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Warum ein Bischof „Gott im Gehen“ sieht und warum Abgrenzungsparolen falsch sind. Im Fuldaer Dom gab es eine Rückkehr.
Zu Weihnachten haben katholische Bischöfe in Deutschland zu Zusammenhalt und zum Schutz menschlichen Lebens aufgerufen. Gegen Nationalismus und Abschottung wandte sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Limburger Bischof Georg Bätzing.
Statt egoistischen Denkens und der Parole „Wir zuerst!“ brauche es mehr Solidarität und gemeinsame Verantwortungsübernahme: „Glauben wir ernsthaft, wir könnten Demokratie und Zusammenhalt hierzulande stärken, ohne unseren Sozialstaat zukunftsfähig zu machen, der darauf basiert, dass die Generationen füreinander einstehen?“
Menschenwürde und Lebensschutz
Der Münchner Kardinal Reinhard Marx sagte, das Christentum bleibe Teil des Kernprofils Europas. Er zeigte sich überzeugt davon, die Botschaft der Freiheit, Würde und Geschwisterlichkeit werde eine Renaissance erleben. Das „Ja zu einer Hoffnung – trotz allem“ sei eine tief gehende Kraft.
Laut dem Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki gründet der einzig wahre Humanismus in Jesus als menschgewordenem Sohn Gottes. Menschenwürde komme jedem zu, „ganz gleich, ob Frau, Mann oder Kind, ob reich oder arm, ob weiß oder schwarz, ob Christ oder Nicht-Christ“. Wer sich am Menschen als Ebenbild vergreife, vergreife sich auch am Urbild, an Gott. „Daher hat auch niemand das Recht, über menschliches Leben zu verfügen, weder über das ungeborene Leben noch über das altgewordene oder kranke.“
Rückkehr in Fulda
Der Fuldaer Bischof Michael Gerber rief zum Miteinander auf. „Empathie ist im Licht von Weihnachten keine Schwäche, sondern die entscheidende Stärke des Menschen.“ Gerber feierte die Christmette und die Messe am ersten Weihnachtsfeiertag als erste öffentliche Gottesdienste seit seiner Krebsdiagnose im Sommer.
Der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz appellierte an die Machthaber der Welt, ihr Handeln Gott gegenüber zu verantworten. Wenn sie ihn nicht als Autorität über sich haben, „wer und was ist dann der Maßstab?“, fragte Bentz.
Ein Fest ohne Gott?
Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer nannte Weihnachten „hochpolitisch“. „Jesu Botschaft ist damals wie heute Gottes Widerspruch gegen eine Welt, die ihre Probleme mit Gewalt und Krieg lösen will“, sagte er.
Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck rief zum Einsatz für Frieden auf. Die Verheißung Gottes, „Friede auf Erden“, brauche den Menschen, der sie umsetzt. Das gelte auch im normalen Alltag.
Weihnachten feiern gehe auch ohne Gott, sagte der Augsburger Bischof Bertram Meier: „Bei immer weniger Menschen spielt Gott eine wirkliche Rolle.“ Doch: „Wo wir aufhören, Gott die Ehre zu geben, fangen wir bald an, uns selbst groß aufzuspielen.“ Wenn „Gott im Gehen“ sei, dann „sind die Götzen im Kommen“.