Aktion des Bonifatiuswerks

Weihnachtsmann muss draußen bleiben – Nikolaus darf rein!

Kaum jemand kann den Weihnachtsmännern entgehen: Die dickbäuchigen Figuren mit Rauschebärten und roten Zipfelmützen marschieren wieder durch die Fußgängerzonen und Kaufhäuser, sie erscheinen in der Fernsehwerbung und in Prospekten. In Kompaniestärke stehen sie als Schokoladenfiguren in den Supermarktregalen stramm.

Ganz Deutschland scheint also von Weihnachtsmännern besetzt. Ganz Deutschland? Nein! Einige unbeugsame Gegner leisten hartnäckigen Widerstand und wollen, dass die kitschigen Männer draußen bleiben.

Alles andere als bierernst kämpft die Aktion „Weihnachtsmannfreie Zone“ mit Plakaten, Aufklebern und Informationen für ihr Anliegen. Die Kritiker sehen im Weihnachtsmann einen Packesel der Geschenke-Industrie, der bloß auf Konsum bedacht ist. Hinter der Aktion und der Homepage www.weihnachtsmannfreie-zone.de steckt das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken in Paderborn. Auf seinem roten Logo leuchtet ein durchgestrichener Weihnachtsmann wie auf einem Verbotsschild im Straßenverkehr.

Rot-weiße „Weihnachtstrottel“

Der Osnabrücker Bischof Franz Josef Bode, Fernsehmoderatorin Nina Ruge und der Franziskaner Bruder Paulus Terwitte unterstützen die Aktion. Der Psychiater, Theologe und Bestseller-Autor Manfred Lütz meint: „Es widerspricht der Menschenwürde, bedauernswerte Menschen dazu zu nötigen, als rot-weiße Weihnachtstrottel durch die Gegend zu laufen.“

Alle Förderer der Aktion wollen dem Weihnachtsmann die rote Karte zeigen und den Blick auf seinen Vorgänger lenken: auf Nikolaus, einen Bischof, der vor mehr als 1700 Jahren im Gebiet der heutigen Türkei lebte. Er war Bischof von Myra (heute heißt der Ort Demre) am Mittelmeer, etwa 100 Kilometer von der heutigen Großstadt Antalya entfernt.

Nikolaus gilt als Retter von Bootsfahrern

Geschichtliche Quellen gibt es über den frommen Mann nur wenige, allerdings zahlreiche Legenden. Demnach ließ er Armen- und Waisenhäuser bauen. Und ihm werden Wunder zugeschrieben. Nikolaus gilt auch als der Retter von Bootsfahrern, weshalb sich Nikolaus-Kirchen in vielen Hafenstädten finden. An das segensreiche Wirken des Bischofs für die Armen und Benachteiligten wird am 6. Dezember, seinem Todestag, erinnert.

Im Mittelalter entwickelte sich ein Brauchtum um den heiligen Mann, der heimlich Kinder beschenkt. Martin Luther hielt die Heiligenverehrung jedoch für fragwürdig. Der Reformator erfand daher als Alternative das Christkind, das zu Weihnachten die Kinder beschenkt.

Werbung machte Weihnachtsmann populär

Evangelisch-reformierte Auswanderer aus den Niederlanden blieben allerdings bei der Nikolaus-Bescherung. Sie brachten den Brauch in die Vereinigten Staaten, wo sich ihr holländischer Sinter Klaas zunächst in Saint Claus verwandelte und dann in Father Christmas.

Richtig populär machte den Weihnachtsmann die Coca-Cola-Werbung in ihren Hausfarben Rot und Weiß. „In diesem Outfit wurde er nach dem Ersten Weltkrieg nach Europa reimportiert und mutierte hier zum Weihnachtsmann“, erklärt der Theologe Manfred Becker-Huberti, ein Kenner für christliches Brauchtum.

Inzwischen ist die Kunstfigur Weihnachtsmann, ab 1932 ein fester Bestandteil der Werbe¬industrie, viel bekannter als Nikolaus. „Der heilige Bischof hat es heute schwer“, stellt Becker-Huberti deshalb bedauernd fest. „Sein kommerzieller Widerpart hat nach wie vor Konjunktur.“

„Für mich nur das Original“

Aber, so ergänzt der Brauchtumsexperte: „Wenn die Menschen des Weihnachtsmannes längst überdrüssig sein werden, ist der heilige Nikolaus noch lange nicht reif für den Schrottplatz der Frömmigkeit.“ Weil sie so angetan ist von den Taten des Nikolaus, kämpft die Aktion „Weihnachtsmannfreie Zone“ mit vielen Mitteln phantasiereich für den Heiligen. Beispielsweise steht auf Postkarten neben dem durchgestrichenen Weihnachtsmann die Forderung: „Für mich nur das Original!“

Ein Bastelbogen zum Gratis-Download hilft Kindern, Schoko-Weihnachtsmänner in Nikoläuse zu verwandeln. Und im Internet stehen Hinweise, wo Nikoläuse aus Fair-Trade-Schokolade zu beziehen sind. Ja, es gibt sogar ein Spiel im Internet: www.lauf-nikolaus.de. Dabei kommt es darauf an, dass der Heilige möglichst viele seiner frohen Botschaften durch die Schornsteine wirft - im Wettrennen mit dem Weihnachtsmann. Mal sehen, wer gewinnt.

Für Hospiz und Zirkus

Zugleich zielt die Aktion des Bonifatiuswerks auf einen guten Zweck. Aus dem Erlös von Spenden werden sterbenskranke Kinder und ihre Familien beim ambulanten Kinderhospizdienst in Halle an der Saale und bei der ambulanten Kinderhospizarbeit in Berlin unterstützt. Das Hilfswerk fördert auch den Kinderzirkus Birikino in Chemnitz. Dieser Zirkus ist für die Salesianer Don Boscos ein Instrument, um benachteiligte Kinder und Jugendliche in ihrer persönlichen Entwicklung zu stärken.

Wieviel Geld bei der Aktion zusammenkommt, ist ungewiss. Doch eines ist schon jetzt sicher: Die Aktion des Bonifatiuswerkes dürfte dem heiligen Nikolaus gefallen haben.