannte der Weihbischof nicht. Gleichwohl wird in der Kirche etwa der Umgang mit zivil wiederverheirateten Paaren diskutiert.

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