Kommissare bestätigt – Amtsantritt am 1. Dezember

Wie christlich ist die EU-Kommission unter Ursula von der Leyen?

Das Europaparlament hat der neuen EU-Kommission grünes Licht gegeben. 461 Abgeordneten stimmten für diese, 157 dagegen, 89 enthielten sich. Damit wird Ursula von der Leyen (61, CDU) am 1. Dezember das Amt der EU-Kommissionspräsidentin übernehmen – als erste Frau überhaupt. Aus Deutschland stammte vor ihr nur ein Kommissions-Chef: Walter Hallstein (CDU), der von 1958 bis 1967 amtierte.

Die Kommission hat 26 Mitglieder, Großbritannien entsendet vorerst niemanden. Drei Exekutiv-Vizepräsidenten haben eine herausgehobene Position: Frans Timmermans (58) aus den Niederlanden, Margrethe Vestager (51) aus Dänemark und Valdis Dombrovskis (48) aus Lettland. Während sich Vestager um Digitalisierung kümmert, ist Dombrovskis für Wirtschaftsfragen verantwortlich und Timmermans für den „Grünen Deal“, also für nachhaltige Entwicklung, Klimaschutz und verwandte Bereiche.

Mehrere bekennende Christen

Ursula von der Leyen ist protestantische Christin. Ältere in Brüssel erinnern sich, wie sie in jungen Jahren sonntags die deutsche evangelische Gemeinde besuchte. Auch unter den anderen Kommissaren sind bekennende Christen. Italiens Ex-Ministerpräsident Paolo Gentiloni (65) besuchte eine Montessori-Schule und wurde katholisch erzogen. Die Dänin Vestager ist protestantische Pastorentochter. Der niederländische katholische Sozialdemokrat Timmermans pocht auf christliche Werte.

Die neue Kommissionspräsidentin ist überzeugte Europäerin, quasi von Geburt an. Sie kam 1958 in Brüssel zur Welt und wuchs zweisprachig auf. Seinerzeit arbeitete ihr Vater Ernst Albrecht, der spätere CDU-Ministerpräsident Niedersachsens, für die im Aufbau befindliche Europäische Gemeinschaft. Von der Leyen ist auch Mitglied der überparteilichen Europa-Union Deutschland (EUD), die sich für ein föderales Europa einsetzt.

Was prägt Ursula von der Leyen?

Die 61-Jährige wuchs in einem protestantisch geprägten Elternhaus auf und ist Mitglied der evangelisch-lutherischen Kirche. 1978 spielte Familie Albrecht auf einer Wohltätigkeitssingle öffentlichkeitswirksam das Volkslied „Wohl auf in Gottes schöne Welt“ ein. Ursula von der Leyen ordnete später eine Karriere als Ärztin ihrer wachsenden Kinderzahl und familiären Aufgaben unter.

2003 zog die CDU-Frau in den niedersächsischen Landtag ein und wurde Ministerin für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit. Seit 2005 gehörte sie jedem Bundeskabinett von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) an und leitete verschiedene Ministerien. Von der Leyen ist Mutter von sieben Kindern.

Overbeck: Kommission ist gut aufgestellt

Der Vizepräsident der EU-Bischofskommission COMECE, Bischof Franz-Josef Overbeck, kennt sie noch aus Berlin. Als Militärbischof traf er die frühere Verteidigungsministerin regelmäßig. Overbeck hält die neue Kommission mit ihren Prioritäten für „prinzipiell gut aufgestellt“. Mit Schöpfungsverantwortung, Digitalität sowie Wirtschaft und Soziales decke sie drei für die Kirche prioritäre Bereiche ab.