Nuria Hansen und Simone Faßnacht besuchen Kinder im Marienhospital Herne

Wie Clowns kleine Klinikpatienten zum Lachen bringen

Die Besucherinnen, die an diesem Vormittag leise an die Tür von Lukas' Krankenzimmer klopfen, fallen auf. Nicht allzusehr, aber immerhin: Sie haben bunte Hüte auf dem Kopf, rot geschminkte Wangen und Nasen. Geblümtes Kleid über gepunkteten Leggings. Eine rote Rose aus Krepppapier auf gelben Schuhen. Alles ist ein bisschen bunter als gewöhnlich. Nein, gewöhnliche Besucher sind Nuria Hansen und Simone Faßnacht nicht.

„Herein“, fordert eine leise Stimme von innen die bunten Gestalten auf – Lukas' Vater. Vor einer halben Stunde sind die beiden schon einmal im Zimmer des siebenjährigen Jungen gewesen. In einem kurzen Rollenspiel haben sie Lukas erklärt, dass sie – o je! – heute morgen beide das Duschen vergessen haben. Jetzt greifen sie den Faden wieder auf: „Wir sind geduscht – was riechen wir jetzt gut!“, säuseln die Besucherinnen und legen dazu gleich ein paar übermütige Tanzschritte ein. „Was haben wir es uns im Bad gemütlich gemacht! So tolle Seife! So viele Seifenblasen! Wir wollten gar nicht mehr aufhören!“

„Jedes Lächeln ist wichtig“

Die Seifenblasen haben sie gleich mitgebracht. Nuria Hansen pustet einen kleinen Schwarm über Lukas' Bett. Lukas pustet mit. Er sagt nichts. Aber ein Lächeln huscht über das Gesicht des kranken Jungen. „Für Kinder ist es im Krankenhaus langweilig, vor allem, wenn sie länger bleiben müssen“, sagt Lukas' Vater. „Da ist jedes Lächeln wichtig.“

Stiftung „Humor hilft heilen“
Die Stiftung „Humor hilft heilen“ trägt dazu bei, professionell ausgebildete Clowns in Kliniken und Pflegeheimen zu etablieren. Sie fördert die stetige Fortbildung von Klinikclowns und initiiert Humor-Schulungen für Ärzte und Pflegekräfte. Ein weiteres Ziel ist die wissenschaftliche Erforschung des Lachens. Mehr dazu unter www.humor-hilft-heilen.de

Genau das ist das Anliegen der beiden Clowninnen, die jeden Freitagvormittag in der Kinderklinik des Marienkrankenhauses in Herne unterwegs sind. Sie versuchen, die kleinen Patienten aufzuheitern, ihnen Angst und Langeweile zu nehmen – wenn auch nur für einen kleinen Moment.

Doch solche Momente sind wichtig. Es können geradezu heilsame Augenblicke sein. Die vom Fernseh-Arzt Eckart von Hirschhausen gegründete Stiftung „Humor hilft heilen“ verweist auf wissenschaftliche Studien, die belegen, dass der Volksmund Recht hat: Lachen ist gesund!

Clowns sind eine feste Institution

„Humor ist immer heilsam“, bestätigt Schwester Anja Kötter, die seit 28 Jahren die kinderchirurgische Station leitet. Sie ist überzeugt, dass die beiden Clowninnen eine wichtige Rolle bei der Genesung der kleinen Patienten spielen. „Die Resonanz ist supergut“, sagt sie überzeugt. „Die beiden sind hier eine feste Institution.“

Mit kleinen Rollenspielen vertreiben Nuria Hansen (links) und Simone Faßnacht Lukas die Langeweile. Mit kleinen Rollenspielen vertreiben Nuria Hansen (links) und Simone Faßnacht Lukas die Langeweile. | Foto: Annette Saal

Die Wertschätzung zeigt sich nicht zuletzt darin, dass die Klinik seit zwei Jahren die Bezahlung der beiden Clowninnen übernommen hat – zuvor finanzierte sich die Arbeit aus Mitteln der Stiftung „Humor hilft heilen“ und Spenden.

Seit zwölf Jahren arbeiten die Clowninnen am Marienhospital. Einige Kinder, die freitags entlassen würden, warteten sogar noch ihren Besuch ab, bevor sie die Klinik verließen, sagt die Stationsleiterin. Andere verhielten sich zunächst abwartend. „Sie wollen sich überzeugen lassen – was auch gelingt.“

Distanz wahren

Die Clowninnen drängen sich nicht auf. Auch wenn sie bei ihrer Runde über die Gänge spüren, dass es irgendwo nicht passt, ziehen sie sich zurück. Sensibilität ist ohnehin das A und O. Es ist ein zurückhaltendes Spiel, bei dem das Gespür für das Gegenüber über den weiteren Verlauf entscheidet.

„Wir lachen viel privat miteinander, wir können aber auch ernst“, sagt Simone Faßnacht. Zur Professionalität gehört  auch, eine gewisse Distanz zu wahren und „nicht alles, was wir im Krankenhaus erleben, mit nach Hause zu nehmen“, sagt sie. Und zu akzeptieren, dass es Situationen gibt, wo auch die Clowninnen nichts ausrichten können.

Begegnung statt Applaus

Wo es aber möglich ist, treiben die beiden Frauen ihr heiteres Spiel – ein anderes als das, wie es im Zirkus geschieht. „Der Zirkusclown spielt eine Fertignummer. Es geht um ihn selbst, er will Applaus. Bei uns steht die Begegnung mit Menschen obenan.“
Und die wirkt nach. Manchmal lassen Nuria Hansen und Simone Faßnacht rote Nasen für die Kinder zurück, die diese immer wieder tragen. Auf jeden Fall bleibt die Erinnerung an ein Lachen, an einen Augenblick, in dem die Krankheit nicht das Wichtigste war.