Predigten des Bischofs im Dom in Münster

Weihnachten: Genn beklagt Gestank in der Kirche und „Fake News“

An Weihnachten hat Bischof Felix Genn aus Münster den Zustand der Kirche und die Zunahme von „Fake News“ beklagt. Genn predigte in den großen Gottesdiensten am Heiligen Abend und am Ersten Weihnachtstag im Dom in Münster.

In der Christmette am Heiligen Abend betrachtete der Bischof den „Stallgeruch“ der Geburt Jesu in Bethlehem. Gottes Sohn lag laut Evangelium in einer Krippe. Diese habe nicht im warmen Wohnzimmer gestanden, sondern „im Stall, bei Tieren und Menschen, mitten im Schmutz und Schweiß dieser Welt“, sagte Genn.

„Es stinkt gewaltig in der Kirche“

Das sei bereits das erste Zeichen für den „Stallgeruch“, der Leben und Wirken Jesu durchziehe: Nicht Macht und Besitz seien wichtig, sondern „die Bereitschaft, in völliger Armut nicht auf die eigenen Kräfte zu setzen, sondern auf die Macht Gottes und seiner Liebe“. Als weitere Aspekte nannte der Bischof Gewaltlosigkeit, Vergebung, Hingabe und die Bereitschaft zum Dienst.

In der Kirche habe sich in jüngster Zeit dagegen „ein ganz eigener Stallgeruch“ bemerkbar gemacht. Er habe nichts zu tun mit dem, was von der Geburt Jesu ausgehe: „Es stinkt gewaltig“, sagte Genn. Konkrete Beispiele nannte er nicht, betonte aber, das „Licht der Krippe“ decke auf und „zwingt zur Reinigung“.

„Christen widerstehen den Lügen“

Offenbar spielte Genn auf den Missbrauchsskandal an. Ende September hatten die deutschen Bischöfe eine Studie über das Ausmaß des sexuellen Missbrauchs durch katholische Priester vorgelegt. Während des gesamten Jahres waren bundesweit und im Bistum Münster Fälle bekannt geworden. Zugleich wurden Rufe laut, Verantwortliche namentlich zu benennen, die von Taten gewusst und Täter immer wieder auf andere Stellen versetzt hatten.

Am Ersten Weihnachtstag beklagte der Bischof die Zunahme unwahrer Nachrichten. „In einer Welt voller Fakes, voller Lügen, in einer Welt, in der viel Unsinniges getwittert wird“, bräuchten die Menschen das Wort, dass Gott Mensch geworden sei, so Genn. Dieses Wort gelte und sei wahr. In der Menschwerdung Jesu sei „jeder Mensch für sich“ von Gott angenommen.

Wer von diesem Wort lebe, der werde zum Gegner jeglicher „Fake News“, der widerstehe allen Lügen, auch durch öffentlichen Auftreten. Er urteile nicht vorschnell und überprüfe Aussagen wie die Wahlversprechen von Parteien kritisch.