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Der Westfälische Friedenspreis in Münster für die Nato – darüber gerät aus dem Blick, dass auch eine katholische Jugendbewegung ausgezeichnet wird.
Helmut Schmidt hat ihn, König Abdullah II. von Jordanien, die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen und ab dem morgigen Donnerstag, 1. Oktober, auch die Nato – den Internationalen Preis des Westfälischen Friedens. Auch die Sternsinger haben ihn, der Ring deutscher Pfadfinderverbände, „Aktion Sühnezeichen“ - hinzu kommt morgen die Jugendbewegung „Socio Movens – Giving Europe a Soul“. Was steckt hinter der kirchlichen Bewegung mit dem lateinischen Namen, der sich in etwa mit „gemeinsam bewegen“ übersetzen lässt?
„Jugendliche müssen vor Ort erfahren, dass sie die Gesellschaft voranbringen können“, erläutert Raphael Röwekamp die Idee hinter der Bewegung. Röwekamp ist stellvertretender Vorsitzender der 2022 gegründeten gleichnamigen Stiftung und war selbst mehrfach in verschiedenen Ländern Osteuropas Teilnehmer an Jugendprojektwochen, dem Herzstück von „Socio Movens“.
Jugendprojekte in Osteuropa
Aktuell führt die Bewegung Projekte in Polen, Litauen, der Slowakei, Ungarn, Kroatien und Rumänien durch. In der Vergangenheit zählte auch die Ukraine dazu. Aufgrund des russischen Angriffskriegs konnten laut Röwekamp seit 2021 dort keine Projekte mehr umgesetzt werden.
Die Anfänge von „Socio Movens“ liegen im Jahr 2013. Damals fanden die ersten beiden Projektwochen in Osteuropa statt. 2014 folgte die Gründung des Vereins „Socio Movens“, seit 2022 gibt es die Stiftung.
Engagierte Jugendliche zusammenbringen
Neben den Projektwochen gebe es immer wieder größere Begegnungstreffen mit rund 120 Jugendlichen, so Röwekamp. In diesem Jahr fand eines in der Slowakei statt.
Ziel der Festivals sei es, Jugendliche zusammenzubringen, um Erfahrungen zu teilen. Sie erlebten: „Hey, wir sind mit unserer Erfahrung, dass es soziale Herausforderungen gibt, nicht allein – und auch nicht damit, etwas dagegen zu tun“, sagt Röwekamp.
„Sehr gemischte Gruppen“
Der Austausch sei wichtig, um gestärkt vor Ort etwas zu bewegen. Das funktioniere nur über konkrete Projekte, nicht mit Geldern aus der „Gießkanne“. Der Stiftungsvorstand hebt auch Möglichkeiten hervor, die das von der EU finanzierte Programm Erasmus+ biete, etwa zur Förderung von Partnerschaften und Kooperationsprojekten.
Die Gruppen seien sehr gemischt, von privilegierten Kindern bis zu Jungen und Mädchen am Rand der Gesellschaft, weiß Röwekamp durch die Teilnahme an mehreren Aktionen. Besonders in Erinnerung geblieben sind ihm die abendlichen Reflexionsrunden, nachdem die Gruppe den Tag über im sozialen Einsatz war, etwa in einem Pflegeheim. Dass die Jugendlichen ihre Erfahrungen teilen und einander zuhören können, sei etwas Besonderes. Solche Räume gebe es zu selten.
Kritik am Preis für die Nato
Am Ende einer Projektwoche gebe es immer wieder Jugendliche, die motiviert seien, sich dauerhaft zu engagieren. Das sei eine Erfahrung, die Kirche und Gesellschaft unbedingt bräuchten: „Hier ist etwas angestoßen, hier ist ein Stein ins Rollen gebracht worden.“
Etwas überschattet wird die Verleihung des Friedenspreises 2026 durch die Kritik an der Auszeichnung für die Nato. Damit würdige man „eine Institution, die in einer Zeit globaler Unsicherheit Verlässlichkeit schafft, Partnerschaft fördert und Frieden durch Stabilität ermöglicht“, sagte der Vorsitzende der den Preis vergebenden Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe, Reinhard Zinkann, im vergangenen Jahr bei der Bekanntgabe.
„Alternativer Friedenpreis“ verliehen
Das blieb in Münster nicht ohne Reaktion. Ein neu gegründeter Verein verlieh den „Alternativen Westfälischen Friedenspreis“ an den Verein Connection, der sich seit vielen Jahren für Kriegsdienstverweigernde, Deserteure und das Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung einsetzt.
Den traditionellen, seit 1998 verliehenen Friedenspreis erhalten am 1. Oktober im Rathaus des Westfälischen Friedens in Münster nun die Nato, vertreten durch Generalsekretär Mark Rutte, und „Socio Movens“. Laudatoren werden Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Kurienkardinal Michael Czerny sein.