Maria Lampe-Bernholt hört an der Spitze der oldenburgischen Mitarbeitervertretungen auf

Wenn es hakt in der Arbeitswelt der Kirche

Streiken dürfen Mitarbeiter der Kirche nicht. In der kirchlichen Arbeitswelt, der so genannten Dienstgemeinschaft, sollen Konflikte einvernehmlich gelöst werden. Auch wenn es in dieser Dienstgemeinschaft mal hakt und knirscht.

Maria Lampe-Bernholt kennt solche Fälle, als Vertreterin der Mitarbeiter in der oldenburgischen Kirche. Vor drei Jahren etwa hatten sich die Tarifkommissionen der Caritas bundesweit im Grundsatz auf höhere Löhne geeinigt. Bei den Feinheiten gab es Probleme: Wenig verdienende Kräfte und die Altenpflege allgemein sollten ausgeschlossen sein.

Mehr als 1.000 haben demonstriert

Eine Demonstration in Vechta folgte, mehr als tausend Menschen gingen auf die Straße. Maria Lampe-Bernholt hatte sie mit organisiert. Als Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaften der Mitarbeitervertretungen im Oldenburger Land, Sprecherin für gut 15.000 Beschäftigte.

Maria Lampe-Bernholt
Maria Lampe-Bernholt war zwölf Jahre Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaften der Mitarbeitervertretungen im Oldenburger Land, Sprecherin für gut 15.000 Beschäftigte. | Foto: Franz Josef Scheeben

„Ein großes Zeichen der Solidarität“, findet sie im Rückblick, „und erfolgreich“. Am Ende hätten alle Betroffenen den höheren Lohn erhalten.

Keine Lösung auf Kosten der Mitarbeiter

Dabei hat Maria Lampe-Bernholt durchaus Verständnis für die Not von Caritas-Einrichtungen, die unter Kostendruck der privaten Konkurrenz stehen. „In der Pflege regiert oft der Preis statt die Qualität“, fasst sie zusammen. „Aber solche Probleme kann man nicht auf dem Rücken von Mitarbeitern lösen.“

Diese Demonstration sieht sie im Rückblick als Höhepunkt in ihrer Amtszeit, sagt Lampe-Bernholt. Ihre Aufgabe hat sie jetzt abgegeben.

Seit 25 Jahren in der Mitarbeitervertretung

Das kirchliche Arbeitsrecht bündelt die Interessenvertretung der Angestellten in der so genannten MAV, der Mitarbeitervertretung. Maria Lampe-Bernholt gehört seit 1992 zur MAV des Andreaswerks in Vechta. Die 54-jährige Sozialpädagogin arbeitet in dieser Behinderteneinrichtung seit ihrem Studium.

Reibungslos klappt nach ihren Worten der Alltag im kirchlichen Betriebsleben: Jede MAV bekommt Einstellungen und Vertragsveränderungen auf den Tisch, prüft etwa Vergütung und Eingruppierung. Zudem werden sie inzwischen stärker eingebunden bei der Einstellung von Leiharbeitern.

In kurzfristigen Notlagen sei dagegen nichts zu sagen, findet Lampe-Bernholt. „Aber wenn die Verträge länger als sechs Monate dauern und dienstlich nicht mehr notwendig sind, haben wir jetzt offiziell das Recht, Nein zu sagen.“

Enge Zusammenarbeit

In der Dienstgemeinschaft der Kirche hat Maria Lampe-Bernholt auch sehr gute Erfahrungen gemacht. Zum Beispiel bei dem landesweiten Austausch über Kindergärten. Dort saß sie mit den betroffenen Mitarbeitervertretungen, Vertretern der einzelnen Pfarrgemeinden und der bischöflichen Behörde an einem Tisch und sprach über die Lage vor Ort.

Im Rückblick glaubt sie: „Die Fachleute vom Offizialat in Vechta fingen Schritt für Schritt Feuer für diese Form des Kontakts. Denn sie hörten ganz konkret, wo Probleme liegen. Das ist wichtig für ihre Diskussion mit Städten und Gemeinden, wenn es um die Finanzierung geht.“

Mitarbeitervertretungen
Mitarbeitervertretungen sind Betriebsräten ähnlich. Die Kirche darf nach dem Grundgesetz ihr Arbeitsrecht selbst regeln; als so genannter Richtungsbetrieb darf sie besondere Loyalität zu Glaubensvorstellungen fordern. Tarifverhandlungen mit Gewerkschaften gibt es nicht, auch kein Streikrecht und keine Betriebsräte. Stattdessen haben kirchliche Angestellte Mitarbeitervertretungen mit eingeschränkten Rechten. Im Bistum Münster gibt es nach Angaben der bistumsweiten Arbeitsgemeinschaft 632 Mitarbeitervertretungen, die für rund 80.000 Beschäftigte stehen, davon arbeiten nach Angaben der regionalen Arbeitsgemeinschaft 15.000 im oldenburgischen Bistumsteil.