Rund 800 Gäste bei Gottesdienst und Empfang

Weihbischof Wilfried Theising als Offizial in Vechta eingeführt

Einzug zur feierlichen Einführung des neuen Offizials in der Propsteikirche St. Georg in Vechta. Am Ende der Prozession (mit Mitra) Bischof Felix Genn und der neue Offizial, Weihbischof Wilfried Theising. Vorn die Bischöfe von Osnabrück, Franz-Josef Bo
Einzug zur feierlichen Einführung des neuen Offizials in der Propsteikirche St. Georg in Vechta. Am Ende der Prozession (mit Mitra) Bischof Felix Genn und der neue Offizial, Weihbischof Wilfried Theising. Vorn die Bischöfe von Osnabrück, Franz-Josef Bode, und von Hilsdheim, Norbert Trelle.Foto: Franz Josef Scheeben

Bischof Felix Genn hat am Samstag Weihbischof Wilfried Theising als neuen Bischöflich Münsterschen Offizial in Vechta eingeführt. In diesem kirchenrechtlich weltweit einzigartigen Amt vertritt Theising künftig wie ein Generalvikar den Bischof im niedersächsischen Teil des Bistums. Theising ist Nachfolger von Heinrich Timmerevers, der seit dem vorigen August Bischof von Dresden-Meißen ist.

Bei einem Festgottesdienst mit rund 800 Menschen in der Propsteikirche St. Georg in Vechta dankte Genn dem bisherigen Regionalbischof für den niederrheinischen Teil des Bistums für seine Bereitschaft, sich für die Aufgabe in Vechta zur Verfügung zu stellen und dort neu zu beginnen. Er wisse, dass solche Entscheidungen nicht leicht zu fällen seien, besonders wenn bisherige Aufgaben ans Herz gewachsen seien.

Auch ein nüchterner Moment

Die feierliche Einführung Theisings sei im Grund etwas zutiefst Nüchternes, sagte Genn. Schließlich gebe es keine Verleihung von Urkunden und kein Geleit zum Bischofsstuhl. Doch stehe hinter diesem Amt in Vechta die Aufgabe, fest zu stehen im Glauben und diesem Glauben ein Gesicht zu geben. Dieser Aufgabe müssten sich alle Christen stellen, betonte Genn.

Bischof Felix Genn während seiner Predigt in der Propsteikirche St. Georg in Vechta. | Foto: Franz Josef ScheebenBischof Felix Genn während seiner Predigt in der Propsteikirche St. Georg in Vechta. | Foto: Franz Josef Scheeben

Die Vermittlung des Glaubens brauche immer auch eine gewisse Struktur, sagte Genn weiter. Dafür stehe die kirchliche Struktur und dort in besonderer Weise das Amt des Bischofs. Denn in ihm bekomme der Glaube ein besonderes Gesicht. Diese Struktur werde seit Jahrhunderten sehr persönlich in den Gesichtern der Bischöfe weitergegeben, betonte Genn.

Bischöfe stünden jedoch ebenso wie alle Gläubigen vor Sorgen und Problemen, sie könnten sich angesichts besonderer Herausforderungen in Kirche und Welt auch überfordert fühlen. Dann helfe nur das feste Vertrauen auf Jesus Christus. Wenn ein Bischof daraus Kraft schöpfe, könne er auch die Stürme der Zeit bewältigen, schloss Genn.

Einladung zur Ökumene

Beim anschließenden Festakt im Rathaus von Vechta wurde Theising unter anderen von Mitarbeitern des Offizialats, Vertretern der Kirchengemeinden und der Stadt sowie vom evangelischen Oldenburger Bischof Jan Janssen willkommen geheißen. Theising selbst gestand in seiner Dankesrede, dass ihm der Wechsel nicht leicht gefallen sei. Jetzt aber nehme er die Aufgabe sehr gerne an. »Ich komme mit ganzem Herzen zu Ihnen, darauf können Sie sich verlassen.«

Viele Menschen gratulierten dem neuen Offizial, Weihbischof Wilfried Theising (links). | Foto: Franz Josef ScheebenViele Menschen gratulierten dem neuen Offizial, Weihbischof Wilfried Theising (links). | Foto: Franz Josef Scheeben

Janssen wünschte sich »ein gemeinsames Weiterentwickeln« der Ökumene. Er freue sich, am 12. März mit Theising einen gemeinsamen Gottesdienst in Oldenburg zum Reformationsjubiläum feiern zu können.

Die Gebiete der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg und des Offizialatsbezirks Oldenburg im Oldenburger Land sind deckungsgleich und umfassen das alte Großherzogtum Oldenburg. Der Offizialatsbezirk mit 40 Pfarreien und rund 265.000 Katholiken gehört zum Bistum Münster, zur Evangelischen Landeskirche in Oldenburg zählen 116 Gemeinden mit rund 424.000 Mitgliedern.

An der Amtseinführung nahmen auch die Bischöfe der niedersächsischen Diözesen, Franz-Josef Bode aus Osnabrück und Norbert Trelle aus Hildesheim, sowie weitere Vertreter der Ökumene, aus Politik und Gesellschaft teil. Unter den mehr als 800 Gästen in der überfüllten Propsteikirche waren auch Fahnen- und Standartenträger aller katholischer Verbände.

Stichwort: Offizialatsbezirk Oldenburg
Der Offizialatsbezirk Oldenburg im Bistum Münster gilt als weltweite kirchenpolitische Besonderheit. An seiner Spitze steht der Bischöflich Münstersche Offizial mit dem Amtssitz Vechta, der die regionale kirchliche Behörde im Auftrag des Bischofs von Münster verwaltet. Der Offizialatsbezirk Oldenburg liegt als Exklave des Bistums Münster in Niedersachsen; die anderen vier der fünf Bistumsregionen liegen in Nordrhein-Westfalen. Die Region ist auch kirchenpolitisch zu einem großen Teil unabhängig.
Der Bezirk Oldenburg grenzt im Westen und Süden an das Bistum Osnabrück, im Osten an das Bistum Hildesheim und im Norden an die Nordsee. Die Zweiteilung des Bistums ist eine Folge der nach dem Wiener Kongress von 1815 erfolgten Anpassung kirchlicher Bezirke an die damals neuen, politischen Grenzen. Im Offizialatsbezirk leben derzeit von Wangerooge bis Damme rund 265.000 Katholiken in 40 Pfarreien.
Weihbischof Wilfried Theising ist der zwölfte Leiter des Offizialatsbezirks Oldenburg. Seine unmittelbaren Vorgänger waren Heinrich Timmerevers (2001-2016) und Max Georg Freiherr von Twickel (1970-2001). | KNA