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Einrichtungsleiter aus Recke sieht Möglichkeiten der internen Gestaltung

Weihnachten in Altenheimen lebt nicht nur von Besuchen

  • 900.000 Bewohner von Alten- und Pflegeeinrichtungen in Deutschland stehen vor einem Weihnachtsfest ohne großen Besuch.
  • Andreas Plietker, Leiter der Häuser St. Benedikt und St. Josef in Recke, will intern mit seinen Mitarbeitern die Situation auffangen.
  • Erfahrungen aus dem ersten Lockdown ermutigen ihn, die Weihnachtsatmosphäre so retten zu können.

Weihnachten, Corona, Altenheime – drei Worte, die derzeit oft zusammen in den Medien auftauchen. In ihnen verdichtet sich eine Diskussion, die seit Beginn der Pandemie immer wieder in den Mittelpunkt rückt: Wie gehen wir mit den alten und vom Virus besonders bedrohten Menschen um? Zum für diese Altersgruppe hochemotionalen Weihnachtsfest stellt sich die Frage noch einmal intensiv.

Für den 24. Dezember der etwa 900.000 Bewohner von Alten- und Pflegeeinrichtungen in Deutschland werden derzeit viele Konzepte angedacht. Ein Schichtsystems soll eine Lösung sein, bei dem Familien auf unterschiedliche Tage verteilt zu Besuch kommen könnten. Eine Ausdehnung des Festes über mehrere Tage oder gar Wochen wird diskutiert, um den Besucherandrang zu entzerren. Auf der anderen Seite wird dagegen vor einer zu strengen Reglementierung aus Angst vor dem Infektionsrisiko gewarnt.

Nicht nur die Besucherfrage ist entscheidend

„Das konzentriert sich alles viel zu sehr auf die Besucher-Frage“, sagt Andreas Plietker, Leiter der Häuser St. Benedikt und St. Josef in Recke. „Die allein macht aber nicht die Qualität von Weihnachten für unsere Bewohner aus.“ Darunter gebe es sicher Menschen, für die der Besuch der Verwandten zentralen Stellenwert habe – den müsse man auch, so gut es geht, ermöglichen. „Die Mehrheit reduziert das Gelingen des Festes aber nicht auf die gemeinsame Feier mit der Familie.“

Plietker hat bereits beim für die Altenpflegeeinrichtungen regiden ersten Lockdown im Frühjahr erlebt, dass sich in seinen Einrichtungen „die Beziehungsqualität nicht allein auf die Zeit reduzieren lässt, die der Bewohner mit seinen Freunden und Verwandten verbringen kann“. Er erinnert sich an den Satz einer Seniorin, der das gut beschreibt: „In der Zeit, als meine Kinder nicht kommen konnten, hatten wir andere Kinder.“ Gemeint waren die Mitarbeiter der Einrichtung, die in der Krisenzeit andere Rollen einnahmen.

Erfahrungen aus dem ersten Lockdown

Weihnachten allein im Altenheim – eine schreckliche Vorstellung für viele Bewohner und Angehörige in Corona-Zeiten. Aber ist der Verwandten-Besuch entscheiden für ein gelingendes Fest? | Symbolfoto: Michael Bönte
Weihnachten allein im Altenheim – eine schreckliche Vorstellung für viele Bewohner und Angehörige in Corona-Zeiten. Aber ist der Verwandten-Besuch entscheiden für ein gelingendes Fest? | Symbolfoto: Michael Bönte

„Die große Anspannung in der kompletten Isolation haben wir gelöst, indem wir über unsere Arbeitsbereiche hinaus für die Bewohner da waren.“ Die Zeit, in der bis zu 20 Senioren und sechs Mitarbeiter an Covid-19 erkrankt waren und drei Todesfälle damit in Verbindung gebracht wurden, habe nur so gemeistert werden können. „Wir wissen, dass auch zu Weihnachten hochemotionale Momente auf uns warten“, sagt Plietker. „Wir haben aber auch die Erfahrung gemacht, wie bereichernd das Fest werden kann, wenn wir es intern in den Hausgemeinschaften gestalten.“

Wie genau das aussehen wird, ist auch in Recke noch nicht geklärt und hängt von der weiteren Entwicklung der Pandemie-Zahlen ab. Im Raum steht die Idee, die derzeitige maximale Besucherzahl über die Weihnachtsfeiertage zu verdoppeln. Das würde aber auch den personellen Aufwand für die Organisation und Begleitung der Gäste verdoppeln. „Damit kämen wir bestimmt ans Limit“, sagt Plietker. „Aber das tun wir zum Weihnachtsfest jedes Jahr.“

Eine andere Blickrichtung

Der Einrichtungsleiter wünscht sich aber eine andere Blickrichtung. Er kann zwar nachvollziehen, dass die Corona-Maßnahmen mittlerweile viele Menschen so belasten, dass sie erst einmal ihre eigenen Vorstellungen durchsetzen wollen. „Aber muss ich die Oma am heiligen Abend wirklich für sechs Stunden unter den heimischen Tannenbaum holen oder kann ich für den Schutz aller darauf verzichten?“

Plietker sieht in diesem Gedanken keine Zumutung für die Bewohner. „Wenn wir in unseren Häusern auf den großen gemeinsamen Gottesdienst mit allen Verwandten verzichten und ihn stattdessen mit den Mitarbeitern in den Wohngruppen auf den Fluren feiern, um dann anschließend gemütlich zusammenzusitzen, ist das für alle hier ein wunderschönes Fest.“

Zumutung für die Verwandten

Für die Verwandten bleibt das hingegen eine Zumutung. Das weiß auch Plietker. „Es ist dieses Jahr aber wichtig, dass sich jeder mit seinen Wunschvorstellungen etwas zurücknimmt, um gemeinsam die Krise zu meistern.“ Dazu gehört für ihn auch der Verzicht darauf, unbedingt am Heiligen Abend mit Oma oder Opa zu feiern.

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