Coesfelder Pastoralreferent über Stencil-Art und die Kunst der Nachfolge

Wie Daniel Gewand den Jugendkreuzweg mitgestaltet hat

Pastoralreferent Daniel Gewand (links) mit dem Stencil-Künstler Mika Springwald. Gemeinsam haben sie an der Vorbereitung des Ökumenischen Kreuzwegs der Jugend 2017 mitgearbeitet.
Pastoralreferent Daniel Gewand (links) mit dem Stencil-Künstler Mika Springwald. Gemeinsam haben sie an der Vorbereitung des Ökumenischen Kreuzwegs der Jugend 2017 mitgearbeitet.Foto: Jürgen Flatken

Daniel Gewand ist Pastoralreferent in Coesfeld. Im Interview verrät er, was den ökumenischen Jugendkreuzweg 2017 so besonders macht und warum Jugendliche in der Kirche unterschätzt werden.

Kirche+Leben: Kreuzweg Jesu und Stencil-Art – passt das?

Daniel Gewand: Ja, Stencil-Art ist Kunst der Straßen und Straße ist Alltag. Der Kreuzweg muss im Alltag eine Bedeutung haben und nicht nur am Karfreitag oder Palmsonntag. Der Kreuzweg Jesus Art ist im besten Sinn prophetisch und zutiefst jesuanisch. Er ist eine Schablone, die jede und jeder individuell und passend gestalten kann. Genau wie den Glauben an den, um den es beim Kreuzweg geht: Jesus und seine Art zu handeln, zu leben und zu sterben.

Was macht den besonderen Reiz des Stencil für den Kreuzweg aus?

Zwei Gründe: Zum einen ist Stencil eine moderne, ästhetische und auch politische Kunstform, die jungen Erwachsenen eher zusagt, als die Kunst, die wir bisher oft bei unseren Kreuzwegen verwendet haben. Und zum anderen ist Stencil-Art ja Kunst mit Schablonen: das heißt, es gibt eine Vorlage, und trotzdem ist jedes Kunstwerk einzigartig. Das gilt auch für mein Leben als Christ: Ich habe von Jesus eine Schablone bekommen. Die soll ich aber nicht einfach nur kopieren. Im Gegenteil. Die sprühe ich durch mein Leben, wie es in meinen Kräften liegt. Einzigartig halt. Wenn ich den Kreuzweg bete, geht es darum nachzuvollziehen, was Jesus für mich getan hat und wie ich das in meinem Leben nachleben kann. Es geht um die Kunst der Nachfolge. Die Bilder des Kreuzwegs 2017 zeigen mir auf drastische Art, wo und wie ich als Christ herausgefordert bin, so zu handeln, wie Jesus es uns vorgelebt hat.

Ökumenischer Kreuzweg der Jugend
Entstanden ist das Konzept eines Jugendkreuzwegs 1958 mitten im Kalten Krieg als eine katholische Idee, um eine Gebetsbrücke zwischen Ost- und Westdeutschland zu bauen. Jährlich nehmen bis zu 60.000 Menschen an der Aktion teil, seit Mitte der Siebzigerjahre ist sie ökumenisch. Die von Mika Springwald gestalteten Bilder sind in diesem Jahr der Kern des Kreuzwegs und stellen als Plakate die Stationen dar. Ein achtköpfiges Redaktionsteam entwickelte dazu Texte, Gebete und Aktionen. Träger des Jugendkreuzwegs sind die Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz, der Bund der Katholischen Jugend und der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland.

Wie kommt ein Typ wie Sie dazu, im Redaktionsteam des ökumenischen Jugendkreuzwegs mitzuarbeiten? Das ist jetzt nicht das Erste, was mir einfallen würde, wenn ich mir Sie so anschaue.

(lacht) Der Bundesvorstand des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) hat mich vor fünf Jahren in das Redaktionsteam berufen. Ich hatte da Bock drauf und habe die Aufgabe gerne angenommen. Es reizt mich als Christ, Theologe und Pastoralreferent, darüber nachzudenken, wie ich die Grundbotschaft unseres Glaubens von Leben, Sterben und Auferstehung Jesu in unsere Zeit übersetzen kann, vor allem für Jugendliche und junge Erwachsene. Außerdem finde ich es klasse, dass wir im Redaktionsteam ökumenisch unterwegs sind: Beim Jugendkreuzweg müssen wir uns nicht die Frage stellen, wo die unsere konfessionellen Grenzen sind, sondern was wir als Christen 2017 über den Kreuzweg Jesu denken.

Was machen Sie im Redaktionsteam?

Kurz gesagt: Bilder auszuwählen, Texte schreiben, Musik und Filmkonzepte entwickeln und deren Umsetzung begleiten. Mein Anliegen ist neben anderem die Sprache. Deswegen haben wir in den vergangenen Jahren verstärkt die Sprache der Texte und Gebete explizit auf die Sprache der Jugendlichen ausgerichtet. Und ich finde, dass ist uns bei Jesus Art deshalb besonders gelungen, weil wir Jugendliche in den Entstehungsprozess mit einbezogen haben. Denn der Kreuzweg ist nicht für, sondern vor allem von Jugendlichen und jungen Erwachsenen gestaltet.

Die Bilder basieren auf einem Firmkonzept der Pfarrgemeinde St. Maria Magdalena in Geldern am Niederrhein. Dort haben Jugendliche in der Karwoche 2015 zusammen mit dem Osnabrücker Künstler Mika Springwald den Kreuzweg entwickelt und gesprayt… ein weiterer, verzweifelter Versuch, Jugendliche für Kirche zu begeistern?

Nein! Keine Verzweiflung. Und auch keine Werbemaßnahme für die Kirche. Es geht einfach darum, Jugendliche für Jesus zu begeistern und ihnen anzubieten, mit ihm eine neue Dimension des Lebens zu entdecken. Mit Mika Springwald haben die Verantwortlichen in Geldern einen Künstler gewonnen, der genau das geschafft hat: Jugendliche haben sich mit dem eigenen Leben und dem Leben Jesu auseinandergesetzt und es dann kreativ in Bildsprache umgesetzt. Mit dem Ergebnis, dass bei Jesus-Art Jugendliche die Botschaft Jesu verkünden.

Mehr Informationen: www.jugendkreuzweg-online.de