Falsche Nonnen und ein frommer Eulenspiegel

Wie die Kirche im Karneval mitmischt

Die Stimmung der „Halt-Pölje-Sitzung“ klettert auf den Höhepunkt, als die Jecken „Seine Eminenz“, den früheren Grundschulrektor Heinz Roters, mit stehendem Beifall im Xantener Schützenhaus begrüßen. Mit einem breiten Pinsel „segnet“ er sein Publikum. In diesem Jahr hat Roters das Birett gegen einen Fahrradhelm getauscht und trägt zwei Verkehrsschilder mit den Motiven Auto und Fahrrad mit sich. Schon jetzt wird allen klar: Heinz Roters spießt wieder kirchliche und kommunalpolitische Ereignisse auf.

„Es genügt, ein Schild zu sehen und schon voll am Rad zu drehen“, ruft Roters der Narrenschar entgegen und erinnert an die Diskussion um die Fahrradstraße auf dem Deich. Roters stellt fest, dass nur bei „Halt-Pölje“ das närrische Update zu haben ist, trotz Facebook oder Whatsapp. Ob Bibelgarten, Kurpark, die Ereignisse im Rathaus oder im kulturellen wie kirchlichen Leben – alle bekommen ihr Fett weg.

Lachen über „Pharisäerbande“

Auf Tanko Scholten, den neuen CDU-Vorsitzenden, singt er einen Rap und prophezeit, dass er der neue Bürgermeisterkandidat werden will. Roters beklagt, dass es keine Festspiele mehr gibt, nur um sogleich festzustellen, dass man eigentlich genug Theater in der Stadt habe, frei nach Shakespeare: Viel Lärm um nichts oder der Widerspenstigen Zähmung. Den Schnullerbaum, ein Projekt der Grünen, nimmt er aufs Korn: „Demnächst mit Schullersaugerkette, ein Baum als neue Pilgerstätte“. Und auch der Bibelgarten bleibt nicht verschont:“ „Kein biblisches Paradies, verzagte Bäumchen und Steinteppichflies. Oder spielt man hier für manchen Besucherbus mit Steinen die Geschichte von Stephanus?“

Straßenkarneval.
Viel Spaß hatten die Menschen beim Straßenkarneval. | Foto: Armin Fischer

Die Bürger-Basis-Xanten, eine Fraktion im Stadtrat, wird als Pharisäerbande beschrieben, die Kollegen von der CDU warten nur noch auf die Erlösung, und der zukünftige Waldkindergarten wird als Baubuden-Unternehmen tituliert. Das Publikum dankt Roters mit einem begeisterten App­laus.

Dechant als „Eulenspiegel“

In Sachen Karneval hat Rheinbergs Dechant Martin Ahls ein Heimspiel. Immerhin hat der gebürtige Alpener lange in der Nachbarstadt Xanten gelebt und steht von Kindesbeinen an mitten im rheinischen Humor. Dass er trotz seines 18-jährigen Aufenthaltes im westfälischen Haltern seinen  Schelm nicht verloren hat, bewies er auf den närrischen Sitzungen.

Sein Auftritt als „Eulenspiegel“, bis zur letzten Minute geheim gehalten, war einer der großen Höhepunkte dieser Büttensitzung. Martin Ahls erwies sich als Kenner der lokalen Themen und ließ zahlreiche Spitzen los in Richtung lokales Geschehen. Sein Fazit: „Es ist schön, ein Narr zu sein.“

Karnevalistische Messe

Dass er sein närrisches Temperament behalten hat, zeichnete sich schon vor seiner offiziellen Ernennung zum neuen Pfarrer von St. Peter im vergangenen Jahr ab. Am Nelkensamstag 2017 setzte er die Rheinberger Tradition seines Vorgängers Wolfgang Schmitz fort und feierte eine karnevalistische plattdeutsche Messe in der Kirche.

Auch die Xantener KFD um die Sitzungspräsidentin Anne Winnekens weiß zu feiern. Ein Team, bestehend aus zehn Frauen, strapazierte vier Stunden die Lachmuskeln der Karnevalsfreundinnen in der Michaelskapelle. Anne Winnekens blickte als Eule auf das vergangene Jahr zurück. Ihr folgten zahlreiche Sketche, Büttenreden, Gesangsnummern und Tanzeinlagen.