Caritas Ascheberg startet Pilotprojekt zur Beratung

Wenn Menschen mit Behinderung süchtig werden

Das Caritas-Wohnhaus Ascheberg des Kreiscaritasverbands Coesfeld nimmt an dem Projekt „Tandem“ teil, bei dem es sich um Suchtberatung für Menschen mit Behinderung handelt. Das geht aus einer Pressemitteilung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) hervor. Die LWL-Koordinationsstelle Sucht hat sich unter 21 Bewerbern für drei sogenannte Tandems entschieden. Die beiden anderen befinden sich in Bremen und Magdeburg. Den Begriff „Tandem“ hat die LWL-Koordinationsstelle Sucht gewählt, da sich jeweils eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung gemeinsam mit einer Stelle für Suchtberatung bewerben musste.

Beworben hatte sich das Caritas-Wohnhaus aus Ascheberg zusammen mit der Beratungsstelle für Menschen mit Suchtproblemen des Caritasverbandes für den Kreis Coesfeld. In dem Wohnhaus leben Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen oder psychischen Beeinträchtigungen.

Leichterer Zugang zu Suchtmitteln

Durch die fortschreitende Inklusion führten laut LWL immer mehr Menschen mit Behinderung ein selbstbestimmteres Leben. Daraus ergebe sich jedoch das Problem, dass sie auch einen leichteren Zugang zu Suchtmitteln hätten. Dadurch habe sich das Risiko erhöht, süchtig zu werden. Spezielle Hilfsangebote gebe es in Deutschland nur wenige.

Aus diesem Grund hat die LWL-Koordinationsstelle Sucht das vom Bundesministerium für Gesundheit geförderte Projekt „Tandem“ entwickelt. „Um die Hilfen anzubieten, die benötigt werden, ist ein stärkeres Zusammenwirken von Behinderten- und Suchthilfe erforderlich. Hier setzt unser Projekt konkret an“, sagt Birgit Westers, verantwortliche LWL-Jugenddezernentin.

„Wie in einem Ampelsystem“

Das „Tandem-Projekt“ besteht aus drei Hilfe-Instrumenten: „Man kann sich das wie in einem Ampelsystem vorstellen“, sagt Markus Wirtz, Sachbereichsleiter der LWL- Koordinationsstelle Sucht. „Grün: Zuerst kommt ein Fragebogen. Er wird in einem etwa anderthalbstündigen Gespräch erarbeitet.“

Bei diesem Fragebogen werde der Grad der sogenannten Substanzstörung ermittelt: „Der sagt aus, ob die Person überhaupt etwas konsumiert, gegebenenfalls was sie konsumiert, in welchem Umfang es erfolgt und ob es dadurch zu Beeinträchtigungen kommt“, sagt Wirtz.

Therapie oder Prävention

Wird eine Abhängigkeit diagnostiziert, kommt die Maßnahme „Less Booze or Drugs (LboD)“ (Deutsch: „Weniger Saufen oder Drogen“) zum Einsatz: „Das wäre dann die Farbe Rot im Ampelsystem und das therapeutische Element in diesem Projekt. Dabei gibt es zwölf Einzel- und zwölf Gruppensitzungen für die Betroffenen. Besonders ist, dass sich die Beratung an Menschen mit Behinderung richtet.“

Für diejenigen, die nicht abhängig sind, das Risiko zur Sucht aber erhöht ist, gibt es das Präventionsprogramm „Sag Nein“. Es entspricht im Ampelsystem der Farbe Gelb.

Drei Jahre Laufzeit

Die Schulungen in den Einrichtungen starten Anfang April:  „An den drei nun ausgewählten Standorten werden die Fachkräfte in der Anwendung neuer Hilfeangebote geschult und setzen diese an dem Projektstandort gemeinsam um“, sagt Gaby Bruchmann, Leiterin der LWL-Koordinationsstelle Sucht. Zwei der drei Konzepte seien in den Niederlanden bereits erprobt.

Menschen mit Behinderung sollen mitwirken, das Pilotprojekt weiterzuentwickeln. Auch soll eine Online-Datenbank entstehen, die eine Übersicht über Angebote zur Prävention, Beratung und Behandlung für Menschen mit geistiger Behinderung enthält. Die LWL-Koordinationsstelle Sucht leitet das Projekt, das eine dreijährige Laufzeit hat. Die wissenschaftliche Beratung übernimmt die „Gesellschaft für Forschung und Beratung im Gesundheits- und Sozialbereich“ aus Köln.