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Themenwoche "Die Lage in katholischen Krankenhäusern" (3)

Wenn sie kommen, kann es Tränen geben - Alltag einer Klinik-Seelsorgerin

  • Elisabeth Frenke ist Seelsorgerin am St.-Franziskus-Hospital in Münster.
  • Sie wird immer wieder gerufen, wenn Pflegekräfte, Ärzte und Patienten an Grenzen stoßen.
  • Dabei wirke sich der franziskanische Geist positiv auf den stressigen Alltag aus.
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„Die Anfragen von den Pflegefachkräften sind schon mehr geworden“, sagt Elisabeth Frenke. „Aber es ist jetzt nicht so, dass die mir die Tür einrennen. Dafür haben die einfach keine Zeit mehr.“ Die Theologin ist katholische Seelsorgerin am St.-Franziskus-Hospital in Münster. Gemeinsam mit ihren fünf Kollegen besucht sie die Patientinnen und Patienten auf den Stationen, führt Gespräche, nimmt sich Zeit. Die 55-Jährige ist vor allem in der Gynäkologie und auf den Kinderstationen im Einsatz.

Seit sie vor fünf Jahren ihren Dienst in dem katholischen Haus angetreten hat, habe sich viel verändert. „Der Pflegenotstand ist ja nichts Neues“, erzählt Frenke. Der Begriff „Pflegenotstand“ entstand in der 1970er Jahren als Folge der Ausweitung der Krankenhäuser und der Altenpflege. „Was sich aber verändert hat, ist die Stimmung im Team. Viele sind unzufrieden, überlastet und haben das Gefühl, den Patientinnen und Patienten auf den Stationen nicht mehr gerecht zu werden.“ Die Corona-Pandemie habe die Situation nochmal verschärft. „Früher haben wir uns intensiver über Patienten ausgetauscht. Dafür ist kaum noch Zeit. Jetzt sehe ich die Pflegekräfte immer nur rennen.“

Pflegeteam kommt an seine Grenzen

Und wenn eine oder einer dann doch den Weg zu der Krankenhaus-Seelsorgerin findet, „dann setzen die sich hin und fangen an zu weinen.“ Dabei würden die Mitarbeitenden der Pflege immer noch gerne „im Franziskus“ arbeiten. „Wir haben hier ein tolles Team. Aber das kommt gerade an seine Grenzen“, betont Frenke. Weil alle weniger Zeit für sich selbst hätten, es kaum noch Phasen der Erholung gäbe. Das bekämen auch die Patienten mit. „Zeit für Zwischenmenschliches, das Gespräch zwischen Tür und Angel geht verloren“, bedauert sie.  

Zuhören, bestärken, ernst nehmen: das hat sich Frenke auf ihre seelsorgerische Fahne geschrieben. „Wenn ich über die Stationen gehe, habe ich ein offenes Ohr für alle und nehme wahr, wie die Stimmung im Team, aber auch bei jedem einzelnen ist.“ Sie versucht, Zeit-Räume zu schaffen. „Gespräche können Entlastung bringen.“ Auch wenn diese die Situation nicht ändern könnten, „bewirkt allein Tatsache, dass darüber geredet wird, Erleichterung“, ist sie sich sicher. Der Spruch „sich etwas von der Seele reden“, käme ja nicht von ungefähr.

Ängste und Sorgen sind spürbar

Gesprächsbedarf bestünde sowohl beim Pflegepersonal als auch bei den Ärzten. „Alle sind täglich persönlichen Grenzerfahrungen und Belastungen ausgesetzt.“ Dazu kämen die eigenen Sorgen, Ängste und die allgemeine Verunsicherung angesichts von Klimakrise, explodierenden Energie- und Lebenshaltungskosten, dem Krieg in der Ukraine. „Das macht ja an der Krankenhaustür nicht halt. In diesen existentiellen Momenten gilt es, präsent und ansprechbar zu sein.“

„Ich werde ja immer gerufen, wenn gerade nicht alles in Ordnung ist. Meistens, wenn das Kind im Bauch tot ist.“ Was für die Eltern ein unglaublicher Schicksalsschlag ist, geht auch an den Pflegekräften und Ärzten nicht spurlos vorüber. „Das macht was mit denen. Und dann bin ich da, höre zu, spende Trost.“ In solchen Momenten werde ihr immer wieder gesagt, dass viele sich bewusst für eine Arbeit in diesem Haus entschieden hätten.

Familiäre Atmosphäre hilft bei Hektik im Alltag

Denn im Franziskus-Hospital herrsche ein spezieller Geist. „Man grüßt sich hier, wenn man sich auf dem Gang begegnet.“ Auf den ersten Blick wirkt das recht banal. „Aber damit fängt es an: den einzelnen in den Blick zu nehmen, kurz zu signalisieren, ich habe dich gesehen. Das stärkt, oft unbewusst, das Team.“ Und eben das sei der franziskanische Geist. „Das sind Soft Skills, die auf den ersten Blick in der Hektik des Alltags untergehen“, sagt Frenke. Und doch fallen sie auf. „Neue Mitarbeiter sagen, dass hier eine ganz andere, positive, familiäre Atmosphäre herrscht“, freut sich die Krankenhaus-Seelsorgerin. Ein Umstand, der die harte Arbeit erträglich erscheinen lässt.

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