Kirche+Leben Lexikon

Wer war Johannes Poggenburg?

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In die Amtszeit von Bischof Johannes Poggenburg fällt das Preußische Konkordat aus dem Jahr 1929 – und damit weit reichende kirchenpolitische Änderungen. Um das Erzbistum Köln zu entlasten, war die Wiedereinrichtung des Bistums Aachen vorgesehen. Das Bistum Münster sollte daher einen Teil der linksrheinischen Gebiete abgeben. Bischof Poggenburg widersprach diesem Plan und forderte stattdessen – ebenso wie der Klerus am Niederrhein – ein niederrheinisches Bistum mit Sitz in Xanten, wo es ja bereits einen Dom gab.

Mit dieser Forderung konnte er sich jedoch nicht durchsetzen. Auch seine Bemühungen, als Gegengewicht zur bevorstehenden Erhebung des Bistums Paderborn zum Erzbistum eine norddeutsche Kirchenprovinz Münster mit Osnabrück einzurichten, scheiterten. Dagegen konnte Poggenburg Versuche, den Offizialatsbezirk Oldenburg dem Bistum Osnabrück anzugliedern, gemeinsam mit dem Vechtaer Offizial Meyer mit dem Hinweis auf die historische Rechtslage abwehren.

Der am 12. Mai 1862 geborene Poggenburg stammte aus einer alteingesessenen Bauernfamilie in Ostbevern. Nach dem Abitur studierte er in Münster Theologie und wurde am 15. Juni 1889 zum Priester geweiht. Sein erstes Einsatzfeld war in Bocholt, einer Stadt mit aufstrebender Textilindus­trie. Richtungsweisend für Poggenburgs soziale und pastorale Bildungsarbeit war die Sozialenzyklika von Papst Leo XIII.. Im Gesellenverein engagierte sich Poggenburg für die jungen Kolpingssöhne. 1898 wurde er Pfarrrektor in der Bergarbeitergemeinde Duisburg-Untermeiderich. Da er sowohl in Bocholt als auch in Duisburg große Erfolge in der Jugendarbeit hatte, wurde er 1902 zum Diözesanpräses der Jugendvereine ernannt.

1911 erfolgte seine Berufung ins Domkapitel. Der damalige Bischof Felix von Hartmann ernannte ihn zu seinem Generalvikar. Am 7. Mai 1913 wurde Poggenburg zum Bischof von Münster gewählt. Die Amtseinführung erfolgte am 16. Oktober 1913. Sein Wahlspruch lautete „Crux Christi nostra Salus – Das Kreuz Christi ist unser Heil“. Der Beginn von Poggenburgs Amtszeit fällt mit dem Ersten Weltkrieg zusammen. Auf seinen Firmungs- und Visitationsreisen zeigte der Bischof Mitgefühl mit den vom Krieg betroffenen Menschen und spendete ihnen Trost. Wie sein Vorgänger war er um das katholische Vereinsleben und den Ausbau der Pfarrstruktur bemüht. 1924 veranstaltete er eine Diözesansynode, auf der er mit den Priestern des Bistums zeitgemäße Richtlinien der Seelsorge beschloss.

Poggenburg war ein beliebter Volksbischof. In den Straßen von Münster begrüßten ihn die Kinder, und wenn er in einer vierspännigen Kutsche auf Firmungsreisen im Münsterland unterwegs war, begleiteten ihn Radfahrer und Reiter zum Ziel. Die Katholiken im Münsterland, aber auch am Niederrhein und in Oldenburg, verehrten ihren Bischof, die Armen ihren Wohltäter. Während der schweren Wirtschaftskrise in Deutschland rief er die Katholiken wiederholt zu Hilfsaktionen für Mitmenschen auf. „In einer Zeit großer wirtschaftlicher Not, in einer Zeit der Arbeitslosigkeit und vielfach drückender Armut (...) ist das Almosengeben nicht nur ein Rat, sondern eine gebieterische Pflicht“, schrieb er in seinem Hirtenbrief aus dem Jahr 1930. Im Schreiben aus dem folgenden Jahr bemängelt er, dass es in manchen Kreisen des Volks am „echten Gemeinschaftsgeist“ fehle: „Heute sollte überall die Mahnung des Apostels gelten: Einer trage des anderen Last; so erfüllt ihr das Gesetz Christi.“

1930 verlieh ihm der Papst den Titel des Erzbischofs von Nicopsis, was einen großen Beifallssturm der katholischen Bevölkerung auslöste. Bischof Johannes Poggenburg starb am 5. Januar 1933.