Hälfte der katholischen Friedhöfe im Bistum Münster in roten Zahlen

Wenn sich die Pfarrei den Friedhof nicht mehr leisten kann

Einen Friedhof zu betreiben kostet Geld: Pflege der Grünflächen, Instandhaltung der Wege, Betriebskosten der Friedhofshalle – um nur einige Kostenpunkte zu nennen. Dem entgegen stehen die Einnahmen durch Gebühren für Grabstätten oder die Nutzung der Friedhofshalle. Doch diese Kosten-Einnahmen-Deckung gerät in eine Schieflage.

„Immer mehr Menschen werden in Urnen beigesetzt“, weiß Dominique Hopfenzitz, der im Bischöflichen Generalvikariat Münster für das Friedhofsrecht zuständig ist. Urnengräber benötigen weniger Platz als Erdgräber. Mit Blick auf dem demografischen Wandel gibt der Jurist außerdem zu bedenken, dass in Zukunft auch die Gesamtzahl der Bestattungen abnehmen wird. Dementsprechend gibt es Leerflächen auf den Friedhöfen, die aber gepflegt werden müssen.

Kein Zuschuss aus Pfarrei-Haushalt

„Bis zu einem gewissen Grad lässt sich das mit einer Anpassung der Gebührenordnung abfangen“, erläutert der Jurist. Aber die Gebühren dürften auch nicht ins Unermessliche steigen. Kommunale Friedhöfe erhielten dann einen Zuschuss aus der Stadtkasse, da die Kommunen verpflichtet sind, Friedhöfe zu unterhalten.

In Pfarreien ist ein Zuschuss aus dem allgemeinen Haushalt nicht so einfach. „In Zeiten der Pastoralpläne müssen sich die Pfarreien mit defizitären Friedhöfen fragen, ob deren Unterhalt zu den pastoralen Schwerpunkten gehört“, erläutert Hopfenzitz.

Kirchenvorstand in der Pflicht

Etwa die Hälfte der rund 230 Friedhöfe in Trägerschaft von Pfarreien im Bistum Münster schreibt rote Zahlen, berichtet der WDR. Doch ganz so dramatisch, wie diese Zahlen vielleicht klingen, sei die Situation nicht, beschwichtigt Hopfenzitz. „Rote Zahlen fangen ja bereits bei wenigen Euro an.“ So stehe ein Großteil der defizitären Friedhöfe zwischen einem und 3.000 Euro im Minus. „Da kann man in der Regel mit einer Anpassung der Gebührenordnung nachsteuern“, erklärt er.

Wenn die Gebührenschraube am Ende ist, gibt es weitere Möglichkeiten, bevor ein Friedhof geschlossen werden muss. Diese zeigen Hopfenzitz und sein Team den Pfarreien auch in einem Programm auf, das seit etwa zwei Jahren läuft. „Verantwortlich für die Umsetzung sind dann aber die Kirchenvorstände.“

Angebote von der Konkurrenz

Baumbestattungen sind in der katholischen Kirche umstritten. Der Gedanke, dem Körper „zurück in die Natur“ zu geben, widerspricht dem christlichen Verständnis von Tod und Auferstehung. | Foto: Michael Bönte
Baumbestattungen sind in der katholischen Kirche umstritten. Der Gedanke, den Körper „zurück in die Natur“ zu geben, widerspricht dem christlichen Verständnis von Tod und Auferstehung. | Foto: Michael Bönte

So würden auf einigen Friedhöfen beispielsweise regelmäßige Gespräche beim gemeinsamen Kaffee angeboten, um den Friedhofsbesuch attraktiver zu gestalten. In anderen Pfarreien übernähmen Ehrenamtliche die Pflege der Grünanlagen. „So etwas steht und fällt aber mit dem ehrenamtlichen Engagement“, gibt Hopfenzitz zu bedenken. Auch die Öffnung der Friedhöfe für Bestattungen anderer Konfessionen oder Religionen könne eine Möglichkeit sein, einem Defizit entgegenzuwirken.

Angebote wie Seebestattungen, das Pressen der Asche zu Diamanten oder das Verstreuen der Asche auf einer Wiese bieten katholische Friedhöfe nicht an. „Wir müssen darauf achten, dass unser christliches Verständnis von Tod und Auferstehung nicht aus den Augen gerät“, erläutert Hopfenzitz. Auch dadurch verliere die Kirche Bestattungen an die Konkurrenz.

Wenn die Kommune übernimmt

Mit Blick auf die lange umstrittenen Friedwälder und die damit zusammenhängende steigende Nachfrage an Baumbestattungen sei man aber mittlerweile konkurrenzfähig. So hätten bereits Pfarreien am Friedhof angrenzende Baumbestände gemietet oder auch neue Bäume auf dem Friedhofsgelände gepflanzt.

Wenn diese Maßnahmen nicht möglich sind oder sich das Defizit nicht beseitigen lässt, sei die Kommune erster Ansprechpartner. Sie ist verpflichtet, Bestattungsmöglichkeiten vorzuhalten. Dabei sehen die Verträge dann aber vor, „den christlichen Charakter des Friedhofs zu erhalten“, sagt der Jurist. So könne die Kommune dann beispielsweise nicht ein Wegkreuz abbauen.

Friedhofsschließung kostet 800.000 Euro

Und wenn die Kommune selbst ausreichend Friedhofsflächen hat? „Die Schließung eines Friedhofs ist der schlechteste Fall“, sagt Hopfenzitz. Und auch nicht ohne weiteres möglich. So habe die Pfarrei die Verkehrssicherungspflicht des Friedhofs für 30 Jahre nach der letzten Bestattung. Das ist laut Hopfenzitz bei einem mittelgroßen Friedhof mit Kosten von rund 800.000 Euro verbunden.