Kommentar von Chefredakteur Christof Haverkamp

Weltklima-Konferenz: Warum „Laudato si“ brandaktuell bleibt

Nach der 23. Weltklimakonferenz in Bonn wird es an Appellen zur Umkehr nicht mangeln. Aber wie kann es zu einer wirklichen Änderung des eigenen Lebensstils kommen? Christof Haverkamp, Chefredakteur von „Kirche-und-Leben.de“, kommentiert.

Wird es erkennbare Fortschritte geben? Was bleibt, wenn die 23. Weltklimakonferenz in Bonn zu Ende geht und die rund 25.000 Delegierten aus allen Kontinenten wieder nach Hause fahren? Es wäre jedenfalls nicht nur höchst bedauerlich, sondern auch ärgerlich, wenn eine der größten Klimakonferenzen nur minimale Resultate zustande brächte. Immerhin sprechen Beobachter kirchlicher Hilfswerke von konstruktiven Verhandlungen. Das lässt hoffen.

An eindringlichen Appellen zur Umkehr fehlt es auch diesmal nicht und ebensowenig an der Erkenntnis, dass sich aufgrund der Erderwärmung die Naturkatastrophen bereits jetzt häufen. Die Lage in bestimmten Regionen der Erde wird immer dramatischer, und nur eine Minderheit bezweifelt dies. Doch den letzten Schritt – eine Änderung des eigenen Lebensstils und Konsumverhaltens – vollziehen nur wenige.

Eine moralische Instanz: der Papst

Eine moralische Instanz, die gerade von den Industrieländern eine radikale Umkehr beim Klimaschutz fordert und die daran erinnert, dass Eigentum auch verpflichtet, ist Papst Franziskus. Seine vielbeachtete Umwelt-Enzyklika „Laudato si“ vom Juni 2015 spricht eine klare, unmissverständliche Sprache.

Das Schreiben hat schon vor zwei Jahren eine entscheidende Rolle gespielt, als bei den Klimaverhandlungen in Paris ein Durchbruch erzielt wurde. „Laudato si“ stellt sich auf die Seite der Opfer. Die Enzyklika bleibt aktuell; sie bietet konkrete Anleitungen zum Handeln im internationalen Klimaschutz.

Großes ökumenisches Thema

Der Einsatz dafür könnte zugleich ein großes ökumenisches Thema sein, denn einem gemeinsamen Kampf für die Bewahrung der Schöpfung stehen keinerlei theologische Differenzen im Weg. Daher ist es wünschenswert, dass sich Christen über Konfessionsgrenzen hinweg entschlossen für den Klimaschutz einsetzen.

Wie dringlich das ist, das hat der Papst jüngst auch mit seinem herausragenden Gespür für Symbole in der Öffentlichkeit verdeutlicht: Franziskus empfing die Staats- und Regierungschefs von Pazifikstaaten, deren Inseln schutzlos im Ozean liegen und immer öfter Sturmfluten ausgesetzt sind. Sie spüren die negativen Auswirkungen des Klimawandels ebenso wie die Bewohner der Karibik am eigenen Leib und unmittelbar.