Lange Tradition aus Kirmes, Prozession und Gottesdienst

Wie das Krüßingfest am 3. Mai in Freckenhorst gefeiert wird

„In diesem Jahr wird es nur ein gekreuztes Krüßingfest geben.“ Pfarrdechant Manfred Krampe mag dieses Wortspiel. Normalerweise feiern Gemeinde und Bürger rund eine Woche um den Festtag des Freckenhorster Stiftkreuzes am 3. Mai. Doch was ist schon normal in Corona-Zeiten?

Neben Gottesdiensten in der Stiftskirche St. Bonifatius Warendorf-Freckenhorst und Prozessionen gehören traditionell die Kirmes, der Kunstmarkt, das Theater dazu. Fast alles fällt aus, und auch bei der Gestaltung der liturgischen Feiern muss Krampe auf Sicht fahren. Die Planungen sind in den letzten Tagen mehrfach umgeworfen worden.

Einsamer Gang mit Extra-Segen am Altenheim

Auf den Gottesdienst und die Prozession am 3. Mai soll aber nicht verzichtet werden. Am Sonntagmorgen wird der Pfarrer ab 8.30 Uhr das steinerne Kreuz den traditionellen Prozessionsweg entlang tragen. „Mit kleinen Abweichungen, um einen Handsegen bei den Seniorenheimen zu spenden“, sagt er. „Die alten Menschen sind ja am ärgsten von Corona betroffen.“

Sein evangelischer Amtsbruder Stefan Döhner wird ihn mit der Bibel begleiten. Seit dem Lutherjahr 2017 stehen sie zusammen der Prozession vor. Auf Ministranten und andere Teilnehmer müssen die beiden Priester aber in diesem Jahr verzichten. Sie werden einsam den Weg gehen. „Wenn jemand im Garten oder am Straßenrand stehen sollte, freue ich mich“, sagt Krampe.

Limburger Bischof Georg Bätzing kommt nicht

Um 10.30 Uhr schließt sich in St. Bonifatius das Festamt an. Die Teilnehmer müssen sich dazu vorher im Pfarrbüro anmelden. „Es wird eine Liste und einen Ordnungsdienst geben, der die Plätze angemessen verteilt“, sagt Krampe. Er rechnet mit 85 Gottesdienstbesuchern, das Gotteshaus nehme sonst 300 bis 400 Gläubige auf. Für alle, die nicht persönlich an diesem Gottesdienst teilnehmen können oder wollen, wird es erneut eine Live-Übertragung auf der Homepage der Pfarrei geben: www.bonifatius-lambertus.de.

Eigentlich wollte der Limburger Bischof Georg Bätzing die Festpredigt halten. Doch auch dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz sei nicht wohl dabei. „Er will jetzt 2022 oder 2023 zum Krüßingfest nach Freckenhorst kommen“, sagt Krampe. „Verschoben ist nicht aufgehoben.“ Zur Eröffnung der Wallfahrtssaison in Kevelaer am 1. Mai wird Bätzing gleichwohl erwartet.

Krampe plante eine ganztägige Alternativ-Prozession

Als noch nicht klar war, ob die Kirchen ihre Türen überhaupt für Gottesdienste öffnen dürfen, hatten Krampe und sein evangelischer Amtskollege auch über Alternativen nachgedacht. Die Idee war, dass Stiftskreuz durch sämtliche Straßen Freckenhorst zu tragen. „Ausgenommen die Stichstraßen. Ich habe mir dazu sogar einen Plan gemacht und ausgerechnet, dass wir – nur unterbrochen durch eine Mittagspause - den ganzen Tag von 8.30 Uhr bis 18 Uhr brauchen würden“, erklärt der Pfarrdechant.

Jetzt, da in den Kirchen wieder unter strengen Vorgaben Gottesdienst gefeiert werden kann, habe er sich doch für die Feier in der Kirche entschieden. Doch noch auf mehr müssen die Freckenhorster verzichten: Auf das Kirchenkonzert am Sonntagnachmittag, die Festandacht am Sonntagabend, auf die Krankensalbungsgmesse am Montag, auf den Vortrag von Andrea Nahles in der Landvolkshochschule.

Kostbare Kreuzreliquie

Ob es am 8. Mai zum üblichen Ende der ausgefallenen Krüßing-Woche noch die traditionelle Abschlussprozession geben wird, vermag der Pfarrer auch nicht zu sagen. Dennoch tun sich ein paar kleine Nischen auf: So gibt die Pfarrei Texte für eine persönliche Hausandacht heraus. Und am 3. Mai wird das Kreuz den ganzen Tag für das persönliche Gebet in der Stiftskirche stehen. Denn seine Verehrung hat in Freckenhorst eine besondere Bedeutung, erklärt Krampe.

Die erste Äbtissin Thiatildis habe sie bereits um 850 gepflegt. Das im Mittelalter gefertigte Steinkreuz sei im letzten Jahrhundert mit Silber ummantelt worden. Die Besonderheit sei aber der 1763 gefertigte Fuß, der hinter einem Bergkristall eine 1743 aus Rom beschaffte kostbare Kreuzreliquie birgt. Am 3. Mai feiert die katholische Kirche das Fest der Kreuzauffindung. Der Überlieferung nach soll Kaiserin Helena, die Mutter des zum Christentum konvertierten römischen Kaisers Konstantin, das Kreuz Christi 326 gefunden haben.